Russisches Gericht will Messengerdienst Telegram sperren | Aktuell Europa | DW | 13.04.2018
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Aktuell Europa

Russisches Gericht will Messengerdienst Telegram sperren

In Russland soll der beliebte Messengerdienst Telegram gesperrt werden. Dahinter steckt der Inlandsgeheimdienst FSB - er will den Zugriff auf Nutzerdaten erzwingen. Der Betreiber des Dienstes weigert sich seit längerem.

Der Internet-Chatdienst Telegram hat Krach mit den russischen Behörden - und muss deshalb jetzt in Russland um seine Existenz fürchten. Ein Gericht hat die Sperrung des Messengerdienstes angeordnet, weil Telegram sich weigert, den russischen Geheimdiensten Zugriff auf Nutzernachrichten zu erlauben. Kreml-Sprecher Dimitri Peskow begründete das Vorgehen damit, dass sich das Unternehmen nicht an die russischen Gesetze halte.

Beliebtester Messenger-Dienst nach WhatsApp

Telegram hat weltweit über mehr als 200 Millionen Mitglieder - darunter auch viele Personen von russischen Behörden. Die App, die als beliebteste Alternative zu WhatsApp gilt, erlaubt es Nutzern, über verschlüsselte Nachrichten miteinander zu kommunizieren. Diese können nicht von Dritten gelesen werden. Geheimdienste haben daher auch keinen Einblick in diese Kommunikation - es sei denn, Telegram selbst würde den staatlichen Stellen einen entsprechenden Zugang einräumen. Telegram-Gründer Pawel Durow, der auch den in Russland sehr beliebten Facebook-Rivalen VKontakte aufgebaut hat, betont aber seit Jahren, nicht mit dem russischen Staat kooperieren zu wollen.

Pawel Durow russischer Unternehmer und Gründer des sozialen Netzwerk vk.com (picture-alliance/dpa/R. Schlesinger)

Pawel Durow, Chef des Messenger-Dienstes Telegram

Unternehmen wirbt gerade um Investoren

Für das Unternehmen kommt die Anordnung des Gerichts zur Unzeit: Man bereitet derzeit das weltgrößte so genannte "Initial Coin Offering" vor. Dabei sammeln Unternehmen Kapital bei Investoren ein, die im Gegenzug digitale Anteile oder Münzen wie beispielsweise Bitcoin erhalten. Über entsprechende Vor-Verkäufe soll Telegram bereits 1,7 Milliarden Dollar eingenommen haben. Die Sperre könnte dazu führen, dass die Investoren das Vertrauen in Telegram verlieren und sich zurückziehen.

Nutzer in anderen Ländern nicht betroffen

Die Sperre betrifft allerdings ausschließlich russische Nutzer - in anderen Ländern lässt sich der Messenger-Dienst wie gewohnt nutzen. Und auch Nutzer in Russland können die Sperre umgehen, müssen dazu allerdings technisch versiert sein: Sie müssen ihre Kommunikation über einen so genannten VPN-Zugang laufen lassen; dabei werden alle übertragenen Daten zusätzlich verschlüsselt und sind so dem Zugriff russischer Behörden komplett entzogen.

bru/haz (dpa, Reuters)

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