Sanches′ Kampf um die letzte Chance | Sport | DW | 19.09.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Champions League

Sanches' Kampf um die letzte Chance

Beim Champions-League-Auftaktsieg des FC Bayern bei Benfica Lissabon darf überraschend Renato Sanches spielen. Der 21-Jährige versucht seine wohl letzte Chance zu nutzen und seiner Karriere eine Wendung zu geben.

Renato Sanches im Zweikampf mit Ruben Dias (l.) (Reuters/R. Marchante)

Renato Sanches im Zweikampf mit Ruben Dias (l.)

Es lief die 54. Spielminute im Estadio da Luz, als sich viele der Anhänger von Benfica Lissabon von ihren Sitzen erhoben und freundlich Beifall klatschten. Gehuldigt wurde in diesem Moment Renato Sacnches, der allerdings im Trikot des Gegners, dem FC Bayern auf dem Rasen stand und das 2:0 und damit die Entscheidung für die Münchner erzielt hatte. Robert Lewandowski traf zuvor zum 1:0 (10.).

Der Auftakt in der Gruppenphasewar für den deutschen Rekordmeister gelungen. Aber geradezu perfekt war der Auftritt für den 21 Jahre alten Sanches, der ein Sohn der Stadt am Atlantik ist. Die Zuschauer hatten offenbar mitverfolgt, wie schwierig die Karriere des Nationalspielers in Deutschland bislang gelaufen ist.

Vor den Toren der Stadt geboren

Und sie wollten dem jungen Mann, den sie immer noch als einen der ihren anerkennen, weil er alle nahezu alle Jugendstsationen bei diesem stolzen Klub durchlaufen hatte und unmittelbar vor den Toren der Stadt geboren wurde, wohl auch ein wenig Mut zusprechen. 

"So etwas habe ich noch nie erlebt, dass sich die gegnerischen Fans für einen unserer Spieler erheben. Es hat bei ihm nicht immer alles geklappt. aber heute hat er ein fantastisches Spiel gemacht, das gönne ich ihm", sagte Bayern-Verteidiger Joshua Kimmich. 

Überraschende Berücksichtigung

Vor gut zwei Jahren, als der FC Bayern Renato Sanches verpflichtet hatte, galt er als das viel versprechendste Talent Europas, an dem so gut wie alle Topklubs großes Interesse hatten. 35 Millionen Euro haben sich die Münchner die Dienste des Mittelfeldspielers damals kosten lassen. Sanches konnte das große Versprechen bislang aber nicht einhalten - vielmehr enttäuschte er zumeist.

Gegen Benfica stand Sanches wohl auch nur im Kader, weil die Verletzungssorgen der Bayern gerade ungewöhnlich groß sind. Erst in einem Pflichtspiel hatte es der Portugiese in dieser Spielzeit überhaupt in den Kader geschafft, gespielt hatte er keine Minute. Diese mangelnde Spielpraxis war Sanches in den ersten Minuten gegen Benfica auch durchaus anzusehen.

Viel Einsatz, einige Fehler

Kein Jubel beim Tor gegen seinen Ex-Klub: Sanches (M.) erhöht für die Bayern auf 2:0 (Reuters/P. Nunes)

Kein Jubel beim Tor gegen seinen Ex-Klub: Sanches (M.) erhöht für die Bayern auf 2:0

Er lief viel, engagierte sich, warf sich in die Zweikämpfe. Aber Bindung zu seinen Teamkollegen wollte sich nicht so recht einstellen. Auch ging ihm die nötige Zweikampfhärte häufig ab. Er lief sich mit seinen Dribblings vielfach fest, musste den Gegenspielern hinterher hecheln - aber er resignierte nicht und warf die Flinte auch nicht ins Korn. Es gibt für ihn sicher noch viel zu verbessern. Aber sein Auftritt war ein erster Schritt zurück in die Rolle eines anerkannten Fußballspielers.

Sanches schien jedenfalls um seine angespannte Situation im Klub zu wissen. Nicht viele hätten ihm vor Saisonbeginn eine Träne nachgeweint, wenn ein angepeilter Wechsel funktioniert hätte. Viel Vertrauen hatte er sich in seiner bisherigen Zeit in München nicht aufgebaut. Zuletzt war er nach England in die Premier League zu Swansea City ausgeliehen. Eine wenig erfolgreiche Liaison.

Wehmütiger Applaus

Wohl auch deshalb versuchte er seine Chance, die er von Trainer Niko Kovac bekommen hatte, zu nutzen. Sanches tat zumindest alles dafür, dass seine Geschichte bei den Bayern womöglich doch noch eine günstige Wendung nimmt. Die Partie in seiner Heimat, die vollen 90 Minuten, könnte der Anfang davon gewesen sein.

In dem Moment, als Renato Sanches wahrnahm, dass die Menschen für ihn klatschten, schaute er ein wenig wehmütig hinauf zu seinen Landsleuten auf den Tribünen. Er applaudierte ihnen zurück. "Ich bin einfach nur froh, wie die Benfica-Fans mich hier behandelt haben", sagte Sanches. Er genoss den Applaus. Der war zuletzt selten geworden. 

Die Redaktion empfiehlt