Ruandas strenge Recycling-Gesetze | Afrika | DW | 04.11.2013
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Afrika

Ruandas strenge Recycling-Gesetze

Die Europäische Kommission in Brüssel will den enormen Verbrauch von Plastiktüten in der EU einschränken. Ruanda ist da schon weiter: Dort sind Plastiktüten seit sieben Jahren ganz verboten.

Acht Milliarden Plastiktüten landen in der Europäischen Union auf dem Müll - jedes Jahr. Längst haben die Plastikpartikel ihren Weg in die Meere gefunden und belasten dort die Nahrung von Fischen und anderen Lebewesen. Deshalb sagt die Europäische Kommission nun solchen Plastiktüten den Kampf an, die dünner als 0,05 Millimeter und damit schlecht wiederverwertbar sind.

Konsequenter ist das ostafrikanische Ruanda: Dort sind Plastiktüten schon seit 2006 verboten. In allen Geschäften werden die Einkäufe in Papiertüten verpackt. Wer mit einer Plastiktüte einreist, muss sie an der Grenze abgeben. Mit seinen ehrgeizigen Regeln will Ruanda zum afrikanischen Vorzeigeland in Sachen Umweltschutz werden.

Deshalb läuft der Betrieb von Aloys Niyonsaba gut. Jeden Tag geht er durch einen Berg aus Plastikmüll: Verpackungen, Abfalltüten, Flaschen, Becher, Teller - all das haben seine Arbeiter gerade von einem LKW abgeladen. "Dieser Plastikmüll kommt von der zentralen Müllhalde. Wir sortieren den Plastikabfall, waschen und trocknen ihn und dann wird das Plastik recycelt", erklärt Niyonsaba. Er hat Ruandas erste und mittlerweile größte Plastikrecyclingfabrik Ecoplastic gegründet. Am Stadtrand von Ruandas Hauptstadt Kigali hat er im vergangenen Jahr 100.000 Tonnen Plastikmüll verarbeitet, beispielsweise zu Müllbeuteln und Folien für Gewächshäuser oder Baustellen. 45 Arbeiter hat er in seiner Fabrik, wo der Plastikmüll per Hand gewaschen wird. Die Fabrik ist kaum größer als eine Turnhalle. Trotzdem würde Niyonsaba gern noch mehr Material recyclen, sagt er und zieht eine Plastikverpackung aus dem Müllberg. "Diese Plastikart kann ich in meiner Maschine nicht verwenden. Dafür bräuchte ich ein anderes Gerät. Ungefähr fünf Prozent des Plastikmülls kann ich derzeit nicht verarbeiten."

Aus Müll wird Geld

Produktion Müllbeutel in Ruanda (Foto: Jesko Johannsen)

Neue Müllbeutel aus altem Plastik

Plastikmüll ist in Ruanda zum Geschäft geworden: Sammler verkaufen Plastik, das sie auf den Straßen finden, an die Fabrik. Ruandas Wirtschaft boomt. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds wird sie dieses Jahr erneut um fast acht Prozent wachsen. Deshalb bringen immer mehr LKWs Waren ins Land. So hat sich eine blühende Recyclingindustrie entwickelt. Dazu gehört auch das Unternehmen Coped. Eine private Müllabfuhr und der Recyclingpionier Ruandas. Seit 2009 fördert das Unternehmen Mülltrennung in Kigali. Eigentlich sollen die Kunden in fünf Kategorien trennen: Papier, Metall, Plastik, Biomüll und Restabfall. Dann wäre die Weiterverarbeitung des Mülls einfacher. Doch die fünffache Mülltrennung überfordert viele Ruander noch. Den meisten ist noch nicht klar, dass Müll ein Rohstoff für die Wiederverwertung sein kann. Coped-Gründer Paulin Buregeya hat Verständnis dafür, dass seine Kunden Zeit brauchen. "Bei einem höheren Bildungsstand - wie zum Beispiel in Unternehmen - lassen wir schon fünf Arten Müll sortieren", sagt Buregeya. Aber bei der einfachen Bevölkerung sind es erstmal zwei: organisch und nicht-organisch." Aus dem organischen Müll kann Coped mittlerweile Düngemittel und Holzbriketts herstellen.

Müllabfuhr zu teuer

Müllverbrennung (Foto: Jesko Johannsen)

Verboten aber gängige Praxis: Müllverbrennung

Eigentlich ist Mülltrennung in Ruanda längst Pflicht. Denn die Regierung hat Handlungsbedarf erkannt: Ruanda will anderen afrikanischen Ländern ein Vorbild in puncto Sauberkeit und Umweltschutz sein. Mit strengen Regeln soll dieser Plan umgesetzt werden. Das Betreten der begrünten Mittelstreifen ist verboten. Wer eine leere Plastikflasche auf den Boden wirft, muss Strafe zahlen.

Doch bei der Mülltrennung ist die Umsetzung nicht so einfach. Die Müllabfuhr ist teuer. Knapp 12 Euro kostet sie pro Monat. Dafür wird der Müll einmal pro Woche abgeholt. Da diese Summe jedoch für die meisten Ruander unerschwinglich ist, verbrennen sie ihren Müll weiterhin im Garten, klagt Buregeya. "Wir sind hier in einem Entwicklungsland. Man wird immer Leute finden, die ihren Müll verbrennen. Sie kennen nicht die Auswirkungen und sie verstehen nicht, warum man seinen Müll nicht verbrennen soll.“

Batterien im Gemüsegarten

Aus Infusionsflaschen macht Ecoplastic Rohmaterial für neue Plastikprodukte (Foto: Jesko Johannsen)

Aus Infusionsflaschen macht Ecoplastic Rohmaterial für neue Plastikprodukte

Die deutsche Geografin Sandra Göhl lebt seit fünf Jahren in Ruanda. Sie erlebt nicht nur, dass immer noch Müll in Privathaushalten verbrannt wird. Auch der Umgang mit Sondermüll sei oft umweltschädlich. Wenn sie in ihrem Garten gräbt, dann stößt sie auf die unverwüstlichen Reste der Müllverbrennung ihrer Vormieter. "Man findet unheimlich viel Metall, Glühbirnen, Zahnpastatuben, Verpackungen und Batterien", sagt Göhl. "Das ist echt nervig, weil auch vieles, was hier wächst, gegessen wird.“

Für einige Müllarten gibt es noch gar keine Recyclingmöglichkeiten im Land. Etwa für Papier. Das muss zur Wiederverwertung exportiert werden. Auch Sondermüll wie eben Batterien oder Farbreste, Energiesparlampen und Elektroschrott muss derzeit eingelagert werden, weil es noch keine Möglichkeit zur Wiederverwertung gibt.

Trotzdem arbeiten bei Ecoplastic die Maschinen unaufhörlich. An den Grenzen zu den Nachbarländern und in größeren Geschäften hat das Unternehmen Sammelbehälter aufgestellt. Aus den Krankenhäusern kommen leere Infusionsflaschen. Die Verpackungen von 1,7 Millionen Moskitonetzen einer Regierungsinitiative gegen Malaria liegen auf dem Hof. Doch es gibt mehr Plastikmüll, als Firmengründer Niyonsaba verarbeiten kann. Ruandas Wirtschaft wächst, und mit ihr der Müllberg. Deshalb will Niyonsaba bald expandieren - und aus noch mehr Müll noch mehr Geld machen.

LINK: http://www.dw.de/dw/article/0,,17015311,00.html

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