Sicherheitsmängel in Einkaufszentrum | Aktuell Europa | DW | 25.03.2018
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Russland

Sicherheitsmängel in Einkaufszentrum

Bei der Brandkatastrophe in der sibirischen Stadt Kemerowo kamen mehr als 60 Menschen ums Leben - unter ihnen auch viele Kinder. Ermittler erheben nun schwere Anschuldigungen.

Die Behörden bestätigten inzwischen die Vorwürfe von Augenzeugen: Nach ersten Untersuchungen war der Feueralarm abgestellt, viele Notausgänge waren verschlossen. Zudem sei bereits beim Bau gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen worden.

Das Feuer brach am frühen Sonntagabend im vierten Stock des Einkaufszentrums in Kemerowo aus. Es erfasste innerhalb kurzer Zeit eine Fläche von rund 1600 Quadratmetern. 64 Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt.

Das Shopping-Center „Simnjaja Wischnja“ (Winterkirsche), ist wegen seines Kinos und eines Tiergeheges besonders bei Familien beliebt. Es war 2013 in der Industriestadt rund 3000 Kilometer östlich von Moskau eröffnet worden.

Mehr als 500 Feuerwehrleute im Einsatz

Überlebende berichteten von dramatischen Szenen: Es habe keinen Feueralarm gegeben, die Eingangstüren des Kinos seien verschlossen gewesen. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Maßnahmen zur Rettung ergriffen und die Notausgänge blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen.

Mehr als 500 Feuerwehrleute waren im Einsatz und retteten Dutzende Menschen aus dem Gebäude, als zwei der drei Kinosäle einstürzten. Die Einsatzkräfte brachten das Feuer weitgehend unter Kontrolle, die Flammen flackerten jedoch auch Stunden später immer wieder auf.

Spekulationen über Brandursache

Bei der Suche nach der Brandursache kursierten Berichte über mangelhaften Brandschutz. Nach Regierungsangaben ist das Versagen aller Sicherheitsvorkehrungen auf Schlamperei und Fahrlässigkeit zurückzuführen. Experten kritisierten auch Baumängel am Gebäude und die schlechte Qualität der Einrichtung im Einkaufszentrum, die zu schnell Feuer fangen könne.

Wenige Stunden nach dem Brand wurden vier Verantwortliche festgenommen, unter ihnen der Direktor des Einkaufszentrums.

Dreitägige Trauer

Zahlreiche Bewohner in Kemerowo brachten Blumen zum Rathaus und legten Stofftiere auf Parkbänke. Eltern klebten Bilder ihrer vermissten Kinder an die Wände. Die Behörden kündigten eine dreitägige Trauer an.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach den Familien sein Beileid aus, ebenso  Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Sie teile den Schmerz der Menschen in Kemerowo und bekunde ihnen ihre tief empfundene Anteilnahme, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Immer wieder kommt es in Russland zu verheerenden Bränden, bei denen viele Menschen wegen mangelnder Sicherheitsbestimmungen ums Leben kommen. Zu Jahresbeginn starben mehr als ein Dutzend Gastarbeiter in einer Schuhfabrik in Nowosibirsk. Vielen Russen ist auch die Tragödie von Perm aus dem Jahr 2009 noch in Erinnerung: Nach einer missglückten Feuershow in einem Nachtclub starben mehr als 150 Menschen - die meisten waren erstickt oder zu Tode getrampelt worden.

hf/jj (dpa, rtr, afp)