Sanierungsplan der Bank Monte dei Paschi | Wirtschaft | DW | 25.10.2016
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Wirtschaft

Sanierungsplan der Bank Monte dei Paschi

Trotz mehrmaliger Rettungsversuche kommt die italienische Krisenbank Monte dei Paschi nicht aus der Krise. Nun setzt der neue Chef auf eine Radikalkur. Die Anleger haben darauf gleich reagiert.

Höhere Abschreibungen auf faule Kredite brocken der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena  (MPS) in diesem Jahr erneut tiefrote Zahlen ein. Der Verlust werde sich auf 4,8 Milliarden Euro belaufen, teilte die älteste Bank der Welt am Dienstag mit. Insgesamt hat das Institut somit seit 2011 rund 20 Milliarden Euro Minus gemacht. Eine Ausnahme bildete das vergangene Jahr, in dem die Bank dank Sondererträgen einen Gewinn einfuhr.

Wegen fauler Kredite im Zuge der Wirtschaftsmisere in Italien steht Monte Paschi extrem unter Druck. Das Geldhaus aus der Toskana schnitt beim europäischen Banken-Stresstest 2014 und in diesem Sommer jeweils am schlechtesten ab. Auch andere Institute in Italien ächzen unter einer Milliardenlast an ausfallgefährdeten Krediten. Insgesamt ist die Rückzahlung von Darlehen über 360 Milliarden Euro fraglich.

Italien Monte Dei Paschi di Siena Bank Hauptstelle in Siena (Getty Images/AFP/G. Cacace)

Monte Paschi leidet wie andere italienische Geldhäuser auch unter einer Milliardenlast an ausfallgefährdeten Krediten.

Stellenstreichung und mehr Eigenkapital

Bei Monte dei Paschi soll jetzt Ex-Finanzvorstand Marco Morelli, der im September neuer Chef des Instituts wurde, das Ruder herumreißen. Er präsentierte am Dienstag Details zu seinem Sanierungsplan. Mit Stellenstreichungen und einem radikalen Sanierungsplan will die italienische Krisenbank endlich in ruhiges Fahrwasser kommen. Rund 2600 Stellen, das entspricht zehn Prozent der Arbeitsplätze, sollen in den kommenden drei Jahren gestrichen und etwa 500 von 2000 Filialen geschlossen werden. Zudem sollen Geschäftsteile verkauft werden.

Wegen einer hohen Vorsorge für faule Kredite schrieb das Institut im dritten Quartal ein Minus von 1,15 Milliarden Euro. Faule Kredite, bei denen die Rückzahlung unwahrscheinlich ist, sind das größte Problem der Bank, die bereits mehrere Rettungsversuche hinter sich hat. Sie belaufen sich brutto derzeit auf 45,6 Milliarden Euro. Um sich für die drohenden Ausfälle zu wappnen, fehlt der Bank aber genügend Eigenkapital.

Im Sommer wurde bereits ein Rettungsplan vereinbart. Dabei sollen Problemkredite von fast 30 Milliarden Euro ausgelagert werden. Ende November sollen die Aktionäre einer Kapitalerhöhung über bis zu fünf Milliarden Euro zustimmen. Das ist bereits die dritte Finanzspritze innerhalb von drei Jahren.

An der Mailänder Börse weckten die Ankündigungen neue Hoffnung auf eine erfolgreiche Rettung der Bank. MPS-Aktien gewannen am Morgen mehr als 20 Prozent. In der vergangenen Woche waren sie in Erwartung des Umbauprogramms bereits um fast 60 Prozent gestiegen. Trotz des jüngsten Kursplus haben sie in diesem Jahr aber mehr als 70 Prozent an Wert verloren.

iw/ul (rtr, dpa, afp)