Robert Harting, der Kämpfer | Sport | DW | 15.12.2013
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Sport

Robert Harting, der Kämpfer

Robert Harting ist Olympiasieger, Welt- und Europameister und erneut Deutschlands "Sportler des Jahres": Der Mann mit dem Diskus, dem Urschrei und dem zerfetzten Trikot. Aber hinter der Fassade steckt mehr.

Seine Triumph-Geste ist längst Kult. Am 13. August diesen Jahres narrte Robert Harting im Luschniki-Stadion die Fotografen, rannte vor ihnen davon - und zerriss dann doch mit einem Freudenbrüller sein Trikot. Der damals 28 Jahre alte Diskuswerfer holte in Moskau sein drittes WM-Gold in Serie. Ein Jahr nach seinem Olympia-Triumph von London verteidigte Harting seine Vormachtstellung im Wurfring mit Rückenschmerzen und guten Nerven.

Und der Berliner verteidigte auch seinen Titel im Kurhaus von Baden-Baden. Zwölf Jahre nach 800-Meter-Läufer Nils Schumann war 2012 mit Harting erstmals wieder ein Leichtathlet "Sportler des Jahres". Jetzt stand der 2,01-Meter-Hüne erneut im feinen Zwirn auf der Bühne.

Hart gegen sich selbst

Mit zehn Jahren hatte Robert Harting als Handballer angefangen. Spätestens seit dem Olympiasieg im letzen Jahr sollte der 126 Kilogramm schwere Leichtathlet eigentlich am Ziel seiner Träume sein. Doch auch seine Wahl zum Sportler des Jahres 2012 konnte an seinem Kampfgeist nichts ändern - er wollte noch mehr.

2005 machte der Zwei-Meter-Mann auch international auf sich aufmerksam, als er Junioren-Europameister im Diskuswerfen wurde. Er sollte auch für die WM der Erwachsenen nominiert werden, doch erstmals schlug das Verletzungspech zu, das ihn in seiner Karriere immer wieder begleiten sollte.

Diskuswerfer Robert Harting beim Wurf (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Diskuswerfer Robert Harting beim Wettkampf in Moskau: Konzentriert, zielstrebig und hart gegen sich selbst

2011 fuhr er schon gehandicapt zur WM nach Daegu. Eine Entzündung der Patellasehne machte ihm das Werfen teilweise zur Qual, es bestand sogar die Gefahr eines Sehnenrisses. Das konnte Harting aber nicht abschrecken. Er kämpfe bis zum Schluss, "und wenn die Sehne reißt", so der Sportler wörtlich. Angesichts seiner latenten Knieprobleme trainiert der in Berlin lebende Athlet ständig über den Schmerz. "Es ist, als ob du die Hand einfach auf der heißen Herdplatte liegen lässt." Auch bei der WM in Moskau trat er nicht schmerzfrei an.

Unbequem und zielstrebig

Seine "große Klappe" trägt er oft, gerne und bewusst zur Schau: Am Rande der Heim-WM in Berlin 2009 beispielsweise hatte er sich für die Freigabe von Doping ausgesprochen und ätzte gegen eine Gruppe von DDR-Dopingopfern. Der Leichtathletik-Verband entschuldigte sich anschließend in seinem Namen für die "unbedarften" Aussagen.

Der mittlerweile 28-Jährige, der sich vor Topevents so wörtlich "als Kriegsbemalung" seinen Bart oft kunstvoll rasiert, setzt sich gezielt unter Druck, um am Ende wieder der Sieger zu sein. In Moskau dachte er sich etwas Neues aus: Er kam akkurat rasiert daher und es klappte auch so.

Dass er 2013 in Moskau sein drittes WM-Gold nach 2009 und 2011 holen wollte, hatte der Mann vom SCC Berlin mit einer Bestleistung von 70,66 Meter schon früh angekündigt. Und wieder war es an der Zeit das Trikot zu zerfetzen. "Meine Art, Gefühle rauszulassen", sagt der Mann, der längst vom zweiten Olympiagold 2016 träumt: "Ich möchte mich dann mit der Medaille an den Strand legen, durch den Sonnenbrand einen riesengroßen Abdruck erzeugen, so dass die Medaille immer an meinem Körper ist."

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