Seehofer und Co: Bayern ist nicht gleich Bayern | Kultur | DW | 03.07.2018
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Regierungskrise

Seehofer und Co: Bayern ist nicht gleich Bayern

Die Regierungskrise zeigt: Die Bayern sind ein eigenes Völkchen. Aber sind sie das wirklich? DW-Redakteur Conny Paul - geboren in Niederbayern - meint, dass es "den Bayern" gar nicht gibt. Trotz der vielen Klischees.

Die Landschaften Bayerns sind so vielfältig und gegensätzlich wir die Menschen, die in Bayern leben. Wenn jemand einem Münchner Ureinwohner beispielsweise erklärt, er sei ebenfalls Münchner und lebe in Schwabing, dann könnte es sein, dass er gefragt wird, in der wievielten Generation er denn schon in München lebe. Drei Generationen einer Familie sollten schon wenigstens dort zu Hause sein. Sonst rümpft der Ur-Münchner die Nase und schüttelt den Kopf. Eine kleine gefällige Dialekteinfärbung macht noch keinen echten Bayern aus.

Jodler und Biertrinker

Als der Autor dieser Zeilen 1967 von seiner Geburtsstadt Landshut - immerhin die Hauptstadt Niederbayerns - an den Chiemsee im oberbayerischen Alpenvorland gezogen war und in den Schulferien seine alten Freunde besuchte, fragten diese ihn, ob er nach einem halben Jahr als Oberbayer denn auch schon jodeln und platteln könnte. Er konnte auch verneinen, dass er jetzt mit Bier aufgezogen werde. Diese Fragen wurden ernsthaft gestellt. Die oberbayerische TV-Sendung "Komödienstadl" und das Münchner Oktoberfest - München liegt ebenfalls in Oberbayern - hatten sicherlich zu diesem Irrglauben beigetragen. Zugleich kannten auch die neuen oberbayerischen Mitschüler die nur 90 Kilometer entfernte Stadt Landshut in Niederbayern gar nicht.

Deutschland, Eisenberg: Königswinkel im Sonnenaufgang (picture-alliance/dpa/K.-J. Hildenbrand)

Klischee Bayern: Postkarten-Motive ohne Ende

Sprachen und Dialekte

In Bayern gibt es viele Dialekte. In jedem oberbayerischen Tal wird etwas anders gesprochen. Auch das Niederbayerische unterscheidet sich von Gegend zu Gegend, von Dorf zu Dorf. Wenn der Chiemgauer zum Skifahren ins Allgäu fahren würde, was ihm in der Regel ohnehin schon viel zu weit weg ist, hätte er sicherlich das eine oder andere kleine Verständigungsproblem. Die Allgäuer sprechen eine ganz andere Sprache.

Noch deutlicher werden die sprachlichen Unterschiede, wenn ein Chiemgauer nach Franken fährt. Ein oberbayerischer Seufzer lautet: "Wir müssen Gott für alles danken, auch für Ober-, Mittel- und Unterfranken." Besucht der Oberbayer beispielsweise seine Freunde im mittelfränkischen Weißenburg, kann es sein, dass er in der ersten halben Stunde fast nichts von dem versteht, was seine Freunde ihm gerade im Schnellsprechtempo erzählen.

Das soll aber keine Begründung für das Kommunikationsproblem von Horst Seehofer und Markus Söder sein. Beide sprechen doch ein überraschend gutes Hochdeutsch. Seehofer ist im oberbayerischen Ingolstadt geboren, und der bayerische Ministerpräsident stammt aus dem mittelfränkischen Nürnberg.

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