Reichen die internationalen Selbstverpflichtungen aus, um den Klimawandel zu stoppen? | Global Ideas | DW | 15.11.2017
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Global Ideas

Reichen die internationalen Selbstverpflichtungen aus, um den Klimawandel zu stoppen?

Die Unterzeichner des Übereinkommens von Paris haben sich verpflichtet, bis 2030 ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Aber reicht das, um einen verheerenden Klimawandel zu verhindern?

Männer und Frauen in Anzügen und Kostümen, bewaffnet mit Handys und Dokumenten, eilen bei der UNO-Klimakonferenz in Bonn zu diversen Meetings. Dabei ignorieren die meisten von ihnen zwei Reihen junger Menschen, die farbenfrohe Schilder hoch halten. Während die beiden Reihen aufeinander zu marschieren, um symbolisch die "Lücke" zwischen den Versprechen der Regierungen und den vorhergesagten zukünftigen Emissionen zu schließen, fordern sie die globalen Entscheider dazu auf, sich der Herausforderung zu stellen und CO2-Emissionen zu reduzieren.

"Wir wollen, dass die Regierenden ehrgeiziger werden," sagt Hsin-yi Yao aus Taiwan gegenüber DW, "und dass ihnen die Menschen in ihren eigenen Ländern und die anderen Menschen auf der Erde nicht gleichgültig sind. Sie sollen sich für ehrgeizigere Klimapläne einsetzen."

Weitreichende Verpflichtungen sind nötig, sagt die Gruppe "Care about the Climate", die sich aus jungen Menschen aus so unterschiedlichen Ländern wie Uganda, Schweden und den USA zusammensetzt. Denn mit den momentanen Verpflichtungen wird es unmöglich sein, die Klimaziele von Paris zu erreichen, also den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur deutlich unter 2 Grad Celsius zu halten, wenn möglich unter 1,5 Grad, und in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts die Nettoemissionen auf Null zu reduzieren.

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Einer Analyse der Fachzeitschrift Nature zufolge würden die Verpflichtungen von Paris zu einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um 2,6 bis 3,1 Grad Celsius führen.

Auf Fidschi, das den Vorsitz der diesjährigen Konferenz hat, spüren die Menschen schon jetzt die Folgen des Klimawandels und befürchten, dass es noch schlimmer werden wird. Frances Namoumou vom Pacific Congress of Churches sagt, zunehmend heftigere Stürme wie der tropische Wirbelsturm Winston, der vor fast zwei Jahren über die Insel zog, hätten verheerende Auswirkungen. "Gemeinden, die auf der Route des Sturms lagen, sind heute noch mit dem Wiederaufbau beschäftigt und versuchen, zur Normalität zurückzukehren," fügt sie hinzu. 

Der Kern des Übereinkommens von Paris 

Alles hängt von den sogenannten "nationally determined contributions" (NDCs) ab, die viele Nationen 2015 bei der UNFCCC eingereicht haben. Der Name klingt denkbar dröge, aber ihr Inhalt ist alles andere als das. Die NDCs sind das Herzblut des Übereinkommens von Paris.

Sie skizzieren die Verpflichtungen zur Emissionsreduktion eines jeden Landes und beinhalten auch Pläne für eine Anpassung an das sich verändernde Klima, beispielsweise den Einsatz von dürreresistenten Nutzpflanzen oder Initiativen gegen den steigenden Meeresspiegel. Im Grunde bestimmen die NDCs darüber, ob die Welt die Klimaziele von Paris erreichen wird und katastrophale Klimaveränderungen abgewendet werden können.

Bisher haben 162 Länder diese NDCs eingereicht. Die meisten haben eine erste Senkung der Emissionen bis 2030 versprochen und wollen ihre Bemühungen alle fünf Jahre verstärken. Jede Regierung entscheidet selbst, wo und wie sie ihre CO2-Emissionen reduziert, sei es durch saubere Technologien, mehr erneuerbare Energien oder eine Besteuerung von fossilen Brennstoffen.

'Ehrgeizig und fair'

Alle NDCs sollen ehrgeizig und fair sein, daher variieren die Verpflichtungen sehr stark, je nach den Möglichkeiten, der finanziellen Situation und der Entwicklungsstufe eines Landes.

Ein hochentwickeltes Land wie Kanada beispielsweise will seinen CO2-Ausstoß um 30 Prozent unter das Niveau von 2005 senken. Um das zu erreichen, will es die Emissionen in allen Bereichen der Wirtschaft senken, von der Baubranche und dem Verkehr bis zu einem Ausstieg aus der Kohle bei der Energieversorgung.

Fidschi, das sehr wenig Treibhausgase verursacht, möchte bis 2030 100 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen. Das Land gegen extreme Wetterphänomene und den Anstieg des Meeresspiegels zu schützen, ist für die Insel im Pazifik besonders wichtig.

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Die Länder sollen auch ihre eigenen Fortschritte überwachen und darüber Bericht erstatten. Dann kann die internationale Gemeinschaft überprüfen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist, um die Paris-Ziele zu erreichen und ob die verschiedenen Länder ihre Versprechen erfüllen. Dafür brauchen die Staaten eine standardisierte und transparente Methode, um ihre CO2-Bilanz zu berechnen.

Dem Zeitplan des Übereinkommens von Paris gemäß wird dieses Jahr in Bonn ein Regelwerk diskutiert, das diesen Prozess steuern soll, und das bis zur nächsten Konferenz 2018 im polnischen Katowice fertig sein muss.

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Der Prozess ist "höchst politisch" und wird nicht leicht werden, sagt Elmar Kriegler, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.  "Länder sind in unterschiedlichen Situationen, was in der Übereinkunft explizit anerkannt wird", fügt Kriegler hinzu. "Man kann Länder und was sie tun, nicht vergleichen, ohne dabei ihre Bedürfnisse und Umstände zu berücksichtigen."

Wir erreichen wir die Ziele von Paris?

Kriegler sagt der DW, er erwarte, dass die Unterzeichner der Übereinkunft von Paris 2018 in Katowice offiziell anerkennen, dass die NDCs in ihrer jetzigen Form "den Zielen von Paris nicht gerecht werden."  Eine laufende Studie von Climate Action Tracker (CAT) hat ergeben, dass nur Marokko und Gambia NDCs haben, die mit einem 1,5 Grad-Ziel vereinbar sind. CAT-Forscher sagen, Länder müssen bis 2020 damit anfangen, ihre Emissionen zu senken, wenn vermieden werden soll, das Temperaturziel zu überschreiten.

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Wenn die für 2030 angestrebten Ziele so bleiben, wie sie formuliert sind, werden wir mit den Konsequenzen einer starken Erwärmung klar kommen und Technologien einführen müssen, um im großen Rahmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, sagt Kriegler. Das birgt seine eigenen Probleme, unter anderem Konflikte darüber, wo und wie CO2 gelagert werden würde.

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CAT hat 10 Schritte vorgeschlagen, um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, unter anderem den Ausbau von grünen Energien und den stufenweisen Abbau von Benzin und Dieselautos bis 2035. Aber was wichtiger ist: Industrienationen wie Deutschland müssen schnell aus der Kohle aussteigen.

Länder können bis 2020 neue, aktualisierte NDCs einreichen. Eliza Northrop vom World Resources Institute, das mit mehreren Staaten eng bei der Formulierung ihrer Selbstverpflichtungen zusammenarbeitet, sagt, die nächsten zwei Jahre seien entscheidend für die Parteien, um darüber nachzudenken, "wo es Chancen geben könnte, weitere Schritte zu unternehmen, um in noch größerem Umfang sozial und wirtschaftlich von Klimaschutzmaßnahmen zu profitieren."

Für die Bewohner Fidschis und anderer pazifischer Inseln ist eine Überarbeitung der NDCs unbedingt nötig. Ohne sie blicken sie in eine ungewisse Zukunft, sagt Frances Namoumou. "Für uns sind 2 Grad wie ein Todesurteil. Das wird eine ganze Insel auslöschen, eine ganze Nation, ein ganzes Volk. Wir brauchen 1,5 Grad, um zu überleben", sagt sie.

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