Schriftsteller Erich Loest ist tot | Aktuell Deutschland | DW | 12.09.2013
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Aktuell Deutschland

Schriftsteller Erich Loest ist tot

Jahrzehntelang schrieb er Romane und Erzählungen, nun ist Erich Loest mit 87 Jahren gestorben. In Erinnerung bleibt er als Chronist deutsch-deutscher Geschichte und als einer der bedeutendsten Autoren Ostdeutschlands.

Das Alter forderte seinen Tribut. In seinen letzten Lebensjahren konnte Erich Loest nicht mehr schreiben: "Einen Roman überblickt man nicht mehr in diesem Alter, da sind einem Grenzen gesetzt", sagte der Leipziger Autor zu seinem 85. Geburtstag im Jahr 2011. Jetzt ist der Schriftsteller gestorben - durch Selbstmord, wie die Polizei bestätigte. Demnach sprang der Autor aus einem Fenster der Leipziger Uni-Klinik.

Mit "Nikolaikirche" landete Loest einen Bestseller

In seinen Romanen und Erzählungen setzte sich Loest immer wieder mit der deutschen Teilung und der Wiedervereinigung auseinander. Mit einem scharfen Blick für den Alltag beschrieb er die politischen Verhältnisse in Deutschland. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane "Zwiebelmuster", "Froschkonzert" und "Löwenstadt", sein Bestseller "Nikolaikirche" über die letzten Tage der DDR wurde 1995 verfilmt.

Loest schrieb auch Kriminalromane und Erzählungen. Sein jüngstes Werk "Lieber hundertmal irren" ist erst seit wenigen Tagen im Handel.

Geschichte am eigenen Leib erfahren

Die deutsche Geschichte hat Loest wie nur wenige andere Autoren auf wechselhafte Weise am eigenen Leib erfahren: Er war junger Soldat im Zweiten Weltkrieg und NSDAP-Mitglied, trat erst mit voller Überzeugung in die SED ein und später desillusioniert wieder aus.

Die Justizvollzugsanstalt in Bautzen (Sachsen), aufgenommen 2012. Foto: dpa-

Sieben Jahre saß Loest in Bautzen ein - "gemordete Zeit", so der Schriftsteller

Er verbüßte sieben Jahre wegen "konterrevolutionärer Gruppenbildung" im gefürchteten Stasi-Knast in Bautzen - für ihn "gemordete Zeit", wie er in einer Autobiografie schrieb.

Loest wurde im sächsischen Mittweida geboren. 1946 absolvierte der Sohn eines Eisenwarenhändlers ein Volontariat bei der "Leipziger Volkszeitung". Dort durfte er aber nur kurz als Kreisredakteur arbeiten. Nach einer vernichtenden Kritik seines Roman-Debüts verlor er die Stelle - und wurde freier Schriftsteller. Allein zwischen 1965 und 1975 verfasste er elf Romane und 30 Erzählungen, teils unter Pseudonym, da er in der DDR noch verfemt war. Die Stasi hatte ihn lange im Visier.

Aus Protest gegen die Zensur seines Romans "Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene" (1978) trat der Autor 1979 aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. Weil seine oppositionelle Haltung große Repressalien auslöste, siedelte er 1981 in die Bundesrepublik über.

Nach dem Fall der Mauer kehrte Loest aber schnell in seine Wahlheimat Leipzig zurück - und mischte sich in der Stadt immer wieder in aktuelle Diskussionen ein.

haz/sc (dpa)