Siemens soll den Irakern Strom bringen | Aktuell Nahost | DW | 21.10.2018
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Unternehmen

Siemens soll den Irakern Strom bringen

Siemens steht kurz vor einem Milliarden-Deal mit dem Irak zu einem großangelegten Ausbau der Stromversorgung. Die massiven Interventionen des US-Präsidenten gegen den deutschen Konzern scheinen ins Leere zu laufen.

Irak Elektriker in Bagdad (Reuters/S. Shalash)

Strom in Bagdad - derzeit Glückssache

Trotz erheblicher Interventionen von US-Präsident Donald Trump hat Siemens im Ringen um einen lukrativen Milliarden-Auftrag im Irak seine Chancen gegen den amerikanischen Konkurrenten General Electric deutlich verbessert. Der Siemens-Konzern und die Regierung in Bagdad unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung über den Ausbau der Stromkapazitäten im Irak.

Deutschland Joe Kaeser (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Siemens-Chef Joe Kaeser

Der für den deutschen Großkonzern wichtige Schritt hatte in den Tagen zuvor noch auf der Kippe gestanden. Die "Financial Times" hatte von erhöhtem Druck der USA auf die Regierung in Bagdad berichtet. Unter anderem seien Waffenlieferungen versprochen worden. Der Finanzdienst Bloomberg schrieb, ranghohe Vertreter Washingtons hätten Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi gewarnt, die Beziehungen zwischen den Ländern zu riskieren, falls ein Auftrag an Siemens gehen sollte.

Unterstützung von Seiten der Bundesregierung

Doch auch die deutsche Seite hatte sich ins Zeug gelegt. Erst vor wenigen Wochen war Konzernchef Joe Kaeser in den Irak gereist, um dort persönlich für das Vorhaben zu werben. Genauso wie der Siemens-Rivale General Electric von der US-Regierung unterstützt wird, macht sich die Bundesregierung für Siemens im dem Bemühen um den Großauftrag stark. Konzernchef Kaeser wurde in Bagdad vom parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, begleitet. Der begrüßte die Unterzeichnung der Absichtserklärung. Die Bundesregierung "unterstützt diesen langfristigen Prozess", erklärte Bareiß. Das Siemens-Konzept sei "sehr überzeugend".

Um den Münchnern einen Vorteil zu verschaffen, soll sich laut "Handelsblatt" sogar die Bundeskanzlerin persönlich eingeschaltet haben. Angela Merkel habe dafür den irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi angerufen. 

Strommangel trotz Ölreichtum

Obwohl der Irak eines der ölreichsten Länder der Welt ist, leidet die Bevölkerung unter der schlechten Versorgung mit Elektrizität. Vor allem, wenn die Iraker in den heißen Sommermonaten mit Temperaturen von bis zu 50 Grad allerorten Klimaanlagen einschalten, fällt ständig der Strom aus. Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein 2003 scheiterten alle Regierungen daran, die Lage entscheidend zu verbessern. Der Vorschlag von Siemens sieht vor, binnen vier Jahren die Stromversorgung von 23 Millionen Irakern sicherzustellen. Dafür will der Konzern Energieerzeugungskapazitäten von elf Gigawatt aufbauen. Iraks Stromerzeugung würde dadurch um fast 50 Prozent steigen.

Das Auftragsvolumen wird auf einen hohen einstelligen Milliardenbetrag geschätzt. Das Geld kann Siemens gut gebrauchen: Wegen Überkapazitäten bei Großturbinen und der Wende in Deutschland hin zu erneuerbaren Energien steckt die Kraftwerkssparte in der Krise.

qu/uh (dpa, afp)

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