Schlangen, die auf Dächer steigen | Wissen & Umwelt | DW | 24.01.2018
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Klettermaxe

Schlangen, die auf Dächer steigen

Da kann man sich schon mal erschrecken, wenn eine meterlange Schlange an der Hauswand hochkriecht wie Spiderman. Dass sie das können ist das eine, aber warum machen sie das? Unser Phänomen der Woche.

Wir in Deutschland sind relativ fein raus. Bei uns gibt es genau sechs Arten von Schlangen, vier Nattern, zwei Vipern. Die Reptilien sind allesamt scheu, man bekommt sie ohnehin nur relativ selten zu Gesicht, weil sie sich vor allem durch Unterholz und Wiesen schlängeln. In der Nähe des Global Ideas-Hauptquartiers bleiben uns Reaktionen wie die im Video hier also wahrscheinlich erspart:

Steve Crumbaker war 2009 dann auch so überrascht, dass er dankenswerterweise das Video bei Youtube hochgeladen hat. Die Schlange, die sich da in den Fugen seines Backsteinhauses nach oben arbeitet, sei eine Rattenschlange, schreibt er. Reptilien dieser Art ernähren sich nicht nur von Ratten, bevorzugen aber Nagetiere. Sie sind nicht giftig, schlank und sehr gewandt. Und sie sind absolut kein Einzelfall. Hier ein weiteres Youtube-Beispiel von User stomedy, den die Schlange an der Hauswand wirklich umhaut.

Klettermaxe

Zu den Rattenschlangen gehören auch die sogenannten Kornnattern. Auch sie sind ungiftig und recht beweglich. Die bis zu 150 Zentimeter langen Tiere sind zudem beliebte Haustiere und deshalb auch sehr gut erforscht.

Einer der Schlangenforscher ist Bruce C. Jayne von der University of Cincinnati. Er hat die Fortbewegungsfähigkeiten von Schlangen mehrfach in Studien unter die Lupe genommen. Eins ist klar: Beim Erklimmen der Wandfugen können Reptilien nicht auf die gängige, schlängelnde Bewegung zurückgreifen. Vielmehr nutzen sie etwas, das man als Ziehharmonikatechnik bezeichnen könnte. Die Schlangen in den Videos pressen dazu einen Teil ihres Körpers gegen die Fuge. Der Rest schiebt geradeaus vorwärts.

Der Druck, den die Tiere dabei entwickeln, ist enorm. Laut Jaynes Forschungen setzen die Schlangen, um nicht von der Wand zu fallen, auf einen "Sicherheitsfaktor", einen Anpressdruck, der zwischen drei bis fünf Mal höher ist, als unbedingt nötig.

Klapperschlange (picture-alliance/dpa/R. Wilms)

Die Klapperschlange schlängelt nicht vorwärts, sondern seitwärts

Erstaunliche Bewegungsmuster

Wie so eine Schlange vorwärts kommt, ist ein Naturwunder an sich. Insgesamt drei Bewegungsmuster hat Jayne bislang entschlüsselt. Die gängigste Bewegungsart besteht in einer wellenförmigen Fortbewegung, bei der die Schlange kopfabwärts ihren Körper windet, um sich nach vorne zu schieben. Einige Schlangen können aber auch seitwärts schlängeln, wie etwa die Seitenwinder-Klapperschlange. Sie rollt sich über zwei Punkte am Körper ab und kann so deutlich schneller vorankommen als in der klassischen Weise.

Und warum machen sie das?

Ob es nun um besonders schnelles Vorankommen geht oder darum, sich über Ziegelritzen eine Hauswand hinauf zu schieben, den Schlangen geht es dabei sicherlich nicht darum, uns eine Aufgabe zu stellen, oder uns zu erschrecken. Stattdessen nehmen die Reptilien den anstrengenden Aufstieg auf sich, wenn am Ziel etwas besonders Lohnendes zu fressen zu finden ist.

Laut dem US-Unternehmen namens "Animal Pros", das sich darauf spezialisiert hat, Mensch und Schlange effektiv voneinander fernzuhalten, gilt das für ausnahmslos alle Einsätze, zu denen sie gerufen werden. Irgendwo auf dem Dachboden sitzt sicher ein leckeres Nagetier, wartet ein Eichhörnchen oder ein Vogel und nach dem tropft der Kletterschlange der Zahn.

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