Schulz verzeiht Gabriel | Aktuell Deutschland | DW | 17.02.2018
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SPD

Schulz verzeiht Gabriel

Der zurückgetretene SPD-Chef Schulz hat sich nach eigenen Worten mit Außenminister Gabriel versöhnt. Kann Gabriel, dem mangelnde Loyalität vorgeworfen wurde, nach einer Entschuldigung bei Schulz nun doch im Amt bleiben?

Martin Schulz und Sigmar Gabriel (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Galten einst als "Männerfreunde": Martin Schulz (l.) und Sigmar Gabriel

"Es stimmt, dass ich die Entschuldigung von Sigmar Gabriel angenommen habe", sagte Martin Schulz der "Bild"-Zeitung (Samstagsausgabe). Zugleich machte der 62-Jährige deutlich, dass er sich nicht als Opfer einer Intrige in der SPD-Parteiführung sehe. Auf die Frage, ob er von seinen Vorstandskollegen "benutzt" oder gar in eine Falle gelockt worden sei, entgegnete er: "Es gibt keinen Grund für ein Schwarze-Peter-Spiel."

Schulz hatte nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit der Union angekündigt, er wolle Außenminister werden, falls die SPD-Basis einer großen Koalition zustimmt. Als Reaktion darauf sagte der geschäftsführende Außenminister Gabriel (58) in einem Interview, seine Tochter Marie habe ihn mit den Worten getröstet: "Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht."

Wortbruch?

Gabriel deutete in dem Interview auch an, die Zusage gehabt zu haben, in gleicher Funktion der künftigen Regierung anzugehören, zumal Schulz einst den Eintritt in ein Kabinett unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kategorisch ausgeschlossen hatte.

Angela Merkel und Martin Schulz (Reuters/H. Hanschke)

Schulz wollte erst (angeblich) nicht, dann aber doch in ein Kabinett Merkel

Nach massiver innerparteilicher Kritik erklärte Schulz schließlich seinen Verzicht auf ein Regierungsamt, am vergangenen Dienstag trat er mit sofortiger Wirkung auch als Parteichef zurück. Schulz bekräftigte in dem "Bild"-Gespräch, er gehe ohne Groll. Kraft gäben ihm nun seine Familie und seine Freunde: "Ich habe ein intaktes soziales Netzwerk. Mehr muss man nicht wissen."

Widerstand

Gabriel möchte nach eigenen Angaben gerne Außenminister bleiben. Er glaube aber, "dafür ist der Widerstand in der Partei zu groß", sagte etwa Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Carsten Sieling (picture alliance/dpa/M. Assanimoghaddam)

Sieht Gabriels Außenminister-Karriere vor dem Ende: Bremens Bürgermeister Sieling

Seine Bemerkungen über den "Mann mit den Haaren im Gesicht" sei der "Tropfen auf einen schon sehr heißen Stein" gewesen, meinte Sieling. Viele aus der Führungsriege der deutschen Sozialdemokraten hatten Gabriel schon im Wahlkampf mangelnde Loyalität mit dem Spitzenkandidaten Schulz vorgeworfen.

Vor dem SPD-Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag will die Parteiführung jedenfalls keine Personaldebatte mehr, wie Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles deutlich machte. "Es ist jetzt nicht die Zeit, dass einzelne eine Kampagne für sich selbst starten", sagte Nahles dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Mitglieder der SPD hätten "die Faxen dicke", so die 47-Jährige, die im April auch zur SPD-Vorsitzenden gewählt werden soll.

Popularität

Für Gabriel auch als künftigen Außenminister sprechen indes seine Popularitätswerte: Laut einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap für das Erste Deutsche Fernsehen wünschen sich 54 Prozent der Bundesbürger, dass der Niedersachse im Amt bleibt. Bei den Anhängern von CDU und CSU sind es sogar 68 Prozent.

Ebenfalls in die Hände spielen dürfte Gabriel die Freilassung des "Welt"-Journalisten Deniz Yücel. Kanzlerin Merkel bedachte Gabriel in diesem Zusammenhang am Freitag mit demonstrativem Lob für seine Vermittlungsbemühungen.

wa/qu (dpa, rtr)

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