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ArchitekturSenegal

Senegal: Neues Goethe-Institut in Dakar wird eröffnet

Susanne Lenz-Gleissner
16. April 2026

Das neue Goethe‑Institut in Dakar setzt auf nachhaltige Architektur aus Lehm. Stararchitekt Francis Kéré schafft zeitgenössisches Design mit lokalen Materialien.

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Luftaufnahme des Gebäudes von oben
Eine erholsame Insel in der Metropole Dakar: Das neue Gebäude des Goethe-InstitutsBild: Willie Schumann

Das neue Goethe‑Institut Dakar ist mehr als ein Gebäude. Rund um einen alten Baobab‑Baum angelegt, schafft es einen offenen Ort für Kultur, Bildung und Austausch. Einen Ort, der Respekt für lokale Traditionen und Mut für globale Visionen signalisiert. Seit 1978 gibt es ein Goethe-Institut in der Hauptstadt des Senegals. Der neue nachhaltige Gebäudekomplex wird von den Vereinten Nationen unterstützt.

Francis Kéré: Nachhaltigkeit als Haltung

Vor sieben Jahren zeichnete der renommierte Architekt Francis Kéré auf einem staubigen Sandplatz seine ersten Entwürfe in seinen Notizblock. Der international renommierte Architekt aus Burkina Faso, erster Schwarzer Preisträger des Pritzker‑Preises (2022) und zudem ausgezeichnet mit dem japanischen Praemium Imperiale, wollte ein Gebäude schaffen, das moderne Architektur mit afrikanischer Baukultur verbindet.

Dabei sollte ein jahrtausendealter Baustoff verwendet werden, der Hitze abhält und kühle Räume schafft: Lehm. Aus der roten Erde Senegals wurden mit einer minimalen Zementbeimischung Ziegel gepresst.

Bauarbeiter arbeitet an einer Mauer aus Ziegelsteinen
Gepresste Lehmziegel sorgen für gutes KlimaBild: Willie Schumann

Luftige Architektur aus Lehm

Ganz bewusst setzt Francis Kéré auf den Baustoff Lehm, wie er im Interview mit der DW erklärt: "Ich habe die Eigenschaften des Lehms modifiziert, um gleichmäßige Lehmsteine herzustellen und damit ein Gebäude zu errichten, das für die Menschen modern ist." Er habe bewusst ein Material verwendet, das die Leute kennen. "Und das ist so wichtig: Die Menschen fühlen sich wirklich geehrt und ernst genommen", sagt Kéré.

Die Architektur fügt sich harmonisch in ihre Umgebung ein - mit verschatteten Fassaden, offenen Übergängen und natürlicher Belüftung. Lediglich einige tragende Elemente wurden mit Stahlbeton errichtet.

Francis Kéré steht vor einem Rednerpult
Stararchitekt Francis Kéré kommt aus Burkina Faso. In Berlin hat er studiertBild: Willie Schumann

Bioklimatisches Bauen im Herzen von Dakar

Die Bauleitung übernahm das Architekturbüro Worofila aus Dakar, gegründet von Nzinga Mboup und Nicolas Rondet. Ihr Büro ist spezialisiert auf bioklimatische Architektur, die auf passive Kühlung, Querlüftung und lokale Materialien setzt. Innenhöfe sorgen für Luftzirkulation, die massiven Lehmwände speichern Kühle und geben sie in der Hitze langsam wieder ab - ein bewährtes Prinzip traditioneller Bauweisen in der Sahelregion. 

"Ich spüre hier die Brise des Ozeans", erklärt Nzinga Mboup, Architektin bei Worofila. "Die Lehmbauweise hat etwas sehr wesentliches, kraftvolles, das den Körper wieder mit der Materie verbindet. Man muss das nicht erklären, man muss es selbst erleben."

Nzinga Mboup mit Helm zeigt auf die Lehmwände im Gebäude
Architektin Nzinga Mboup sorgt für die richtige LuftzirkulationBild: Willie Schumann

Signalwirkung über Senegal hinaus

Mit seinem neuen Gebäude rückt das Goethe‑Institut Lehmarchitektur international in ein neues Licht. Das Projekt zeigt, dass nachhaltiges Bauen im großen Maßstab auch unter komplexen globalen Bedingungen möglich ist.

Dakar gehört zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Afrikas. Mit diesem Wachstum steigen auch die Herausforderungen: Wohnraummangel, Hitze sowie steigende CO₂‑Emissionen durch Betonbauten, die häufig mit Klimaanlagen ausgestattet sind, die viel Energie verbrauchen.

Nachhaltige Alternativen werden dringend benötigt, erklärt Lesley Lokko, Architekturwissenschaftlerin aus Ghana im DW-Interview. "Wir sind der Kontinent, der sich am schnellsten urbanisiert. Es gibt also einen unglaublichen Zeitdruck. Ich möchte diesen Druck für uns nutzen. Wir haben nicht hundert Jahre Zeit. Wir müssen jetzt denken und handeln."

Nahaufnahme der Außenfassade des neuen Goethe-Instituts
Lehm als ökologischer Baustoff der ZukunftBild: Willie Schumann

Mittlerweile setzt eine ganze Generation von Architektinnen und Architekten auf Lehm als Baustoff der Zukunft. Das neue Goethe-Institut in Dakar ist ein Modell für nachhaltiges Bauen. Die urbane Zukunft der Welt, so die Botschaft dieses Hauses, könnte dort beginnen, wo uraltes Wissen, moderne Technologie und gesellschaftliche Verantwortung zusammentreffen - in der roten Erde Afrikas.

Nach jahrelanger Bauzeit wird die Kulutrinstitution am 18. April 2026 in Dakar eröffnet. Das Goethe-Institut Senegal betreut auch die Regionen Gambia, Kap Verde und Guinea-Bissau.

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