Schmerz lass nach! Was löst Migräne aus? | Wissen & Umwelt | DW | 05.09.2015
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Wissen & Umwelt

Schmerz lass nach! Was löst Migräne aus?

Ist das Wetter an Migräne-Attacken schuld? Viele Patienten sind davon überzeugt. Stimmt das nun oder nicht? Das Projekt "Migräne-Radar" soll helfen, das zu klären.

"Es geht darum, die Auslöser von Migräne-Attacken zu untersuchen. Man weiß, dass es bestimmte, sogenannte Trigger gibt, die dafür infrage kommen. Aber vieles auf diesem Gebiet ist noch nicht erforscht", erklärt Professor Jörg Scheidt vom Institut für Informationssysteme an der Hochschule in Hof. Dort wurde der "Migräne-Radar" entwickelt. Dabei geht es vor allem um den Einfluss des Wetters auf Migräne-Attacken.

Die Idee dazu habe einen etwas ungewöhnlichen Hintergrund, sagt Scheidt: "Wir saßen zu fünft zusammen und drei dieser Personen haben unter Migräne gelitten. Wir haben uns dann überlegt, ob wir dazu nicht etwas machen könnten." Der "Migräne-Radar" startete mit einer Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits 2011. Die jetzige Studie ist wesentlich großflächiger angelegt und es werden mehrere unterschiedliche Daten abgefragt.

Und täglich werden es mehr

Rund eintausend Personen haben sich bereits für das Projekt gemeldet. Scheidt hofft auf etwa 6000 Teilnehmer. Sie alle leiden unter Migräne und wollen an der Untersuchung teilnehmen. Begonnen hat die Datensammlung am 1. Juni. Die Patienten können sich über eine Internetseite registrieren und dort eine Art elektronisches Tagebuch führen. Ab Oktober soll das auch über eine Android App möglich sein.

Migräne-Radar, Gruppenfoto der Projektgruppe (Foto: Jürgen Ott)

Das Projekt entstand an der Hochschule Hof

Die Studie ist weltweit die erste, die gründlich untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Wetter und Migräne-Anfall besteht, sagt Dr. Roland Brand von der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein. "Jeder zweite Patient erzählt uns: 'Ich merke, dass Wetter ein Auslöser ist.' Es gibt weltweit aber keine einzige Studie, die das belegt. Der "Migräne-Radar" soll Daten in Deutschland, der Schweiz und Österreich erfassen." Die Klinik in Königstein und die Universitätsmedizin Rostock sind an der Untersuchung beteiligt.

Fragen über Fragen

Das Wetter nimmt in der Studie einen zentralen Platz ein. In welchem Bundesland, in welcher Gegend gab es die meisten Migräne-Anfälle? Gab es zur gleichen Zeit vielleicht einen massiven Luftdruckwechsel oder extreme Temperaturschwankungen? Gibt es einen Zusammenhang? Die gesammelten Daten werden bei der Auswertung mit denen des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.

Und welchen medizinischen Nutzen könnte der Patient davon haben? Wenn klar ist, dass bestimmte Wetterlagen mit großer Wahrscheinlichkeit eine Migräne auslösen, könne der Patient vielleicht besser mit seiner Erkrankung umgehen und sich darauf einstellen, so Scheidt. "Wenn solche Wetterlagen angekündigt sind, wird der Migräne-Patient wichtige Termine nicht unbedingt auf diesen Zeitpunkt legen und vielleicht wird er versuchen, möglichen Stress ein wenig zu reduzieren."

Die Wochenend-Migräne

Nicht nur das Wetter spielt eine Rolle in der Studie. Es gibt weitere Faktoren: Mann oder Frau? Alter? Rentner oder Schüler? Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung? Stress kann zu Migräne führen oder ein unregelmäßiger Tagesablauf. Davon sind vor allem Menschen im Schichtdienst betroffen. Das kann bei Menschen, die unter Migräne leiden zu einem Anfall führen und im schlimmsten Fall zu einem sehr schlechten Zeitpunkt: am Wochenende. "Bei den Daten, die wir bisher gesammelt haben, sehen wir, dass Migräne-Anfälle zum Beispiel samstags sehr häufig sind", erläutert Scheidt.

Deutschland Unwetter nach Hitze

Ist das Wetter an Migräne-Attacken schuld?

Jeder Zehnte in Deutschland leidet unter Migräne und unter den meist sehr schmerzhaften Attacken, die oft auch noch mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Zimmer abdunkeln, sich hinlegen, eine Migräne-Tablette nehmen. Das sind die Möglichkeiten, die das Rasen im Kopf beenden können.

Jedes Ergebnis ist gut

Bei Migräne handele es sich um eine genetisch-neurologisch angelegte Erkrankung, erklärt Brand. "Wenn Sie die Veranlagung zur Migräne genetisch übernommen haben, dann haben Sie sie ihr Leben lang.

Bei der Analyse werden moderne Verfahren des Data Mining und der künstlichen Intelligenz eingesetzt. Die Teilnehmer sind anonym, ihre Teilnahme ist über Zahlen verschlüsselt und die Ergebnisse können individuell abgefragt werden. "Wir programmieren die Auswertungen, und sie werden dann maschinell speziell für diese Patienten erzeugt. Natürlich kann nur die jeweilige Person diese Daten einsehen", sagt Scheidt.

Unabhängig davon, zu welchem Ergebnis die Studie kommt, Brand hält sie für wichtig: "Wenn herauskommt, dass es keinen wirklichen Zusammenhang gibt, ist auch das wissenschaftlich interessant. Ich bin froh, dass etwas Klarheit in die Sache gebracht wird." Bis dahin wird es allerdings noch zwei bis drei Jahre dauern.

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