Ryanair und Gewerkschaften fremdeln noch | Wirtschaft | DW | 20.12.2017
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Luftverkehr

Ryanair und Gewerkschaften fremdeln noch

Zum ersten Mal in der Geschichte des irischen Billigfliegers Ryanair hat das Unternehmen mit den Gewerkschaften gesprochen, in denen ihre Angestellten organisiert sind. Näher gekommen ist man sich nicht.

Eigentlich wollten die deutschen Ryanair-Piloten an diesem Mittwoch streiken, nun verhandelt die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit ab Mittag mit der irischen Fluggesellschaft in Dublin. Man müsse herausbekommen, ob Ryanair wirklich Tarifverhandlungen anstrebe, sagte VC-Vorstand Markus Wahl in Frankfurt. "Es kann auch sein, dass sie sich nur über die Weihnachtstage retten wollen."

Für diesen Fall müsse den Iren allerdings klar sein, dass auch Streiks vor Weihnachten noch durchaus möglich seien. Er persönlich rechne allerdings damit, dass man Fortschritte erzielen könne und einen weiteren Termin vereinbare.

Streikdrohung erzwingt Gesprächsbereitschaft

Die Billig-Airline hatte es bislang grundsätzlich abgelehnt, Gewerkschaften als Vertreter ihrer Beschäftigten anzuerkennen. Erst nach koordinierten Streikdrohungen europäischen Pilotengewerkschaften in mehreren Ländern machte Ryanair eine Kehrtwende und bot Gespräche an.

Bislang hatte die irische Billiglinie stets nur mit lokalen Piloten-Komitees an ihren europaweit verteilten Stationen gesprochen. Ryanair-Chef Michael O'Leary ist nun von seinem strikten Anti-Gewerkschaftskurs abgewichen. Früher hatte er erklärt, eher werde die Hölle zufrieren, als dass bei Ryanair Gewerkschaften Fuß fassen könnten. Am Dienstag hatte die Airline dann auch noch Gespräche mit den Gewerkschaften für die Flugbegleiter in Aussicht gestellt.

Unterschiedliche Bewertung

Kurz vor dem ersten Treffen mit der irischen Pilotengewerkschaft war Ryanair-Chef O'Leary Zweifeln am ernsthaften Verhandlungswillen der bisher gewerkschaftsfreien Billigairline entgegengetreten. "Die Gewerkschaften wollen wissen, ob es einen Haken an der Sache gibt. Es gibt keinen",  hatte O'Leary der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.

Das erste Treffen in der Geschichte der Fluggesellschaft Ryanair mit einer Pilotengewerkschaft brachte dann jedoch keine Fortschritte. Die irische Gewerkschaft Impact Trade Union zeigte sich in Dublin enttäuscht. Ryanair hingegen bewertete das Treffen am Dienstagabend als "positiv".

Ryanair sei nicht bereit gewesen, die irische Gewerkschaft schriftlich anzuerkennen, kritisierte Pressesprecher Bernard Harbor. Man habe jetzt dem Unternehmen eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet und erwarte bis Donnerstagmittag eine Antwort. Ryanair sagte zu, bis dahin schriftlich auf Vorschläge zu antworten.

dk/ul (dpa, rtr)