Reisen in Zeiten von Corona - Wer darf wohin, in Deutschland und Europa? | DW Reise | DW | 29.04.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Reise

Reisen in Zeiten von Corona - Wer darf wohin, in Deutschland und Europa?

Die Lage auf der Ferieninsel Rügen ist dramatisch. Viele Menschen leben vom Tourismus. Sie fragen sich: Wann werden die Beschränkungen aufgehoben, wann kommen die Touristen zurück?

Leerer Ostseestrand in Binz auf der Insel Rügen (picture alliance/dpa/S. Sauer)

Zur Zeit dürfen nur Einheimische an den Ostseestrand in Binz auf der Insel Rügen

Mitte März ist die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern in der Corona-Krise die erste in Deutschland, die Reisen zu touristischen Zwecken verbietet. Sie fordert alle schon anwesenden Urlauber auf, das Bundesland zu verlassen.

Der Shutdown in Mecklenburg-Vorpommern

"Wir waren geschockt, aber haben die Anordnungen befolgt und sofort gehandelt", erinnert sich Till Jaich, einer der beiden Geschäftsführer der Wasserferienwelt im Jaich auf der Ostsee-Insel Rügen. Als er am Montag, den 16. März ins Büro kommt, liest er die Pressemeldung und evakuiert unverzüglich seine Ferienanlage: die Apartments, die schwimmenden Ferienhäuser und die Pfahlbauten im Hafen von Lauterbach, im Süden der Insel.

Zu dieser Zeit sind sie zu 80 Prozent ausgebucht. Viele Stammgäste sind da, wie in jedem Frühjahr, wenn die Saison beginnt. Die meisten kommen wegen der Ruhe, sie versorgen sich selbst oder nutzen das kleine Restaurant auf der Anlage.

Pfahlhäuser in einer Ferienanlage auf der Insel Rügen (im-jaich.de/Florian Melzer)

Die Pfahlhäuser in der Ferienanlage auf der Insel Rügen stehen seit dem 17. März leer

Die ebenfalls überraschten Mitarbeiter fordern die Gäste auf, unverzüglich abzureisen. Einige von ihnen stehen weinend vor Till Jaich und bitten ihn, sie nicht wegzuschicken, zurück nach Nordrhein-Westfalen oder nach Bayern, in Bundesländer, in denen die Zahl der Infizierten weit höher ist als hier.

Einen Tag später ist die Anlage verwaist, die Gäste abgereist und die Mitarbeiter zum größten Teil in Kurzarbeit. "Seitdem haben wir Null Gäste, Null Umsatz", sagt Till Jaich. "Wir fahren im Moment auf Sicht", ergänzt er. Ab dem 11. Mai könnten Gäste wieder bei ihm buchen. Ob sie dann auch wirklich anreisen dürfen, wisse er leider noch nicht.

Was geht in Schleswig-Holstein und Bayern?

Ähnlich ist die Situation im Bundesland Schleswig-Holstein. Auch hier sind Reisen aus touristischen Motiven seit Mitte März untersagt. Auch hier ist in einem ersten Schritt das Besuchen von eigenen Zweit- und Ferienwohnungen und für Dauercamper ab Anfang Mai wieder erlaubt. Wann in einem weiteren Schritt Hotels gebucht oder Ferienwohnungen gemietet werden können, soll bis Mitte Mai bekannt gegeben werden. Erst ganz am Schluss werden auch ausländische Gäste wiederkommen dürfen.

Leere Aussichtsplattform vor Schloss Neuschwanstein (picture-alliance/dpa/K. J. Hildenbrand)

Wartet auf Besucher - Schloss Neuschwanstein in Bayern

Das bei Urlaubern ebenfalls sehr beliebte Bundesland Bayern gehört zu den am stärksten von der  Corona-Krise betroffenen Ländern in Deutschland. Dort sind die Aussichten für Reisende noch zurückhaltender. Bis zum 3. Mai gelten die Mitte März beschlossenen Ausgangsbeschränkungen. Während der Einzelhandel und Läden etwa schrittweise wieder öffnen dürfen, muss die Gastronomie noch bis mindestens Ende Mai abwarten. Das bestätigte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Montag (27.4.).

Noch Mitte April hatte sich Markus Söder gewünscht, dass die Deutschen im Sommer Urlaub daheim machen würden, weil eine Auslandsreise wegen der Pandemie wohl kaum möglich sei. Ab wann aber Touristen in Bayern wieder beherbergt werden können, lies er offen. Das hängt - wie auch andernorts - davon ab, wie sich die Zahl der Neuinfektionen entwickelt.

Europa so fern

Venedig ohne Touristen (picture-alliance/dpa/G. Cosua)

Auch vielen Einwohnern zu ruhig - Venedig ohne Touristen

Auch die Top-Reiseziele in Europa haben das Sommergeschäft zum großen Teil schon abgeschrieben. In Italien, Spanien und Frankreich gibt es vorsichtige Lockerungen bei den Ausgangsbeschränkungen, doch der Tourismus profitiert noch nicht davon.

Dass Not erfinderisch macht, zeigte sich zuletzt in Italien, als darüber spekuliert wurde, ob ein Urlaub am Strand in Corona-Zeiten vielleicht mit Plexiglas-Quadern rund um den Liegestuhl möglich sein könnte. Doch praktisch sind die Aussichten düster.

Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" schrieb, der für die Wirtschaft so wichtige Tourismus ist "der große Unbekannte" und spekulierte darauf, dass zumindest die einheimischen Touristen die große Krise etwas abschwächen könnten. Mit ausländischen Touristen rechnet man erst im nächsten Jahr.

Auch in Frankreich ist unklar, wann Hotels und Gaststätten wieder geöffnet werden. Zuletzt wurden die Ausgangsbeschränkungen bis zum 11. Mai verlängert.

Leere Strandpromenade in Palma, Mallorca (picture-alliance/dpa/T. Reiner)

Nur die Sonne ist Zeuge - leere Strandpromenade in Palma

Auf der bei Deutschen und Briten besonders beliebten Urlaubsinsel Mallorca glaubt der Tourismusminister Iago Negueruela an eine langsame Rückkehr des Tourismus, vielleicht schon im August. Dabei gelten seine vagen Hoffnungen - ähnlich wie in Deutschland - den eigenen Staatsbürgern, weil die wohl als erste wieder die Urlaubsziele im eigenen Land besuchen dürfen. In Spanien heißt die Kampagne, die für das Reisen im eigenen Land wirbt, #QuedateEnEspana (Bleib in Spanien!).

Während das Reisen in der Heimat wohl schrittweise wieder möglich wird, bleiben Fernreisen kurzfristig ziemlich unwahrscheinlich. Das hat auch Bundesaußenminister Heiko Maas bekräftigt. Auf die Frage, wann die weltweite Reisewarnung zurückgenommen werden könnte, sagte er, es gebe "keinen einzigen Hinweis, der darauf hindeutet, dass man das tun könnte, in absehbarer Zeit." Die Bundesregierung hat die weltweite Reisewarnung für Touristen wegen der Coronavirus-Pandemie bis mindestens 14. Juni verlängert. 

Auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß betonte, es sei eher unwahrscheinlich, dass Reisende relativ schnell wieder nach Spanien, Griechenland oder in die Türkei kommen könnten.

"Eigentlich leben wir in einem Paradies"

Porträt Till Jaich, Geschäftsführer von im-jaich Yachthäfen und Wasserferienwelt (privat)

Till Jaich hofft, dass Reisen nach Rügen bald wieder möglich sind

Auf der Ostseeinsel Rügen versucht Till Jaich der Krise jeden Morgen etwas Positives abzugewinnen. Zwar wundert er sich,  dass in Deutschland einige über erschwerte Arbeitsbedingungen im Homeoffice klagen, während Mitarbeiter im Tourismus zum Nichtstun verdammt sind oder vor der Pleite stehen, aber er freut sich über die Insel, die Natur und dass er hier leben darf.

Jeden Morgen spaziert er mit seinem Hund durchs Goor, ein großes Waldgebiet am Greifswalder Bodden. Menschen trifft er nicht, wenn er am Wasser entlang geht. Dann ist er froh, dass er nicht in einer großen Stadt lebt, sondern hier auf Rügen. Es ist ruhig hier, fast wie im Paradies. Und wenn er zurück ist, in seinem Büro, rufen Gäste an, um schon mal zu buchen, für den Fall der Fälle.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema