Schach-WM: Magnus Carlsen lässt Fabiano Caruana keine Chance | Sport | DW | 28.11.2018
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Schach-Weltmeisterschaft

Schach-WM: Magnus Carlsen lässt Fabiano Caruana keine Chance

Mit einem klaren Sieg im Schnellschach-Stichkampf hat Weltmeister Magnus Carlsen seinen Titel verteidigt. Herausforderer Fabiano Caruana (USA) war mit verkürzter Bedenkzeit dem Norweger in allen Belangen unterlegen.

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | Sieger Carlsen (Imago/Bildbyran)

Kann auch mal lachen: Carlsen nach seinem Triumph in London

Nach nur drei Stunden war die WM entschieden: 3:0 lautete das klare Ergebnis in London. Damit bleibt der 27-jährige Magnus Carlsen für zwei weitere Jahre Schach-Weltmeister. Sein US-amerikanischer Gegner Fabiano Caruana konnte seine gute Form aus den zwölf Runden im klassischen Schach nicht in die Schnellschach-Phase mitnehmen. Er fand gegen das starke Spiel des Weltmeisters kein Rezept. Magnus Carlsen ist seit 2013 Schach-Weltmeister und hat seinen Titel jetzt zum dritten Mal erfolgreich verteidigt. "Fabiano ist der beste Spieler, gegen den ich bisher spielen musste", lobte Carlsen nach dem Stichkampf seinen Gegner. "Ich bin natürlich enttäuscht", meinte der Verlierer, "aber ich bin auch stolz, gegen Magnus gespielt zu haben – er ist der beste Spieler der Welt".

Trickreich im Turmendspiel

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | Tie-Break (picture-alliance/dpa/D. Lipinski)

Hat nicht gereicht für "Fabi": Im Stichkampf klar unterlegen

In der ersten Partie des Stichkampfs sah es lange nach einem Unentschieden aus. Doch in einem Turmendspiel, in dem Carlsen einen Bauern mehr hatte, überspielte der Weltmeister nach und nach den Herausforderer. Caruana verlor einen zweiten Bauern und damit die Partie. In der zweiten Runde setzte Caruana alles auf eine Karte, doch der Weltmeister konterte gelassen und erhöhte schnell auf 2:0. Im der dritten Partie vermied Carlsen dann mit Weiß jede Komplikation und sicherte sich mit einem weiteren Sieg den Weltmeister-Titel. Das Ergebnis beweist einmal mehr: Im Schnellschach, bei dem die Spieler nur 25 Minuten Zeit zur Verfügung haben, ist Carlsen eine Klasse für sich.

Remis, Remis, Remis

Aus Sicht vieler Schach-Fans wird diese WM aufgrund eines Negativ-Rekords in Erinnerung bleiben: Zwölfmal traten Carlsen und Caruana gegeneinander an, zwölfmal gab es keinen Sieger. Eine WM ohne eine einzige Gewinnpartie im klassischen Schach hatte es bisher noch nicht gegeben. Fest steht: Beide Spieler agierten auf extrem hohen Niveau und vermieden zumeist riskante Manöver. Allerdings fiel auf, dass Carlsen mit Weiß oft kraftlos spielte und insgesamt müde wirkte. "Ich weiß, dass ich seit einiger Zeit unter meinem Top-Niveau spiele“, gab Carlsen zu, "ich muss in Zukunft daran arbeiten, um mich wieder zu verbessern.“

Kritik an Carlsen

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | Tie-Break (picture-alliance/dpa/D. Lipinski)

Alle Augen auf dem Weltmeister: Magnus Carlsen

Zuvor hatte zum Teil heftige Kritik an der Spielweise des alten und neuen Weltmeisters gegeben. Besonders Carlsens Entschluss, in der zwölften und letzten Runde in aussichtsreicher Stellung eine Remis anzubieten und damit den Stichkampf anzusteuern, hat viele in der Schach-Szene irritiert. Carlsen ging auf diese Kritik in der Abschlusspressekonferenz ein: "Ich verstehe, dass meine Entscheidung nicht das war, was viele wollten, aber es war für mich die beste Chance", sagte der neue und alte Weltmeister. Einer der größten Kritiker, Ex-Weltmeister Garry Kasparow, zeigte sich unterdessen versöhnlich: "Glückwunsch, Magnus Carlsen", schrieb der Russe auf Twitter, "Caruana hat Magnus sein bestes Schach abgerungen!". Der neue Weltmeister hatte seinerseits am Abend noch eine Botschaft an den Weltschachbund FIDE: Schnell- und Blitzschach solle seiner Meinung nach zukünftig eine wichtigere Rolle spielen.

 

Rückblick: Die Schach-WM 2018 in Bildern

 

 

Stichkampf verpasst? Das Finale der Schach-WM im Re-Live:

 

MAGNUS CARLSEN - FABIANO CARUANA 3:0

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19:23 - Mit einem klaren 3:0-Sieg im Schnellschach-Stichkampf hat Weltmeister Magnus Carlsen seinen Titel verteidigt. Herausforderer Fabiano Caruana (USA) hatte mit verkürzter Bedenkzeit keine Chance gegen den Norweger.

19:22 - 3:0! Magnus Carlsen bleibt Weltmeister.

19:17 - Caruanas Stellung hat sich schnell verschlechtert. Er denkt jetzt sicher darüber nach, ob er aufgeben soll. Ein weißer Freibauer macht sich auf den Weg zur Umwandlung.

19:14 - Viele Figuren sind abgetauscht, Weiß übernimmt die Regie. Ein schwarzer Sieg ist in ganz weiter Ferne.

19:02 - Online-Kommentatorin Judit Polgar - die beste Schachspielerin aller Zeiten - fasst die Lage so zusammen: "Ich glaube, das Caruana jetzt nicht mehr an den Sieg glaubt".

18:55 - Wie verwandelt tritt Carlsen in diesem Stichkampf auf. Nach den vielen müden Auftritten in den letzten Wochen hat er im Schnellschach bisher alles unter Kontrolle. Doch das Fragezeichen hinter der Form des Champions bleibt. 

18:53 - Magnus Carlsen lässt weiter nichts anbrennen. Caruanas beste Chance ist der kleine Zeitvorsprung. Nur noch Minuten bis zur Titelverteidigung für den Weltmeister? Ein Remis reicht Carlsen. 

18:36 - Eine ausgeglichene Stellung ist auf dem Brett. Schwarz hat sich recht unternehmungslustig aufgebaut und Magnus Carlsen investiert einige Minuten, um eine gute Aufstellung zu finden.

18:29 - Magnus Carlsen spielt sehr solide - es wird für Caruana nicht einfach, gegen diese Aufstellung aktiv zu werden. 

18:22 - Fabiano Caruano setzt jetzt auch auf die dynamische "Sizilianische Verteidigung" - er muss aktiv spielen, denn nur ein Sieg hilft ihm weiter.

18:20 - Dritte Partie: Carlsen startet mit 1. e4.

18:18 - Gleich geht es in die dritte Runde. Der Druck auf Fabiano Caruana ist riesig. Er muss jetzt gewinnen. Carlsen mit Weiß wird ihm das sehr schwer machen und auf Konterchancen lauern. Im Schnellschach hat der Weltmeister seine Form gefunden - gerade noch rechtzeitig, um den Titel zu verteidigen.

 

 

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18:10 Uhr - Runde zwei war eine klare Sache für den Weltmeister! Magnus Carlsen ließ seinem Gegner keine Chance und dominierte ihn nach Belieben. Fabiano Caruana hat den Schock der ersten Partie noch nicht verarbeitet, in der er ein haltbares Endspiel noch verloren hatte. Jetzt muss Caruana zwei Partien hintereinander gewinnen, um im Rennen um den Titel zu bleiben.

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | Tie-Break (picture-alliance/dpa/D. Lipinski)

Alle Augen auf dem Weltmeister: Magnus Carlsen

18:06 Uhr - Aufgabe! Magnus Carlsen führt mit 2:0 und steht kurz vor der Titelverteidigung.

18:04 Uhr - Das sieht jetzt sehr schlecht für "Fabi" aus. Nach einem geschickten Königszug hat Caruana nur noch schlechte Möglichkeiten - und keine Zeit mehr.

17:57 Uhr - Jetzt wird es eng für Fabiano Caruana. Carlsens Stellung ist einfacher zu spielen, weil seine Figuren gute Felder zur Verfügung haben. Außerdem verbraucht der US-Amerikaner zu viel Zeit. Caruana setzt alles auf eine Karte und spielt seinen Bauern nach vorne - Carlsen opfert eine Figur.

17:52 Uhr - Inzwischen hat sich ein weißer Bauern bis auf das Feld c6 ins schwarze Lager vorgewagt. Doch die schwarzen Figuren stehen gut. Das wird sehr schwer für den Herausforderer. "Black is ok!" - so lautet der Titel eines berühmten Schachbuchs und es passt auch auf diese Partie.

17:45 Uhr - Für Fabiano Caruana ist das jetzt die vielleicht wichtigste Partie dieses Turniers. Als aktiver Spieler hat er alle Chancen, zum Gegenschlag auszuholen. Doch Caruana ist ein Spieler, der gerne alles genau durchrechnet. Beim Schnellschach geht das nicht. Hier zählt das Stellungsgefühl - eine große Stärke von Weltmeister Magnus Carlsen.

17:38 Uhr - Caruana will es jetzt wissen: mit 21. c5 greift er an. Riskant. "Fabi" liegt hinten und sucht den Ausgleich in dieser zweiten Schnellpartie.

17:33 Uhr - Magnus Carlsen steht mit Schwarz schon wieder sehr aktiv. Auf beiden Flügeln hat er seine Randbauern nach vorne beordert. Die Frage ist: Drängen diese Bauern Caruana in die Defensive oder sind sie eine potenzielle Schwäche?

17:25 Uhr - Die zweite Partie läuft. Sizilianisch: Beide Spieler setzen in dieser zweiten Partie auf eine Variante, die auch schon vorher im Match zum Einsatz kam. Die Eröffnung ist eine gegenseitige Kampfansage. 

17:19 Uhr - Es ist bei einer Weltmeisterschaft nicht einfach, in die verkürzte Bedenkzeit zu wechseln. Statt mehr als zwei Stunden Zeit zu haben, können die Spieler im Schnellschach nur wenige Minuten nachdenken. Magnus Carlsen ist im Schnellschach in seinem Element - möglicherweise fällt ihm auch die Umstellung leichter als Fabiano Caruana.

17:15 Uhr - Carlsen führt mit 1:0 im Stichkampf. Doch in den vergangenen Wochen gab es viel Kritik an der Spielweise des Weltmeisters. Ist er des Titels noch würdig?

 

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17:11 Uhr - Überzeugender Sieg des Weltmeisters - in der Blitzphase war er deutlich stärker als Fabiano Caruana und überspielte ihn im Turmendspiel. Am Ende hatte Carlsen zwei Bauern mehr - eine theoretische Gewinnstellung. Fest steht: Es wird jetzt sehr, sehr schwer für "Fabi".

17:08 Uhr - Magnus Carlsen gewinnt die erste Partie des Stichkampfs!

17:07 Uhr - Nur noch Sekunden übrig auf beiden Seiten - Carlsen versucht zu gewinnen.

17:05 Uhr - Kritische Stellung: Weiß hat jetzt zwei Freibauern, Caruana nur einen - und Carlsen hat ein paar Sekunden mehr auf der Uhr.

16:58 Uhr - Carlsen hat einen Bauern mehr, aber weniger Zeit. Es bleibt sehr spannend.

16:55 Uhr - Beide Spieler haben nur noch wenige Minuten auf der Uhr - faktisch haben wir jetzt eine Blitzpartie.

16:51 Uhr - Interessante Position in dieser ersten Schnellpartie: Weiß hat einen Bauern mehr, aber der schwarze Turm und König sind sehr aktiv.

16:47 Uhr - Magnus Carlsen steht aussichtsreich, aber er hat viel Zeit verbraucht. Deshalb tauscht er in ein Turmendspiel ab, in dem er einen Bauern mehr hat. Es gilt die alte Regel: Turmendspiele sind oft Remis.

16:43 Uhr - Die Partie ist jetzt in der kritischen Phase. Carlsen sucht einen Weg, um einen gewinnträchtigen Vorteil zu erreichen. Jetzt muss viel gerechnet werden. 

16:39 Uhr - Jetzt geht es zur Sache: Caruana kann zwar einen weiteren Bauern gewinnen, aber seine Figuren stehen nicht mehr so gut. Die Computer vermelden jetzt einen Vorteil für Weiß - und Caruana sucht eine Lösung und verbraucht viel Zeit.

16:29 Uhr - Nach 19 Zügen hat Caruana scheinbar ausgeglichen. Er hat einen Bauern mehr und ein Turm ist in die weiße Stellung eingedrungen. Magnus Carlsen muss sich jetzt etwas einfallen lassen, um nicht langsam, aber sicher in die Defensive zu geraten.

16:22 Uhr - Blick auf die Uhr: Inzwischen liegt Caruana in der Zeit vorne.

16:15 Uhr - Erstes Zwischenfazit: Es ist eine spannungsreiche Stellung entstanden. Die schwarzen Bauern sind über das ganze Feld zerstreut, die Damen sind getauscht, aber die weißen Figuren stehen aktiv. Magnus Carlsen ist vielleicht etwas besser aus der Eröffnung herausgekommen.

16:10 Uhr - Fabiano Caruana hat gleich zum Start länger nachgedacht - in einer Schnellpartie ist dies ungewöhnlich. Die Spieler haben 25 Minuten für die ganze Partie - dazu kommen zehn Sekunden pro Zug. 

16:05 Uhr - Die Eröffnungswahl ist solide und lässt viele Möglichkeiten zu. In den letzten Wochen hat Carlsen diese Eröffnung mehrmals eingesetzt - ohne etwas Zählbares zu erreichen. Sein Spiel mit den weißen Steinen hat in diesem WM-Match bisher nicht gut funktioniert.

16:02 Uhr - Carlsen startet die erste Schnellpartie mit 1.c4 - der "Englischen Eröffnung". 

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | Tie-Break (picture-alliance/AP Photo/F. Augstein)

Handschlag zum Auftakt - kein Remisangebot

16:00 Uhr - Gleich geht's los. Magnus Carlsen startet mit Weiß.

15:57 Uhr - Wer ist Favorit in diesem Blitzschach-Match? Viele meinen, Carlsen aufgrund seines schnelleren Spiels. Andererseits konnte er gegen den bisher sehr sicher auftretenden Caruana nicht wirklich überzeugen.

15:54 Uhr - Die Schach-Welt blickt auf dieses Match. Aber nicht nur die. Längst ist das Duell zwischen Carlsen und Caruana ein echter Publikumsmagnet, zumindest im Netz. Weltweit verfolgend Hunderttausende die alles entscheidende Partie in London. Und die Spannung steigt...

15:47 Uhr - Wie sind die Chancen einzuschätzen?

Magnus Carlsen kann eigentlich mit viel Selbstbewusstsein in den Stichkampf am Mittwoch gehen. Der Norweger ist Schnellschach-Weltmeister der Jahre 2014 und 2015 sowie der amtierende Blitzschach-Champion. Auf dem Papier ist er der Favorit. Beim Schnellschach können die Spieler ihre Züge nicht so lange überdenken, vielmehr müssen sie sich vor allem auf ihr Stellungsgefühl verlassen. Nervenstärke und Konzentrationsfähigkeit sind beim Schnellschach besonders wichtig - genau diese beiden Aspekte könnten jetzt sogar für Caruana sprechen. Der Herausforderer hat bisher mit seiner guten Vorbereitung und abgeklärten, präzisen Spielweise in London immer auf Augenhöhe mit Carlsen agiert. Kommt es zum Blitzschach, dann ist Carlsen der klare Favorit – allerdings sind in 5-Minuten-Partien Pleiten, Pech und Pannen an der Tagesordnung. Neben der Tagesform entscheidet dann auch der Faktor Glück.

Ein weiterer Vorteil für den Weltmeister: Er hat viel Erfahrung in Stichkämpfen – und immer gewonnen:

 

Der Ablauf - Wie wird in London gespielt?

  • Zum Start werden vier Schnellpartien à 25 Minuten gespielt. Pro Zug bekommen die Spieler jeweils noch zehn Sekunden gut geschrieben. Wer 2,5 Punkte erreicht, ist Weltmeister. Zwar gilt Fabiano Caruana nicht unbedingt als Schnellschach-Spezialist, aber er kann - anders als der etwas schwächelnde Titelträger Magnus Carlsen - befreiter aufspielen. 
  • Sollte es nach den vier Schnellpartien in London immer noch keinen Sieger geben, stehen maximal zehn Blitzpartien auf dem Programm. Dabei haben die Spieler nur noch fünf Minuten auf der Uhr - pro Zug kommen noch einmal drei Sekunden hinzu. Für die Fans wäre das ein Spektakel: Beim Blitzschach spielt das Glück eine große Rolle, selbst die besten Spielern der Welt machen dann Fehler.
  • Noch spektakulärer wäre aber der mögliche Schlusspunkt dieser WM: Wenn auch die regulären Blitzpartien ohne Sieger bleiben sollten, dann treten die Spieler zu einer so genannten "Armageddon"-Partie an. Dieses spezielle Blitzschach-Format garantiert einen Gewinner, denn bei einem Unentschieden wird Schwarz zum Weltmeister erklärt.

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