Sexpartys: London droht Oxfam mit Geld-Stopp | Aktuell Welt | DW | 11.02.2018
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Nichtregierungsorganisationen

Sexpartys: London droht Oxfam mit Geld-Stopp

Erst ging es um wilde Feiern mit Prostituierten in Haiti, jetzt um ähnliche Vorwürfe im Tschad. Die Hilfsorganisation Oxfam will die Anschuldigungen prüfen. Die britische Regierung droht mit einem Stopp der Gelder.

Die britische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Penny Mordaunt, sagte, die Regierung könne ihre Zuwendungen streichen, wenn Oxfam und andere Nichtregierungsorganisationen (NGO) Schutzvorkehrungen gegen solche Vorfälle nicht ordentlich umsetzten. Mordaunt sagte in der BBC, Oxfam habe einen "Mangel an Urteilsvermögen" gezeigt und in Bezug auf die "moralische Führung" versagt. Dies wolle sie an diesem Montag mit Oxfam-Vertretern erörtern.

Das britische Wochenblatt "The Oberserver" berichtet, im Tschad seien im Jahr 2006 wiederholt mutmaßliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden. Ein leitender Mitarbeiter sei damals wegen seines Verhaltens entlassen worden.

Das waren keine Freundinnen

"Sie luden die Frauen zu den Partys ein. Wir wussten, dass das nicht nur Freundinnen waren, sondern etwas anderes", zitiert die Zeitung einen Ex-Mitarbeiter. Die Hilfsorganisation leiste "großartige Arbeit", ergänzte er. "Aber das ist ein sektorweites Problem."

Laut "Observer" leitete damals ein Mitarbeiter die Oxfam-Arbeit im Tschad, der später nach Haiti wechselte. Er verließ die Organisation im Jahr 2011, nachdem es Berichte über Besuche von Prostituierten in seinem Haus gegeben hatte.

Zuvor hatte die Zeitung "The Times" berichtet, Oxfam-Mitarbeiter hätten während ihres Einsatzes nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet. Dem Artikel zufolge, der sich auf einen internen Oxfam-Untersuchungsbericht aus dem Jahr 2011 berief, sollen die Partys in einer von Oxfam angemieteten Villa stattgefunden haben.

Klarstellung von Oxfam

Die Pressestelle von Oxfam stellte dabei gegenüber der Deutschen Welle ausdrücklich klar, die Prostituierten seien nicht aus Oxfam-Mitteln bezahlt worden. Es habe deshalb in dieser Hinsicht auch keine Veruntreuung von Spendengeldern gegeben. Es sei aber richtig, dass "die Ereignisse" in einem Haus stattgefunden hätten, das Oxfam damals für seine Helfer in Haiti gemietet habe.

Penny Mordaunt (picture alliance/dpa/Zuma/London News Pictures/R. Pinney)

Entwicklungsministerin Mordaunt wirft Oxfam mangelndes Urteilsvermögen und moralisches Versagen vor

Oxfam-Leiter Mark Goldring sagte, er sei "tief beschämt" vom Verhalten des Oxfam-Teams in Haiti. Die Vorfälle seien inakzeptabel und ein gravierender Verstoß gegen den Verhaltenskodex von Oxfam. Der Skandal sei aber nicht vertuscht worden, betonte er. Im übrigen werde man allen noch offenen Vorwürfen nachgehen.

Oxfam hat nach eigenen Angaben wegen des Skandals bislang vier der beschuldigten Mitarbeiter entlassen. Zwei weitere Oxfam-Angestellte kamen demnach ihrer Entlassung durch Kündigung zuvor.

Im vergangenen Fiskaljahr erhielt Oxfam von der britischen Regierung laut Medienberichten fast 32 Millionen Pfund (etwa 36 Millionen Euro).

haz/jj (dpa, afp, rtr)