Siebenköpfige kurdische Familie in der Türkei umgebracht | Aktuell Asien | DW | 31.07.2021
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Gewaltakt

Siebenköpfige kurdische Familie in der Türkei umgebracht

In der Türkei sorgt ein mutmaßlich rassistisch motivierter, tödlicher Angriff auf eine kurdische Familie für Entsetzen. Bewaffnete Angreifer töteten bei der Stadt Konya sieben Menschen.

Türkei Mord einer kurdischen Familie

Polizei und Feuerwehr sind am Tatort in der türkischen Provinz Konya eingetroffen

Die Angreifer seien in das Haus der Familie in der zentraltürkischen Provinz Konya eingedrungen und hätten die zwischen 35 und 65 Jahre alten Bewohner erschossen, meldet die Nachrichtenagentur DHA. Zudem hätten sie am Freitagabend am Freitagabend im Haus ein Feuer gelegt. Zehn Verdächtige wurden demnach festgenommen.

Mitglieder der Familie Dedeoglu waren bereits im Mai angegriffen und schwer verletzt worden. Eines der jetzt getöteten Familienmitglieder hatte der Nachrichtenwebsite "Gazete Duvar" vor wenigen Tagen gesagt, Nachbarn hätten die Familie bedroht und gesagt, sie würden "hier keine Kurden wohnen lassen". Die gesamte Familie habe um ihr Leben gefürchtet, zumal Polizei und Justiz nicht gegen die damaligen Angreifer vorgegangen seien.

Der Anwalt der Familie, Abdurrahman Karabulut, sprach im Sender Arti TV von einem "absolut rassistischen Angriff". Die Behörden seien "mit dafür verantwortlich, was passiert ist". Die Vize-Vorsitzende des türkischen Menschenrechtsverbands, Eren Keskin, ließ verlauten, die Familie sei schon in der Vergangenheit aus rassistischen Motiven angegriffen worden. Sie selbst sei über die Drohungen gegen die Familie informiert gewesen, und fügte hinzu: "Das jüngste Familienmitglied sagte mir: 'Wir haben große Angst'."

Nur ein Familienfehde?

Nach Angaben des türkischen Innenministers Süleyman Soylu steckt jedoch eine seit langem bestehende Feindschaft zwischen zwei Familien hinter dem Verbrechen. Die Morde als rassistische Tat zu bezeichnen, sei "eine Provokation", sagte er zu Reportern.

Türkei Innenminister Süleyman Soylu

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu (Archivbild)

"Dieser Anschlag hat nichts mit der türkisch-kurdischen Frage zu tun." Eine derartige Verbindung herzustellen, sei "genauso gefährlich wie der Anschlag selbst". Laut Staatsanwaltschaft reicht der Streit zwischen den beiden Familien ins Jahr 2010 zurück.

Für die prokurdische Demokratische Volkspartei (HDP) passen die Morde hingegen in ein bestimmtes Muster. Die kurdische Familie sei wegen "Hassreden" ermordet worden. "Wir haben in Konya ein schreckliches Beispiel für die rassistischen Angriffe erlebt, die es seit einiger Zeit gibt", so der HDP-Co-Vorsitzende Mithat Sancar. Er machte den "hasserfüllten und provokativen" Diskurs der Behörden mitverantwortlich für das "Massaker" und beschuldigte die Regierung, die HDP und Kurden allgemein zum Ziel zu machen.

Türkei | HDP Politiker Mithat Sancar

Mithat Sancar, der Co-Vorsitzende der prokurdischen Partei HDP (Archivbild)

In der Türkei haben sich in den vergangenen Wochen Übergriffe auf Kurden aus mutmaßlich rassistischen Motiven gehäuft. Vor anderthalb Wochen wurde in der Region Konya in Zentralanatolien ein kurdischer Bauer von Angreifern getötet, die ihm laut Zeugenaussagen gesagt hatten, Kurden seien in dem Dorf nicht erwünscht. Die Präfektur von Konya hatte einen rassistischen Hintergrund zurückgewiesen und von einem Streit um Vieh und Land gesprochen.

kle/AR (afp, dpa, ape)