Salafismus - Fragen und Antworten | Politik & Gesellschaft | DW | 03.10.2018
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Politik & Gesellschaft

Salafismus - Fragen und Antworten

Salafisten, Islamisten, Dschihadisten - alles eins? Nein. Salafisten bilden beileibe keine homogene Gruppe. Was man über den Salafismus wissen sollte, und wie man die unterschiedlichen Strömungen unterscheiden kann.

Was versteht man unter Salafismus?

"Salafismus" ist ein Sammelbegriff für ein modernes Phänomen, das unterschiedlich ausgelebt wird. Im Allgemeinen versteht man unter Salafismus das Bestreben, den Islam so zu verstehen und zu leben, wie es die ersten drei Generationen der Muslime getan haben. Salafismus leitet sich vom arabischen Wort "Salaf" ab, das sich auf die frommen Ahnen bezieht. Doch das allein unterscheidet Salafisten noch nicht von den meisten Muslimen, denn auch sie schreiben den ersten Generationen eine wichtige Rolle zu.

Sogenannte puristische Salafisten versuchen sich an dem Propheten und seinen Aussagen zu orientieren und sehen in dieser Frühphase des Islam ein "goldenes Zeitalter" für ihre Religion. Bereits im 19. Jahrhundert hat es theologische Reformbewegungen gegeben, die die Säkularisierung der Gesellschaft ablehnten und zur Rückkehr zu den islamischen Werten aufriefen. Gegenwärtige Salafisten berufen sich nicht nur auf die Lebensweise des Propheten und den Koran, sondern sie lehnen jede Abweichung vom "wahren Glauben" ab. Nach ihrer Vorstellung soll allein die Glaubenspraxis aus der Frühgeschichte des Islam gelten, Veränderungen und Erneuerungen werden nicht zugelassen. Äußerlichkeiten wie das Tragen eines Bartes oder knöchellanger Hosen sind für manche dieser Salafisten essentiell.

Wie lassen sich die unterschiedlichen Strömungen differenzieren?

Grob lässt sich der Salafismus in drei Richtungen aufteilen: Traditionalisten, Aktionisten und Dschihadisten. Die Traditionalisten beziehen sich auf die Reinheit der Lehre. Sie versuchen alle aus ihrer Sicht nicht-islamischen Einflüsse aus dem Leben auszuschließen. Sie konzentrieren sich vor allem auf individuelle Frömmigkeit und Spiritualität.

Der zweite Typ ist der politische Salafismus. Seine Anhänger wollen ihr Islamverständnis nicht nur anderen Muslimen, sondern der gesamten Gesellschaft aufdrängen. Anhänger des politischen Salafismus lehnen demokratische Prozesse wie Wahlen ab. Doch auch das gilt nicht für alle. In Ägypten gab es beispielsweise 2011 eine salafistische politische Partei.

Die dritte und gefährlichste Gruppe der Salafisten sind die Dschihadisten oder salafistischen Terroristen. Anders als die meisten Salafisten lehnen sie Gewaltanwendung nicht ab, sondern sie sehen darin ein legitimes Mittel, um ihre religiösen und politischen Auffassungen zu realisieren. Dabei gilt nicht nur der Westen als Gegner. Auch Muslime, die anderer Auffassung sind, sind ein Feindbild. Diese grundsätzliche Ablehnung anderer Auffassungen vom Islam und die Behauptung, dass der Glauben verfällt, wird "Takfir" genannt. Damit legitimieren Dschihadisten auch die Gewalt gegen ihre Glaubensgeschwister.

Welche Zahlen kennen wir aus Deutschland?

Fachleute bezeichnen die salafistische Szene als die am schnellsten wachsenden Strömung aus dem Spektrum islamistischer Gruppierungen. Laut dem  Bundesamt für Verfassungsschutz gibt es bundesweit rund 10.800 Salafisten in Deutschland. Diese Zahlen stammen vom Dezember 2017. Die Mehrzahl wird dem politischen Salafismus zugordnet und konzentrieren sich auf die Missionierung. Ein Beispiel: die salafistische Vereinigung "Die Wahre Religion", die vom Bundesinnenminister per Verfügung vor zwei Jahren verboten und aufgelöst wurde. Bekannt würde diese Gruppe vor allem durch ihre umstrittene Koran-Verteilaktion "LIES".

Symbolbild Salafismus (Getty Images/A. Berry)

Bei der Verteilaktion "LIES" verteilten Salafisten deutsche Koranexemplare an Fußgänger in Deutschland

Die meisten salafistischen Vereinigungen rufen nicht offen zu Gewalt auf. Einige sprechen sich klar dagegen aus. Das Landesamt für Verfassungsschutz spricht von insgesamt 3.000 Szeneangehörigen im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Davon stuft das Amt rund 780 Personen als gewaltbereit ein. Bundesweit gelten laut Bundeskriminalamt rund 690 Personen als sogenannte islamistische Gefährder. Das sind Personen, bei denen die Sicherheitsbehörden annehmen, dass sie politische Straftaten begehen könnten. In den vergangenen Jahren sind laut Bundesverfassungsschutz rund 960 Salafisten in Richtung Syrien und Irak gereist. Ungefähr ein Drittel der Ausgereisten befindet sich mittlerweile wieder in Deutschland.

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