Südindien: ″Schlimmste Flut seit 100 Jahren″ | Aktuell Asien | DW | 19.08.2018
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Naturkatastrophe

Südindien: "Schlimmste Flut seit 100 Jahren"

In den indischen Überschwemmungsgebieten ist die Zahl der Toten am Wochenende auf mehr als 370 gestiegen. Armee und Rettungskräfte kämpfen sich in strömendem Regen in von den Wassermassen eingeschlossene Ortschaften vor.

Seit mehr als einer Woche halten die außerordentlich heftigen Monsunregenfälle im südindischen Bundestsaat Kerala an. Die Zahl der bestätigten Toten liegt mittlerweile bei 370, dutzende weitere werden befürchtet. Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen und harren in Notunterkünften aus.

Zudem sind derzeit mehr als 100.000 Menschen durch die Wassermassen von der Umwelt abgeschnitten. In vielen Städten und Dörfern gibt es weder Strom noch Telefonverbindungen. Über soziale Medien veröffentlichten zahlreiche Bewohner verzweifelte Hilferufe.

Die Staatsregierung bemühe sich, Trinkwasser, Nahrung und Medikamente auf dem Luftweg zu ihnen zu bringen, sagte der Landwirtschaftsminister von Kerala, VS Sunil Kumar. Zehntausende seien noch auf Dächern gestrandet. Kinder, kranke und ältere Menschen würden per Flugzeug in Sicherheit gebracht.

Indien Monsun - Überschwemmungen in Kerala (Getty Images/AFP)

Hubschrauber bringen bei teils lebensgefährlichen Einsätzen Menschen von Hausdächern in Sicherheit

Auch andere Bundesstaaten betroffen

Der Regierungschef des auch bei Touristen beliebten Bundesstaates, Pinarayi Vijayan, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, Kerala erlebe die schlimmste Flut seit hundert Jahren. Aber auch andere Bundesstaaten, darunter Karnataka nördlich von Kerala sowie Madhya Pradesh im Landesinneren, sind betroffen.

Mehr als 30 Armeehubschrauber und hunderte Boote sind im Rettungseinsatz. Den Behörden zufolge wurden tausende Menschen bereits in Sicherheit gebracht. Wegen Erdrutschen und Schlammlawinen gestalten sich die Rettungsarbeiten in einigen Gebieten schwierig.

Premierminister Narendra Modi machte sich bei einem Flug über die am schlimmsten betroffenen Gebiete ein Bild von der Lage. Er sprach von einer "verheerenden" Krise. Die Regierung stellte umgerechnet 65,5 Millionen Euro zur Verfügung, die Regierungen anderer Staaten insgesamt etwa 20 Millionen Dollar. 

Arme Bevölkerung besonders betroffen

Bislang werden die Schäden auf eine Höhe von drei Milliarden Dollar geschätzt. Die Opposition forderte die Regierung auf, die Überschwemmungen zur "nationalen Katastrophe" zu erklären.

Caritas International unterstützt die Fluthilfe in Indien mit 200.000 Euro, wie die Hilfsorganisation mitteilte. Die Lage sei diesmal "besonders dramatisch". Vor allem die arme Bevölkerung sei betroffen. Immerhin ließ der Regen am Wochenende etwas nach. Laut Vorhersage soll er in den kommenden Tagen weiter abnehmen.

Die Monsun-Saison dauert in Indien von Juni bis September. Die Regenfälle sind unerlässlich für die Landwirtschaft der Region, können aber enorme Zerstörungen anrichten. In den vergangenen zweieinhalb Monaten fielen in Kerala fast 40 Prozent mehr Niederschlag als normalerweise.

ie/fab (dpa, ap, afp, epd)

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