Schaukelnd schläft sich′s besser | Wissen & Umwelt | DW | 25.01.2019
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Schlafforschung

Schaukelnd schläft sich's besser

Abhängen in der Hängematte? Unbedingt! Da schlafen wir nicht nur besser ein, sondern das gemütlich-monotone Schaukeln stärkt sogar unsere Gedächtnisleistung. Wenn das nicht mal nach einem Nickerchen ruft.

Diesem Hundewelpen dürfte seine Gehirnleistung gerade ziemlich egal sein. Verständlich, denn offensichtlich hält er ein traumhaftes Nickerchen. Deshalb stören wir ihn nicht weiter.

Dafür haben wir einen Tipp für Sie parat: Schaffen Sie sich eine Hängematte an, eine Wiege, ein Hausboot – eigentlich egal was, Hauptsache es schaukelt. Nur bitte nicht zu wild. 

Denn Wissenschaftler haben nun in einer Studie belegt, was Eltern wahrscheinlich schon fleißig und jahrhundertelang praktizieren: Sanftes Wiegen hilft wunderbar beim Einschlafen. "Ach was", denken Sie nun? Moment!

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Merke: Schaukeln macht schläfrig

Von vorn: Bereits in einer früheren Studie hatten Wissenschaftler der Universität Genf (UNIGE) gezeigt, dass Schwingen während eines 45-minütigen Nickerchens Menschen hilft, schneller einzuschlafen und insgesamt tiefer zu schlafen. Aber wie genau sich die wiegenden Bewegungen auf das Gehirn auswirken, war bislang unklar. 

Um der Frage nachzugehen, haben die Genfer Forscher in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Lausanne (UNIL) zwei weitere Untersuchungen gemacht: 

Für die Erste haben die UNIGE-Wissenschaftler 18 junge Erwachsene in einem Schlaflabor übernachten lassen und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit die Schlafqualität der Testpersonen zwei Nächte lang überwacht. Die eine Hälfte der Gruppe nächtigte in einem ganz normalen Bett, die andere Hälfte in einem identischen – aber schaukelndem – Bett, wie im Video zu sehen. Dabei wurden unter anderem Herzfrequenz, Atemfrequenz und Gehirnaktivitäten gemessen.

Das Ergebnis haben die Forscher in "Current Biology" veröffentlicht: Die Probanden im Wiegebett schliefen schneller ein, blieben länger in der Tiefschlafphase und wachten seltener auf. Ergo: Qualitativ war der Schlaf der Schaukelgruppe besser bzw. erholsamer.

Und die schaukelnden Probanden schnitten bei einem Gedächtnistest am nächsten Morgen sogar besser ab. Beide Gruppen mussten hierfür vor dem Schlafengehen Begriffspaare lernen. Am nächsten Tag bekamen sie ein Stichwort gesagt, woraufhin sie das zweite, dazugehörige Wort nennen sollte. So testen die Wissenschaftler das assoziative Gedächtnis, das neue Informationen mit bereits bekannten Eindrücken verglichen und miteinander verknüpft. 

Nach der Nacht im Labor konnten die Testpersonen auf dem Wiegebett mehrere Begriffspaare richtig vervollständigen als die Probanden im starren Bett. 

Als Grund hierfür identifizierten die Forscher einen Einfluss der Bewegung auf die Modulation der Hirnwellen während des Schlafes. Die Wiegebewegung wirkt beruhigend auf Nervenzellen im Thalamus, dem größten Teil des Zwischenhirns und dessen Verbindung zur Großhirnrinde – sie synchronisiert quasi die Aktivität in den Nervenzellen beider Bereiche. Diese Verbindung nennt sich thalamo-kortikales System. Es ist unter anderem verantwortlich für den Schlaf, aber eben auch für die Erinnerung. 

"Um herauszufinden, ob dieser Effekt sich auch auf das Erinnerungsvermögen auswirkt, haben wir [diese] Gedächtnis-Tests mit unsere Probanden durchgeführt," sagt Aurore Perrault, Leiter der Studie an der medizinischen Fakultät der UNIGE. "Auch hier hat das Wiegen sich als nützlich erwiesen: Die Ergebnisse waren besser, wenn die Probanden Nachts in Bewegung waren, als wenn sie still lagen." 

... auch Mäuse!

Die zweite Studie, die Forscher der UNIL an Mäusen durchführten, zeigte hinsichtlich der verkürzten Einschlafzeit und längeren Schlafzeit allgemein die gleichen Ergebnisse wie beim Menschen. Die Mäuse wurden jedoch deutlich schneller in ihrem Käfig hin- und hergeschaukelt: 1 Mal in der Sekunde – dabei würde manchem Menschen vermutlich eher übel als dass er schläfrig würde. 

Allerdings konnten die Forscher bei den Mäusen keine höhere Schlafqualität feststellen. Weitere Versuche an den Mäusen bestätigten aber erstmals, was schon länger vermutet wurde: Das Gleichgewichtssystem – das sogenannte vestibuläre System – ist ein Schlüsselfaktor hinsichtlich des Schaukel-Effekts. Denn schaukelten die Forscher Mäuse mit einem defekten Gleichgewichtsorgan, reagierten diese gar nicht. 

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Als nächstes wollen die Forscher spezifische Neuronen weiter untersuchen. Ihr Ziel ist es, einmal neue Ansätze zur Behandlung von Patienten mit Schlaflosigkeit oder Stimmungsschwankungen zu entwickeln - oder auch für ältere Menschen, die an Schlaf- und Gedächtnisstörungen leiden. 

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