Regenschirm-Protest auf der Frankfurter Buchmesse | Bücher | DW | 17.10.2019
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Buchmesse

Regenschirm-Protest auf der Frankfurter Buchmesse

Bei der Buchmesse geht es um mehr als Worte: Was als Mahnwache für den vor vier Jahren entführten Hongkonger Buchhändler Gui Minhai angekündigt war, wurde zu einer deutlichen Demonstration für die Meinungsfreiheit.

Unter Regenschirmen versammelten sich auf der Frankfurter Buchmesse Besucher, Journalisten und Schriftsteller, um sich mit der Protestbewegung in Hongkong und inhaftierten Autoren zu solidarisieren. "Die Einschränkung der Meinungsfreiheit ist immer das erste Anzeichen eines Unrechtsstaats", sagte der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, am Donnerstag (17.10.2019) während der Protestaktion auf dem Messegelände.

"Deutschland muss Haltung zeigen"

Ungewöhnlich scharf kritisierte er die Bundesregierung und deutsche Unternehmen, die Menschenrechtsverletzungen in China oft unter den Tisch kehrten, um ihre Geschäftsbeziehungen ungestört pflegen zu können. "Deutschland muss in dieser entscheidenden Frage Haltung zeigen", forderte Skipis.

"Wir wissen nicht wo Gui Minhai ist, wir wissen nicht, wie es ihm geht", sagte er. "Die Menschenrechte werden von China mit Füßen getreten." Der in China geborene Verleger wurde 2015 in Thailand von den chinesischen Behörden verschleppt und inhaftiert.Der in China geborene Verleger wurde 2015 in Thailand von den chinesischen Behörden verschleppt und inhaftiert.Als Miteigentümer des Hongkonger Verlags "Mighty Current" hatte der 55-Jährige Enthüllungsbücher über das Privatleben chinesischer Politiker veröffentlicht.

China Hongkong freigelassener Buchhändler Lam Wing-kee (picture-alliance/AP Photo/Kin Cheung)

Der im Juni 2016 in Hongkong freigekommene Buchhändler Lam Wing Kee vor einem Bild seines entführten Kollegen Gui Minhai

Solidarität mit dem entführten Buchhändler Gui Minhai

Lam Wing-kee hatte mehr Glück als sein Kollege Gui Minhai. Der Hongkonger Buchhändler war im Herbst 2015 ebenfalls entführt worden, aber er konnte sich bei seiner von den chinesischen Sicherheitsbehörden angeordneten Rückkehr nach Hongkong absetzen. Nach Frankfurt ist er gekommen, um Unterstützung und Solidarität für Gui Minhai zu erbitten. Auch er forderte die Bundesregierung dazu auf, China zur Wahrung der Menschenrechte zu drängen.

Der im deutschen Exil lebende chinesische Schriftsteller und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Liao Yiwu, sagte: "Wir müssen alles dafür tun, die Meinungsfreiheit und Demokratie in Hongkong zu erhalten."

Zu der Kundgebung hatten neben dem Börsenverein auch die Schriftstellervereinigung PEN International aufgerufen. Auch die US-amerikanische PEN-Vorsitzende Jennifer Clement solidarisierte sich mit der Hongkonger Demokratiebewegung, und sie verlas einen berührenden Brief Angela Guis, der Tochter des in China festgehaltenen Verlegers: "So viel hat sich in den vier Jahren, seitdem mein Vater entführt wurde, verändert. In meinem Leben, aber, noch wichtiger, im Leben aller Hongkonger. Die Befürchtung, dass Hongkong nicht länger sicher ist, hat sich auf eine Weise bestätigt, wie wir uns es nicht hätten vorstellen können. Trotzdem scheint die internationale Gemeinschaft überzeugt zu sein, dass eine Verurteilung ausreichend ist."

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