Remis-Serie geht weiter: Magnus Carlsen erreicht in London mit Weiß wieder nichts | NRS-Import | DW | 24.11.2018
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Schach-WM

Remis-Serie geht weiter: Magnus Carlsen erreicht in London mit Weiß wieder nichts

Auch in der elften Runde der Schach-WM in London haben die beiden besten Schachspieler der Welt die Punkte geteilt. Damit steht es eine Runde vor Schluss 5,5: 5,5 in London. Die Entscheidung ist weiter völlig offen.

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | 1. Partie (Reuters/P. Childs)

Fabiano Caruana: Bei der Schach-WM hat er bisher alle Angriffe des Weltmeisters abgewehrt und sich die Chance auf den Titelgewinn bewahrt.

Wenn Magnus Carlsen seine hellgraue Anzugjacke auszieht, dann ist das normalerweise ein Zeichen dafür, dass die Partie jetzt richtig anfängt. In der elften Runde der Schachweltmeisterschaft in London war es nach zehn Zügen soweit: Der Bauernzug seines Gegners Fabiano Caruana war eigentlich keine Überraschung - aber offenbar hatte sich der Weltmeister, der zum zweiten Mal mit seinem Königsbauer startete, andere Varianten im Vorfeld intensiver angeschaut. Doch auch nach längerem Nachdenken fiel Carlsen nichts Erfolgversprechendes ein: "Es ist offensichtlich, dass ich mit Weiß nicht viel erreicht habe bei dieser Weltmeisterschaft", fasste Carlsen seinen insgesamt enttäuschenden Auftritt zusammen.

Läufer gegen Läufer

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana 2. Partie (Imago/Bildbyran/F. Varfjell)

Mehr Frust als Lust: Weltmeister Magnus Carlsen

In der Partie kam es so, wie schon mehrere Male bei dieser WM, wenn Magnus Carlsen die weißen Steine führte: Die Spieler vereinfachten die Stellung durch einen Abtausch nach dem anderen. Erst verschwanden die Damen vom Brett, dann die anderen Figuren bis nur nur noch zwei Läufer und einige Bauern übrig blieben. Einzige Besonderheit: Carlsen besaß den Läufer auf den schwarzen Felder, während Caruana noch einen weißfeldrigen Läufer zur Verfügung hatte. "Ungleichfarbige Läufer" nennt sich diese Konstellation, die bei Schachspielern bekannt dafür ist, dass sie regelmäßig zu Remisstellungen führt. Zwar gelang es dem Weltmeister in der Folge einen Bauern zu gewinnen. Doch auch dem Weltmeister war an dieser Stelle klar: Das wird wieder nichts mit einem Sieg. Oder wie es der weiter sehr entspannt wirkende Herausforderer formulierte: "Es war nicht viel los in dieser Partie".

Im 55. Zug dann der Schlusspunkt: Zum elften Mal hintereinander schüttelten Magnus Carlsen und Fabiano Caruana die Hände zum Unentschieden. Am Montag (26.11.2018) hat jetzt der Herausforderer aus den USA die große Chance, mit den weißen Steinen Carlsen durch einen Sieg den Weltmeistertitel abzunehmen. "Natürlich hätte ich in der letzten Runde lieber Weiß", meinte Carlsen dazu leicht resigniert, "aber das kann ich nicht ändern". Sein Gegner sieht die Lage dagegen ganz locker: "Die Spannung ist jetzt auf dem Höhepunkt", sagte Carana und lächelte freundlich. Sollte es auch in der zwölften Runde keinen Sieger geben, treten die beiden besten Spieler zwei Tage später zum Schnell- und möglicherweise Blitzschach an. Carlsen gilt mit verkürzter Bedenkzeit als Favorit – vielleicht ist das ja bei dieser WM seine beste Chance, den Titel zu behalten.

Schnellschach-WM in Saudi-Arabien?

Während der WM-Kampf dem unvermeidlichen Remis entgegen trudelte, diskutierten die in London versammelte Schach-Szene intensiv ein anderes Thema: Wo findet die nächste Weltmeisterschaft im Schnell- und Blitzschach statt? Offiziell ist geplant, dieses alljährlich stattfindende Event zum Jahreswechsel wieder in Saudi-Arabien durchzuführen. Schon 2107 hatte dieser Austragungsort für viel Kritik am Weltschachbund FIDE geführt  - denn israelische Spieler durften nicht teilnehmen. Angesichts der weltweiten Empörung über Saudi-Arabien nach der Ermordung des Regime-Kritikers Jamal Khashoggi  will der Weltschachbund in der kommenden Woche über den diesjährigen Austragungsort informieren. Ein Umschwenken der FIDE bahnt sich an: Sergej Karjakin, der russische WM-Finalist von 2016, äußerte in London vor Journalisten, dass er damit rechne, dass die Schnellschach-WM diesmal in Moskau stattfinden werde.

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