Siemens-Werk in Görlitz bleibt bestehen | Aktuell Deutschland | DW | 08.05.2018
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Einigung mit Gewerkschaft

Siemens-Werk in Görlitz bleibt bestehen

Stellenabbau und Standortschließung: Die Pläne für das Siemens-Werk in Görlitz trieben Tausende Arbeiter auf die Straßen. Eine Grundsatzeinigung mit der Gewerkschaft über die Kraftwerks-Sparte entschärft den Konflikt.

 Teilnehmer einer Demonstration für den Erhalt der Standorte von Siemens und Bombardier gehen in Görlitz (Ostsachsen) am Siemens-Werk vorbei. (Foto: picture-alliance/dpa/P. Sosnowski)

Kämpften seit Herbst für den Erhalt des Standorts: Mitarbeiter des Siemens-Werks in Görlitz

Die umstrittenen Schließungspläne für den Siemens-Standort in Görlitz sind endgültig vom Tisch. Nach intensiven Sondierungsgesprächen seien verbindliche Eckpunkte unter anderem zur Standortsicherung des Turbinenwerks in Sachsen vereinbart worden, teilte die Gewerkschaft IG Metall mit.

Pläne sollen Ende September stehen

Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat und IG Metall hatten sich in der Nacht auf einen Zukunftspakt für die schwächelnde Kraftwerks- und für die Antriebssparte geeinigt, wie Siemens in München mitteilte. Nach Angaben von Siemens wurden "wichtige Meilensteine" erreicht. Der geschlossene Pakt bilde die Grundlage für die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan, die nun beginnen und noch im laufenden Geschäftsjahr abgeschlossen werden sollten, so die Konzernleitung. Der Standort Görlitz werde zur "weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinen-Geschäft ausgebaut", erklärte Siemens. Allerdings seien auch hier "Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich".

Für weitere Standorte vor allem in Ostdeutschland werden Maßnahmen sondiert - ein Stellenabbau droht aber an allen Standorten. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland letztlich wegfallen, soll nun bis Ende September im Detail ausverhandelt werden. Für den Standort Leipzig prüfte Siemens auch einen möglichen Verkauf. In Berlin, Duisburg, Erfurt und Mülheim sind nach Angaben von Siemens Umbaumaßnahmen "zwingend nötig, um die Kosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken zu können".

Siemens will Millionen-Betrag einsparen

Das Geschäft der Siemens-Sparte "Power and Gas", die vor allem große Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke herstellt, ist von der Energiewende massiv betroffen.  Der Standort Offenbach, wo Beschäftigte Kraftwerke planen und bauen, soll nach Angaben des Unternehmens wie geplant mit Erlangen gebündelt werden. Dadurch werde Offenbach "perspektivisch aufgegeben", ein Teil der Mitarbeiter solle jedoch weiter im Rhein-Main-Gebiet bleiben, erklärte Siemens. Mit den Kürzungen will der Konzern einen "großen dreistelligen Millionenbetrag" einsparen, wie Personalchefin Janina Kugel sagte. Man sei offen für kreative Lösungen, wichtig sei aber, dass das Sparziel, das Siemens noch genau beziffern will, erreicht werde. IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner sprach von einem "für beide Seiten akzeptablen Ergebnis".

Siemens hatte angekündigt, in den Sparten weltweit zusammen rund 6900 Jobs zu streichen, davon rund 3400 in Deutschland. Außerdem sollten zwei Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig geschlossen werden, auch der Standort Offenbach stand auf der Kippe. Die Pläne waren bei Arbeitnehmervertretern und auch in der Politik auf heftigen Widerstand und teils massive Kritik gestoßen. Der Konzern begründete seine Entscheidung mit einem "rasant zunehmenden Strukturwandel" bei der fossilen Stromerzeugung und im Rohstoffsektor.

sam/rb (afp, dpa, rtr)