Südkoreaner von Kims Auftritt beeindruckt | Asien | DW | 27.04.2018
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Asien

Südkoreaner von Kims Auftritt beeindruckt

Viele Südkoreaner hat das Aufeinandertreffen von Moon Jae In und Kim Jong Un emotional berührt. Die meisten blicken nach dem Treffen optimistisch in die Zukunft. Aus Seoul berichtet Fabian Kretschmer.

Der erste innerkoreanische Gipfel seit elf Jahren ging mit einem gehörigen Paukenschlag zu Ende: Beide Seiten erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme ihren Willen zur vollständigen nuklearen Abrüstung Nordkoreas. Militärische Feindseligkeiten und Propaganda an der Grenze sollen mit 1. Mai eingestellt, humanitäre Austauschprojekte wieder aufgenommen werden. "Es gibt jetzt kein zurück mehr, eine neue Ära des Friedens hat begonnen", sagte Südkoreas Präsident Moon Jae In. Dann wurde er von einem lächelnden Kim Jong Un umarmt - ein ikonisches Bild, das wohl in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Überhaupt war das Aufeinandertreffen der beiden im Grenzort Panmunjom symbolisch aufgeladen. Als sich beide Staatsoberhäupter in der Zwischenpause zum Tee auf einer Bank trafen, lauschte ein geradezu bescheiden wirkender Kim Jong Un aufmerksam den Ausführungen des nahezu doppelt so alten Moons - so hat man den Despoten aus Nordkorea noch nie zuvor gesehen. Überhaupt wurde seine Stimme von den meisten Südkoreanern noch nie vernommen: "Kim Jong Un ist so alt wie ich, aber er klingt wie mein alter Onkel", schreibt eine Twitter-Userin. Ihren Landsleuten ist es aufgrund eines strikten Nationalen Sicherheitsgesetzes grundsätzlich untersagt, nordkoreanische Medien zu konsumieren.

Korea-Gipfel (DW/A. Freund)

Viele, aber nicht alle Südkoreaner sind bedingungslose Fans des Schmusekurses von Moon Jae In gegenüber Kim

Public Viewing am Rathausplatz

Einige NGOs bedauerten zwar, dass das Thema Menschenrechte bei dem achteinhalbstündigen Treffen nicht zur Sprache kam. Und das "Wall Street Journal" kritisierte zudem, dass die Stellungnahme von Kim und Moon bei der Abrüstungsfrage nicht konkret genug wurde. Dennoch war der heutige Tag zweifelsohne ein historischer für die beiden Koreas.

"Als ich den gemeinsamen Handschlag zwischen Moon und Kim gesehen habe, hat mich das zutiefst gerührt - mir fehlen immer noch die Worte", sagt Kim Yeon-gyeong. Die 52-jährige Angestellte bei einer Marketing-Firma hat sich an diesem frühlingshaften Morgen von ihrem Chef freistellen lassen, ihr Auto in der Garage der Seouler Innenstadt geparkt und ist überhastet auf den Rathausplatz gerannt. Dort wurde das innerkoreanische Gipfeltreffen auf einem riesigen Bildschirm übertragen. Am selben Platz hatte Frau Kim bereits vor 15 Jahren die Fußball-Weltmeisterschaft in ihrem Heimatland geschaut.

Anfang der 200er Jahre gehörte sie zu den ersten Südkoreanern, die im Zuge der "Sonnenscheinpolitik" in den Norden gereist ist. Wenig später erlebte sie, wie das politische Tauwetter in einer bitteren Enttäuschung endete. "Diesmal jedoch fühlt es sich anders an - das sieht man schon daran, dass jetzt erstmals ein nordkoreanischer Präsident in den Süden gegangen ist".

Korea-Gipfel (KOCIS)

Ob wirklich beide von einem atomwaffenfreien Korea träumen?

Kim ist unter Zugzwang

Und dann spricht sie, die bekennende Linke, Lob für einen US-Präsidenten aus, den sie noch vor kurzem zutiefst abgelehnt hat "So sehr ich Obama ansonsten respektiere, für Korea hat er acht Jahre lang nichts gemacht. Trump hingegen ist kein typischer Imperialist, sondern ein pragmatischer Geschäftsmann - wenn er mit Kim einen Deal herausschlagen kann, dann wird er das tun".

Ohne Frage trägt Trumps Sanktionspolitik dazu bei, dass Nordkorea sich nun an den Verhandlungstisch bewegt. Kim Jong Un hat - im Gegensatz zu seinem Vater oder Großvater - seiner Bevölkerung schon von früh an wirtschaftlichen Aufschwung versprochen. Dieses Versprechen kann er jedoch nur einlösen, wenn die Wirtschaftssanktionen - die inzwischen eine faktische Wirtschaftsblockade durch China beinhalten - aufgehoben werden. Ohne nukleare Abrüstung wird dies jedoch nicht geschehen.

Vor allem aber ist das innerkroeanische Tauwetter dem diplomatischen Geschick des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zu verdanken. Der 65-Jährige hat als Vermittler zwischen den zwei ideologischen Feinden in Washington und Pjöngjang fungiert - ohne ihn wären die jüngsten Entwicklungen nicht denkbar. Vor allem auch, weil er mit seiner konsequenten Haltung - Gesprächsbereitschaft bei gleichzeitigem Festhalten an den Sanktionen - das Vertrauen der Nordkoreaner errungen hat.

Korea-Gipfel (KOCIS)

Anerkennung für Moon, den Architekten der Wende in Korea

"Heute ist ein guter Tag"

Doch nicht jeder Südkoreaner hat das heutige Gipfeltreffen erfreut. "Ich habe all das schon mal erlebt, die letzte Annäherung endete in einem großen Desaster.  Nordkorea kann ich seither nicht mehr über den Weg trauen", sagt Lee A-hyeon, eine Hausfrau Anfang 50. Wie sie sind hunderte Menschen ins Stadtzentrum von Seoul gezogen, um gegen das Gipfeltreffen zu demonstrieren.

Der 51-jährige Angestellte Lee Bum-ki jedoch meint: "Heute gibt es nichts anderes zu sagen, als dass es ein guter Tag war." Ob er sogar von einer Wiedervereinigung träumt? "Das wird wohl erst die nächste Generation erleben. Wenn wir uns mit dem geteilten Deutschland vergleichen, dann werden wir eine ungleich höhere Bürde zu tragen haben - wir sollten nichts überstürzen."

Auch Donald Trump bezeichnete auf seinem Twitter-Kanal das Aufeinandertreffen zwischen Kim und Trump als "historisch": "Gute Dinge passieren, aber letztlich wird es die Zukunft zeigen". Damit spielt er ohne Frage auf sein Gipfeltreffen mit Kim Jong Un an. Dort, so hoffen viele Koreaner, wird er den Friedensdeal endgültig besiegeln.

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