Russische ″Telefon-Jungs″ stiften Verwirrung | Europa | DW | 12.07.2019
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Telefonstreiche

Russische "Telefon-Jungs" stiften Verwirrung

Ein Duo russischer Telefon-Witzbolde veräppelt ausländische Politiker und Stars. Boris Johnson und Elton John gingen ihnen auf den Leim, und immer wieder Petro Poroschenko, wie jüngst im Fall Nordmazedonien.

Russland Vladimir 'Vovan' Krasnov und Alexei 'Lexus' Stolyarov (picture-alliance/EPA/Y. Kochetkov)

Die russischen Prankster Wowan (Wladimir Kusnezow) und Lexus (Alexej Stoljarow)

Sie nennen sich Wowan und Lexus und heißen in Wirklichkeit Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow. Ein Duo russischer Witzbolde, auch nach dem englischen Wort "Prankster" genannt, veröffentlichte am 8. Juli auf YouTube Mitschnitte ihrer Telefonate mit Zoran Zaev, Ministerpräsident Nordmazedoniens.

"Prankster" sind Menschen, die sich am Telefon für jemand anders ausgeben, und auf diese Weise den Gesprächspartner vorführen. So schlüpften sie in mehreren Fällen in die Rolle des ukrainischen Ex-Präsidenten Petro Poroschenko. Es handelt sich um drei Mitschnitte der Gespräche, die angeblich im August 2018, sowie im Februar und April 2019 geführt worden waren.

Im ersten Mitschnitt meldet sich am Anfang eine männliche Stimme bei Zaev, die ihn auf Englisch mit osteuropäischem Akzent begrüßt. "Herr Präsident, sind Sie es?" fragt Zaev. "Ja, ich bin es. Ich hoffe, das Wetter ist gut in Mazedonien", antwortet die Stimme. Zaev geht davon aus, dass er mit Poroschenko telefoniert.

Ukraine | Präsidentschaftswahlen | Reaktion Poroschenko (Reuters/V. Fedosenko)

Der ehemalige Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, war mehrmals im Visier der Prankster

Die Aufnahme ist hörbar geschnitten und gleich nach dem Austausch der Nettigkeiten über das Wetter spricht "Poroschenko" über "russische Aggression", die auch Zaevs Land "erreicht hat". Er erwähnt Ereignisse in Griechenland, offenbar, um Vertrauen zu wecken oder seinem Gesprächspartner eine Einschätzung der Lage zu entlocken.

Damals, im Sommer 2018, hatte Griechenland zwei russische Diplomaten des Landes verwiesen. Der Vorwurf: Ihnen wurde vorgeworfen, durch Bestechung das Abkommen zwischen Griechenland und Mazedonien über Beilegung des Namensstreits verhindern zu wollen. Das Abkommen trat später doch in Kraft.

Immer wieder Poroschenko

In russischen Medien, die über das vorgetäuschte Telefonat in diesen Tagen berichtet hatten, ist über diese Episode bezeichnenderweise nichts zu lesen. Stattdessen wird dort der Fokus darauf gelegt, dass zwei Russen wieder einmal Poroschenko vorgeführt haben. So habe "Poroschenko" Zaev erzählt, er sei mit dem Alexander dem Großen verwandt. Und Zaev, der sein Land Nordmazedonien in die EU und die NATO führen möchte, wird lächerlich gemacht und hingestellt, als sei er für Korruptionsideen empfänglich.

Wowan und Lexus, beide Anfang 30, sind seit 2014 einem breiten Publikum in Russland bekannt, dem Jahr der Krim-Annexion. Sie haben unzählige Menschen aus Sport, Politik und Showbusiness vorgeführt, doch ihre Zielscheibe Nummer eins war Poroschenko, dicht gefolgt vom ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk.

Es gelang den beiden Prankstern auch, US-Politiker zu täuschen, darunter den inzwischen verstorbenen Senator John McCain, den Ukraine-Sonderbeauftragten Kurt Volker sowie den norwegischen NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Dem damaligen britischen Außenminister Boris Johnson gaukelten die beiden 2018 ein Gespräch mit dem neuen Ministerpräsidenten Armeniens, Nikol Paschinjan, vor. Paschinjan war in Folge oppositioneller Proteste an die Macht gekommen.  

Putin ruft Elton John an

Die Auswahl der Opfer, und die Tatsache, dass russische Politiker von ihren Witzen meist verschont geblieben sind, sowie der Zugang zu Telefonnummern hochrangiger Amtsträger - all diese Merkmale haben dem Prankster-Duo den Vorwurf eingebracht, sie würden für russische Geheimdienste arbeiten.

Diesen Verdacht äußerte auch Swjatoslaw Zeholko, Poroschenkos Pressesprecher. Es ging um den Vorfall aus dem Jahr 2016, als die beiden Prankster versucht hatten, ein gefälschtes Interview mit Poroschenko der New York Times unterzujubeln. Doch die Reporter fragten bei Poroschenkos Pressestelle nach und der Betrug flog auf. Zeholko beschuldigte russische Geheimdienste dafür. Die Prankster Wowan und Lexus bestreiten das.

Elton John (Reuters/S. Stapleton)

Für das Telefonat mit Elton John im Namen von Putin musste der russische Präsident sich beim Sänger entschuldigen

Einmal gingen sie auch für den Kreml zu weit. Im September 2015 rief Wowan (Kusnezow) den britischen Sänger Elton John an, der offen schwul ist, und stellte sich als Wladimir Putin vor. Der Popstar nahm das freundliche Gespräch für bare Münze und erzählte davon in seinem Instagram-Account. Er bedankte sich beim russischen Präsidenten für sein Interesse an LGBT-Themen und schlug ein persönliches Treffen vor. Der Kreml war gezwungen, zu reagieren. Der echte Putin rief Elton John persönlich an und bedauerte die Tat der "Telefon-Jungs", wie er die Prankster nannte. 

Über die Motive, warum die beiden jetzt nochmal Poroschenko durch den Kakao ziehen, obwohl er seit zwei Monaten nicht mehr Präsident der Ukraine ist, kann man nur rätseln. Möglicherweise spielt der Zeitpunkt eine Rolle. Am 21. Juli wird in der Ukraine bei einer vorzeitigen Wahl ein neues Parlament gewählt und Poroschenkos Partei dürfte dabei eine der stärksten Oppositionskräfte werden.