Schweinegrippe nur Panikmache? | Europa | DW | 24.06.2010
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Europa

Schweinegrippe nur Panikmache?

Die Parlamentarier des Europarats haben Aufklärung über den Schweinegrippen-Alarm durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefordert. Es steht die Frage im im Raum, ob sich die Organisation hat beeinflussen lassen.

Spritze an Oberarm (Foto: dpa)

Die Schweinegrippe führte zu breit angelegten Impfaktionen

Für viele Abgeordnete des Europarats ist klar: Die Ausrufung einer Pandemie habe mehrere Länder zu breit angelegten Impfkampagnen und damit zu einer "erheblichen Verschwendung" öffentlicher Gelder veranlasst. Die parlamentarische Versammlung des Europarats hat angesichts von Millionen Einheiten überflüssiger Schweinegrippe-Impfstoffe in einer Entschließung eine schärfere Kontrolle der Pharmaindustrie gefordert. Die Mitgliedsregierungen sollen nach dem Willen der EU-Abgeordneten prüfen, inwieweit die Pharmaindustrie die Entscheidungen der staatlichen Gesundheitsbehörden in Verbindung mit der Schweinegrippe beeinflusst habe, hieß es in dem am Donnerstag (24.06.2010) in Straßburg veröffentlichten Papier.

Obama bei einer Impfung gegen Schweinegrippe (Foto: Photoshot)

Auch US-Präsident Obama ließ sich gegen die Schweinegrippe impfen

Zudem kritisierten die EU-Abgeordneten, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) trotz wiederholter Anfragen der Öffentlichkeit nach wie vor wichtige Informationen über die Hintergründe des Schweinegrippen-Alarms zurückhalte. Dies erschwere Nachforschungen über etwaige Kontakte der Mitglieder dieses Beratungsgremiums zur Pharma-Industrie, die von den Massenimpfungen profitiert habe. Auch habe die WHO keine schlüssige Erklärung dafür gegeben, warum diese im Frühjahr 2009 die Kriterien für die Ausrufung einer Pandemie geändert habe, hieß es. Seither ist nur die Geschwindigkeit ausschlaggebend, mit der sich ein neuer Virus verbreitet. Die Gefährlichkeit der Krankheit spielt dagegen keine Rolle mehr.

Verschwendung vieler Milliarden Euro

Hinter der damaligen Entscheidung für die Impfaktion steckt nach Meinung des spanischen Sozialisten Arcadio Diaz Tejera eine "Kette von Schummeleien, ein großes Täuschmanöver". Dies habe zur Verschwendung von vielen Milliarden Euro für Impfkampagnen geführt. Die Initiative zu dieser Entschließung kam von dem ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wodarg. Der Politiker, der einst als Arzt und Epidemiologe arbeitete, hat den Umgang mit der Schweinegrippe als "einen der größten Medizinskandale des Jahrhunderts" angeprangert. Man habe Millionen gesunder Menschen unnötigerweise dem Risiko mangelhaft getesteter Impfstoffe ausgesetzt, sagte er.

Das sieht die WHO anders: Nach Darstellung von Direktorin Margaret Chan hat sich die Weltgesundheitsorganisation in ihren Empfehlungen zur Schweinegrippe-Impfung nicht von Beratern der Pharmaindustrie beeinflusst lassen. "Zu keiner Zeit, nicht für eine Sekunde, sind mir bei meinen Entscheidungen kommerzielle Interessen in den Sinn gekommen", sagte Margaret Chan vor einigen Tagen zu den Vorwürfen in Genf.

Autor: Marcus Bölz (afp, dpa)
Redaktion: Hajo Felten

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