Südamerikas kleinstes Land Suriname ist immer noch ein Geheimtipp | DW Reise | DW | 18.06.2018
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UNESCO-Welterbe

Südamerikas kleinstes Land Suriname ist immer noch ein Geheimtipp

Trotz der als Welterbe ausgezeichneten Hauptstadt Paramaribo und beeindruckender Natur ist die frühere niederländische Kolonie fast unbekannt. Suriname liegt an der Nordostküste von Südamerika.

Südafrika, Suriname: Historische Holzhäuser (picture-alliance/M. Runkel)

UNESCO-Welterbe Kolonialhäuser in Paramaribo

Schon von weitem sind sie zu hören und danach nicht mehr zu übersehen: die knallbunten Mini-Vans, die öffentlichen Busse von Paramaribo. Aus den offenen Fenstern dröhnt Musik, die farbigen Türen zieren Bilder von Stars wie Bob Marley, Shakira oder Bollywood-Sternchen. Die Vans schlängeln sich durch den chaotischen Verkehr der 250.000-Einwohner-Stadt Paramaribo mit ihren prächtigen weißen Holzhäusern mit ausladenden Balkonen und Veranden. Die kolonialen Gebäude erinnern an die Zeit, als Suriname noch unter niederländischer Herrschaft stand.

Südafrika, Suriname: Fort Zeelandia (picture-alliance/M. Runkel)

UNESCO-Welterbe Fort Zeelandia

Multikulturelles Leben und koloniale Geschichte

Ganz im Norden, eingeklemmt zwischen Guyana, Brasilien, Französisch-Guyana und dem Atlantik liegt das kleinste Land Südamerikas. Suriname ist nur knapp halb so groß wie Deutschland und fast völlig von tropischem Regenwald bedeckt. In der Hauptstadt, am breiten Suriname-Fluss, legten einst die niederländischen Handelsschiffe an. In den großen hellen Villen im Zentrum wohnten die Kolonialherren. Seit 2002 gehört die Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Heute sind hier vor allem Banken, Institute, Ämter und Pensionen untergebracht.

Südafrika, Suriname: UNESCO Welterbe (picture-alliance/M. Runkel)

Kathedrale St. Peter und Paul Basilika in Paramaribo

Peter Duker steigt aus einem der Kleinbusse. Zügig geht er in den Palmengarten, wo die schwül-tropische Hitze besser auszuhalten ist."Suriname ist multikulturell", sagt Duker, dessen Familie aus den Niederlanden stammt und der als Reiseführer in Paramaribo arbeitet. Er setzt sich auf eine der vielen Bänke und schaut den vorbeischlendernden Passanten hinterher.

Südafrika, Suriname: Neveh Shalom Synagoge (picture-alliance/M. Runkel)

Neveh Shalom Synagoge in Paramaribo

"Hier leben Menschen indonesischer, indischer, chinesischer, afrikanischer und europäischer Herkunft. Sie sind Surinamer, haben aber all ihre Traditionen und Religionen bewahrt."

Südafrika, Suriname: Moschee Keizerstraat (picture-alliance/M. Runkel)

Moschee in der Keizerstraat in Paramaribo

In Paramaribo steht die katholische Kathedrale nicht weit entfernt von der größten Moschee der Karibik - und die direkt neben einer stattlichen Synagoge. Nur wenige Straßen weiter ein prächtiger buddhistischer Tempel.

Südafrika, Suriname: Herrnhut (picture-alliance/dpa/G. Ismar)

Straßenszene in der Hauptstadt von Suriname

Bei einem Spaziergang durch das kleine Stadtzentrum zeigt sich die Vielfalt auch in den exotischen Gerüchen, verschiedenen Musikstilen und dem bunten Sprachenmix. In Suriname sprechen alle Menschen Niederländisch, die einheimische Sprache Sranantongo sowie die Sprache ihres Herkunftslandes. "Jede Kultur hat hier ihren nationalen Feiertag. Bei den Festen können auch die Mitglieder anderer Kulturen mitmachen", berichtet Duker. "So wird sich ein bisschen vermischt, aber eigentlich leben wir hier neben- und nicht miteinander. Einerseits ist es etwas schade, andererseits ist solch ein friedliches Nebeneinander ein gutes Vorbild für den Rest der Welt."

Regenwald und Rohstoffe 

Die Hälfte der Surinamer lebt in der Hauptstadt Paramaribo, die anderen verstreut an der Küste oder im tiefen Urwald. Dort ist Waddy Siesa geboren, rund sieben Stunden Fahrtzeit von der Hauptstadt, in einem kleinen Dorf am Flussufer.

Südafrika, Suriname: Bunte Fischerboote (picture-alliance/M. Runkel)

Taxi-Boote am Suriname-Fluss

Aus dem dichten Regenwald lugen hier ab und zu kleine Holzhütten mit Palmdächern auf. Im seichten Wasser davor spielen Kinder, Frauen waschen Wäsche und Geschirr. Es sind die Dörfer der Maroons, der Nachfahren entflohener Sklaven, von denen auch Waddy Siesa abstammt. Bis heute gibt es in Suriname viele solcher Dörfer, in denen die Menschen noch sehr ursprünglich leben, ohne Strom und fließend Wasser. Waddy wurde von seinen Eltern nach der Grundschule auf die weiterführende Schule in die Stadt geschickt, damit er mehr Zukunftschancen hat. So oft wie möglich kommt er zurück in den Wald, in seine Heimat. Als Reiseleiter ist es ihm wichtig, dass die Touristen nicht nur Paramaribo kennen, sondern auch den Dschungel und die Dörfer der Maroons mit ihren Traditionen. "Ich hoffe, dass wir dadurch Vorurteile abbauen und die Menschen für den Naturschutz sensibilisieren können“, sagt der 35-Jährige.

Surinam Volksgruppe der Maroon | Mädchen in traditioneller Kleidung (pictutre-alliance/blickwinkel/S. Rocker)

Frauen der Volksgruppe der Maroon in Suriname

Doch nicht nur Wald und Hütten sind auf dem Weg zu Waddy Siesas Heimatdorf zu sehen, sondern auch gerodete Flächen, Anhänger mit dicken Baumstämmen und riesige Goldgruben. Gold ist der Exportschlager des Landes, gefolgt von Holz, Aluminium und Öl. Echte Kontrollen für Abholzungen und Rohstoffabbau gibt es nicht. Suriname ist zwar eine Demokratie, aber der Präsident ist der frühere Militärdiktator Desire Bouterse. Die Regierung des 72-Jährigen gilt als korrupt, er selbst wird von Interpol wegen Drogenhandels gesucht.

 30. Jahrestag der Unabhängigkeit von Suriname aus den Niederlanden (picture-alliance/E.Troon)

Seit 1975 ist Suriname unabhängig von den Niederlanden

Suriname steckt tief in einer Wirtschaftskrise, vor allem wegen niedriger Rohstoffpreise. Bouterse setzt auf Investitionen aus dem Ausland. Wichtige Handelspartner sind die USA, die Arabischen Emirate und Europa, immer stärker auch China. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas nutzen chinesische Unternehmer die Krise in Suriname, um sich mit Investitionen Zugänge zu Rohstoffen zu sichern.

Tropenholz aus Suriname (picture-alliance/dpa/G. Ismar)

Tropenholz für den Export

"Momentan wird hier Geldverdienen über den Naturschutz gestellt. Sogar im Naturreservat wird Gold geschürft, und die Regierung toleriert es", sagt Lizet van Velsen. Noch sei die Abholzung nicht so schlimm wie etwa in Brasilien. Doch der Wald müsse wieder aufgeforstet werden. Die 32-jährige Niederländerin mit den rotblonden Haaren lebt seit zehn Jahren in Suriname. Sie arbeitet in einem Reisebüro, das auf nachhaltigen Tourismus spezialisiert ist. Es kooperiert vor allem mit kleinen lokalen Reiseanbietern, wie Waddys Vater. Dieser gründete vor zehn Jahren ein Kleinunternehmen, um Touristen den Dschungel zu zeigen – die Natur genauso wie sein Heimatdorf und die Traditionen. Seitdem begleitet Waddy kleine Touristengruppen in den Wald. Allerdings hat sich in den Jahren nicht viel geändert, noch immer befindet sich der Tourismussektor im Aufbau.

"Es wäre gut, wenn mehr Touristen kämen. Sie bringen Arbeitsplätze, Geld und mehr Möglichkeiten für die Menschen im Inland. Der Tourismus kann Surinam wirtschaftlich retten und uns dabei helfen, die Natur zu schützen, denn sie ist wichtig für die Besucher. Aber wir müssen es richtig angehen, um unsere Kultur nicht zu verlieren." 

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Suriname: Den Faultieren schwindet der Wald

Noch ist Surinam das grünste Land der Welt mit 93 Prozent Regenwald. Kein anderes hat einen so großen Waldanteil gemessen an der Landesfläche. Noch gibt es hier Wasserfälle, Berge mit atemberaubender Aussicht, exotische Tiere und eine einzigartige Fauna. Noch.

is/ks (kna)

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