Ryanair will trotz historischem Verlust expandieren | Wirtschaft | DW | 17.05.2021
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Luftverkehr

Ryanair will trotz historischem Verlust expandieren

Es ist der erste Verlust in der Geschichte von Ryanair. Aber obwohl die Corona-Krise noch nicht überstanden ist, planen die Iren bereits den nächsten Megadeal.

Die Luftfahrtbranche in Europa befindet sich wieder auf Erholungskurs, nach dem sie in der Corona-Pandemie große Verluste schreiben musste. Das zeige sich, so der Chef von Europas größtem Billigflieger Ryanair, Michael O' Leary, an zuletzt deutlich gestiegenen Buchungszahlen, Lockerungen von Corona-bedingten Reiseverboten und der bevorstehenden ersten Lieferung des Boeing-Jets vom Typ 737 Max, wie O'Leary der BBC sagte. Damit nicht genug, obwohl auch Ryanair einen historischen Verlust eingesteckt hat, verhandelt die irische Fluggesellschaft mit dem US-Flugzeugbauer Boeing derzeit über einen Groß-Deal für die Langversion, die 737 Max 10.

Historisches Minus

Ryanair ist verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen, wie Analyst Jack Winchester sagt. Ryanair sei bereit, die erwartete hohe Nachfrage nach Auslandsurlaub anzukurbeln. O'Leary räumte allerdings ein historisches Minus ein. "Es ist besser, als wir vorhergesagt haben, aber immer noch ein ziemlich traumatischer Verlust für eine Fluggesellschaft, die in unserer 35-jährigen Geschichte durchweg profitabel war", sagte er.

In dem Geschäftsjahr bis Ende März wurden rund 27,5 Millionen Passagiere befördert, gut 80 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Flüge sowie der Umsatz sanken um vier Fünftel. So standen unter dem Strich für die zwölf Monate bis Ende März ein Verlust von gut einer Milliarde Euro, wie das Unternehmen in Dublin mitteilte. Im Jahr davor konnte ein Gewinn von 649 Millionen Euro erzielt werden. Damit ist der Billigflieger besser durch die Corona-Krise gekommen als andere Fluggesellschaften wie die Lufthansa, die einen Verlust von mehreren Milliarden erlitten hatte.

Kabine eines Ryanair-Jets

Kabine eines Ryanair-Jets: Grelle Farben, laute Werbung, wenig Service und sehr billige Flüge

Unternehmenschef O'Leary schob den europäischen Regierungen den Schwarzen Peter zu. Kunden wie Beschäftigte hätten "unter ständig wechselnden Regierungsrichtlinien, Reiseverboten und Einschränkungen" gelitten. Mit Rücklagen von drei Milliarden Euro sieht sich das Unternehmen dennoch gut gerüstet und will nun von der erwarteten starken Erholung der Reisebranche profitieren.

Hoffnung auf zweite Jahreshälfte

Ryanair sei sehr zuversichtlich für die kommenden Monate, sagte O'Leary. Die Buchungszahlen hätten sich von 500.000 Anfang April auf 1,5 Millionen je Woche verdreifacht. Hinzu kommt der Fortschritt des Impfprogramms. Die meisten Europäer könnten im September geimpft sein, sagte O'Leary. Das weckt bei Ryanair wie auch bei anderen Airlines Hoffnungen auf eine starke zweite Hälfte des Geschäftsjahrs von Oktober bis März 2022.

Im laufenden Geschäftsjahr peilen die Iren 80 Millionen Fluggäste an, gut die Hälfte des Vorkrisenniveaus. Eine Ergebnisprognose sei aufgrund der Unsicherheit in der Pandemie nicht möglich. Doch könne Ryanair die Gewinnschwelle erreichen, wenn es bei Covid-Impfungen einen durchschlagenden Erfolg gebe.

Von April bis Juni rechnet der Billigflieger mit fünf bis sechs Millionen Fluggästen. Das Vorkrisenniveau sieht O'Leary in Reichweite für den Sommer 2022 und damit früher als die meisten anderen Fluggesellschaften. Die Lufthansa geht davon aus, dass sich die Lage erst wieder 2025 normalisiert.

Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht die Krise auch als Chance. Es
gibt eine Menge an Wachstumschancen in Irland und quer durch Europa,
wo Airlines pleite gegangen sind oder ihre Kapazitäten zurückgefahren
haben, sagte er im März.

Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht die Krise auch als Chance. "Es gibt eine Menge an Wachstumschancen in Irland und quer durch Europa, wo Airlines pleite gegangen sind oder ihre Kapazitäten zurückgefahren haben", sagte er im März.

Kunden könnten in diesem Sommer von günstigen Preisen profitierten, warben O'Leary wie auch der Chef der britischen Billiglinie Easyjet, Johan Lundgren. Das liege an kurzfristigen Buchungen und an Sonderangeboten für den Neustart der Branche. Das Bild könnte sich allerdings 2022 ändern, falls sich die Corona-Lage gebessert habe.

Expandieren mit Boeing 737 Max

Dann stünden weniger Sitze zur Verfügung, auch weil einige Airlines die Corona-Pandemie wirtschaftlich nicht überleben würden. Ryanair hingegen will expandieren. Dazu beitragen soll ausgerechnet der Boeing-Mittelstreckenjet 737 Max, der nach fast zwei Jahren Flugverbot wegen zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten nun wieder zugelassen ist. Die Maschine sei ein "Gamechanger", sagte O'Leary und verwies auf ein höheres Platzangebot bei niedrigerem Kerosinverbrauch.

Noch aber ist der Gamechanger nicht geliefert und O'Leary zeigte sich enttäuscht über die anhaltenden Probleme des Boeing-Problemflugzeugs 737 MAX, das nach dem langen Flugverbot in Folge von zwei Flugzeugabstürzen von zwei Jahren zuletzt wegen eines Fehlers an der Elektrik erneut gesperrt wurde.

Der irische Billigflieger hat 210 Exemplare bestellt und ist damit der größte europäische Kunde. Er glaube nicht recht daran, dass die erste Maschine Ende Mai ankomme, so O'Leary. Wegen des "Missmanagements in Seattle bestehe das Risiko, vor diesem Sommer kein einziges Flugzeug" zu erhalten.

Für Erneuerung und Ausbau der Flotte zwischen 2026 und 2030 wollen die Iren zahlreiche Jets der Langversion 737 Max 10 bestellen. Finanzchef Neil Sorahan wollte sich nicht dazu äußern, um wie viele Flugzeuge es geht. Er betonte aber: "Wir neigen nicht dazu, kleine Deals zu machen."

iw/hb (dpa, rtr)

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