Rettungsschiff ″Aquarius″ legt in Malta an | Aktuell Europa | DW | 15.08.2018
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Seenotrettung im Mittelmeer

Rettungsschiff "Aquarius" legt in Malta an

Tagelang harrte das Rettungsschiff "Aquarius" zwischen der italienischen Küste und Malta aus. Nun darf es in einem sicheren Hafen des Inselstaats anlegen. Für die 141 Migranten an Bord gibt es Hoffnung.

Nach tagelanger Irrfahrt auf dem Mittelmeer hat das Rettungsschiff "Aquarius" im Hafen von Valletta festgemacht. Die Mannschaft der Hilfsorganisation SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatte am Freitag 141 Flüchtlinge vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet. Sowohl Malta als auch Italien verweigerten dem Rettungsschiff die Einfahrt in ihre Häfen. Erst am Dienstag hatten sich mehrere EU-Staaten zur Aufnahme eines Teils der Flüchtlinge bereit erklärt. Daraufhin erklärte Malta, die "Aquarius" dürfe in Valletta anlegen.

Europäische Lösung für Migranten

Die Einigung der insgesamt fünf EU-Staaten sieht vor, dass die "Aquarius" zunächst in einen maltesischen Hafen einlaufen darf, danach sollen die 141 Flüchtlinge in die anderen EU-Mitgliedstaaten gebracht werden. Deutschland nimmt nach Angaben des Bundesinnenministeriums bis zu 50 Menschen auf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, im Fall der "Aquarius" habe aus humanitären Gründen unmittelbar eine Lösung gefunden werden müssen. Es müsse aber eine gesamteuropäische Lösung geben für die Seenotrettung, Asylverfahren und die Verteilung von Flüchtlingen in der EU. 

30 Flüchtlinge dürfen nach Portugal, Spanien nimmt 60 Menschen auf. Auch Luxemburg und Frankreich beteiligten sich an dieser europäischen Lösung. Dabei geht es nicht nur um die Migranten, die sich auf der Aquarius befanden. Vor Malta liegen derzeit noch weitere Schiffe mit insgesamt 244 aus Seenot geretteten Menschen an Bord. 

Malta Schiff Aquarius kommt in Valletta an (Foto: Reuters/D. Zammit Lupi)

Trotz aller Schwierigkeiten will die Hilfsorganisation bald wieder in See stechen

Die Flüchtlinge, die nun die "Aquarius" verlassen dürfen, stammen überwiegend aus Somalia und Eritrea, deren Bürger in der Regel gute Chancen auf Asyl haben. Laut der Hilfsorganisation SOS Méditerranée sind unter ihnen rund 70 Minderjährige und knapp 40 Kinder unter 15 Jahren. Viele der Geretteten seien monatelang in den libyschen Lagern inhaftiert gewesen. 

Die Geschäftsführerin von SOS Méditerranée in Deutschland, Verena Papke, kündigte unterdessen aller Schwierigkeiten zum Trotz neue Hilfseinsätze der "Aquarius" an. Das Schiff werde "sobald wie möglich wieder in den Rettungseinsatz rausfahren", sagte Papke bei einer Pressekonferenz in Berlin.

"Aquarius"-Team macht weiter

Die Geretteten hätten Vergewaltigung, Menschenhandel und Misshandlungen hinter sich, sagte der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, Florian Westphal. "Daraus entsteht auch für uns die absolute Überzeugung, dass in dieser humanitären Krise weiter gerettet werden muss." Es entstehe der Verdacht, dass die Behörden versuchten, den Hilfsorganisationen Steine in den Weg zu legen. Man erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer einsetze, sagte er.

Westphal betonte, ohnehin sei es angesichts der für Migranten unhaltbaren Zustände in Libyen für die Organisationen keine Option, Menschen in Libyen an Land zu setzen. Stattdessen habe die libysche Leitstelle auf die italienischen und maltesischen Leitstellen verwiesen.

sam/kle (afp, dpa)

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