Schwule und Lesben demonstrieren in Prag und Plock | Aktuell Europa | DW | 11.08.2019
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Minderheiten

Schwule und Lesben demonstrieren in Prag und Plock

Mehr Akzeptanz für Schwule und Lesben, Bisexuelle und Transgender: Dafür setzen sich Zehntausende ein, die in Prag und der polnischen Stadt Plock an Märschen teilnahmen. Trotz aufgeheizter Atmosphäre blieb es ruhig.

Auch das unfreundliche Regenwetter hielt Zehntausende Menschen in der tschechischen Hauptstadt Prag nicht davon ab, bei der neunten "Prague Pride" mitzumachen. Sie zogen mit Regenbogenfahnen und in schrillen Kostümen durch die Altstadt der Moldaumetropole. Eine Sprecherin des Veranstalters schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 30.000.

Die Veranstaltung unter dem Motto "Gemeinsam in nächster Nähe" setzte sich dafür ein, mehr Toleranz für Zuneigungsbekundungen in der Öffentlichkeit zu zeigen. "Ich würde mir nicht herausnehmen, mit meinem Freund an der Hand durch meine Heimatstadt zu laufen", sagte ein 47 Jahre alter Teilnehmer. Auch auf der Arbeit wolle er sich lieber nicht outen. "Liebe ist Liebe - man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt", sagte eine 19-Jährige aus dem Norden Tschechiens.

Tschechien Schwule und Lesben demonstrieren in Prag für mehr Gleichberechtigung (Reuters/D.-W. Cerny)

Auch Hunde machten bei der Demo für mehr Gleichberechtigung von Homosexuellen in Prag mit

Streng christliche Gruppen hatten zu einer Gegenkundgebung aufgerufen. Die Teilnehmer hielten Schilder hoch wie "Tschechien ist nicht Sodom und Gomorrha". Die Polizei war mit Anti-Konflikt-Teams vor Ort. Seit 2006 können sich gleichgeschlechtliche Paare in Tschechien in einer eingetragenen Partnerschaft binden. Eine Ehe für alle wie in Deutschland gibt es indes nicht.

Gleichstellungsmarsch in Polen

In der polnischen Stadt Plock fand ebenfalls am Samstag eine Parade der LGBT-Gemeinde (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) statt, an der etwa 2000 Menschen teilnahmen. Ein großes Polizeiaufgebot sollte Zusammenstöße mit Hunderten rechtsgerichteten Gegendemonstranten verhindern. Die Kundgebung in der 120.000-Einwohner-Stadt Płock etwa 100 km nordwestlich von Warschau setzte sich für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben, Bisexuellen und Transgender ein und fand in einer aufgeheizten Atmosphäre statt.

Vor drei Wochen hatten rechtsextreme Hooligans den ersten Gleichheitsmarsch in der Stadt Bialystok für die Rechte von Homosexuellen angegriffen. Rund 800 LGBT-Demonstranten wurden unter anderem mit Flaschen, Pflastersteinen und Knallkörpern beworfen und wurden auch danach noch auf der Straße verfolgt. Die Sicherheitskräfte konnten eine Blockade des Marsches verhindern. Die katholische Kirche und Nationalisten hatten zuvor gegen die Parade gehetzt.

Polen LGBT-Protest für Gleichstellung in Plock (picture-alliance/zumapress/W. Dabkowsk)

LGBT-Kundgebung für Gleichstellung in der polnischen Stadt Plock

Erst am Donnerstag sprach sich der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz gegen eine Legalisierung der "Homo-Ehe" aus und verurteilte eine angebliche "LGBT-Ideologie" um Homo-, Bi- und Transsexuelle. Der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki wandte sich in einer Erklärung gegen eine solche Ideologie, die anstrebe, die sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen zu revolutionieren. Er appellierte an polnische Abgeordnete, sich Plänen zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zu widersetzen. Anlass für die Erklärung waren Äußerungen des Krakauer Erzbischofs Marek Jedraszewski, der in einer Predigt von einer "Regenbogen-Krankheit" gesprochen hatte, was wiederum zu Protesten führte.

Street Parade in Zürich

Für Toleranz, Frieden und Freiheit demonstrierten unterdessen Hunderttausende Menschen in Zürich. In kunterbunten und knappen Kostümen verwandelten sie die Straßen der Schweizer Metropole gleichsam in eine riesige Disco. Zu Technomusik tanzten die Menschen stundenlang bei gutem Wetter durch die Stadt. 28 Lastwagen, sogenannte Love Mobiles, schlängelten sich bei der Parade durch die Besuchergruppen am Straßenrand und beschallten das Partyvolk. Zudem legten bekannte DJs Musik auf acht verschiedenen Bühnen auf.

Schweiz Riesenparty in Zürich für Frieden, Freiheit und Toleranz (Reuters/A. Wiegmann)

Farbenprächtige Riesenparty in Zürich für Frieden, Freiheit und Toleranz

Die Street Parade stand dieses Jahr unter dem Motto "Colours of Unity" - Farben der Einheit. "Die Farben stehen stellvertretend für die unterschiedlichen Herkünfte, Ansichten, Bildung oder Hintergründe der Besucher sowie für die Artenvielfalt ganz generell", erklärten die Veranstalter.

Gegründet wurde die Veranstaltung 1992. Damals waren nur zwei Musikwagen und 2000 Teilnehmer dabei. Inzwischen gehört die Parade zu einer der größten Technopartys der Welt. Im Vorjahr tanzten nach Schätzungen der Veranstalter eine Million Menschen durch Zürich. Dieses Jahr wurde mit 850.000 bis 950.000 Besuchern gerechnet.

kle/nob (dpa, ape, afpe, kna, rtre)

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