Rechtsextremismus in Daimler-Werk | Wirtschaft | DW | 31.07.2019
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Automobilindustrie

Rechtsextremismus in Daimler-Werk

Eine eigenen Angaben zufolge "unabhängige Gewerkschaft" beim Autobauer Daimler hat Nazi-Propaganda verbreitet und muslimische Kollegen bedrängt. Der Vorstandschef kritisiert die rechten Umtriebe.

"Daimler ist nicht nur ein Innovations- und Jobmotor, sondern auch ein Motor für Integration", betonte Daimlers Vorstandschef Ola Källenius in einer auf Deutsch und Englisch veröffentlichten Erklärung am Mittwoch in Stuttgart.

Damit reagierte der Manager erstmals öffentlich auf ein Video der Gruppierung "Zentrum Automobil", die sich selbst als "unabhängige Gewerkschaft" bezeichnet. Darin wird die Entlassung von zwei Daimler-Beschäftigten als "völlig absurd" bezeichnet.

Ihnen war 2018 gekündigt worden, weil sie einem türkischstämmigen Kollegen und Funktionär der IG Metall monatelang über den Messengerdienst Whatsapp Hitler- und Hakenkreuz-Bilder sowie verächtliche Bilder über Moslems zugesandt hatten. Darüber hatten zuvor "Report Mainz" und der "Stern" berichtet.

Ola Källenius Daimler Chef (Imago Images/S. Zeitz)

Ola Källenius ist erst seit Mai 2019 Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.

"Kein Platz für Fremdenfeindlichkeit"

"In der Regel äußern wir uns nicht zu Kündigungen und laufenden Kündigungsschutzverfahren", heißt es in der Daimler-Mitteilung. Der Film habe aber Irritationen verursacht. "Im Film kommt es aus Unternehmenssicht zu einer äußerst bedenklichen Verzerrung der Wahrnehmung zwischen Opfern und Tätern." Källenius erklärte weiter, der Autobauer sei so divers wie seine Kunden. "Deshalb haben Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bei uns keinen Platz."

Mehrheit gegen Rechts

In Deutschland arbeiten Menschen aus über 150 Ländern bei Daimler. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht sagte, Rechtsextremismus habe bei Daimler nichts zu suchen. Es gebe auch keinen rechtsfreien Raum, wozu sich das Unternehmen durch die ausgesprochenen Kündigungen auch klar bekannt habe. "Die WhatsApp-Nachrichten verstoßen gegen unser Grundgesetz, was das Arbeitsgericht bestätigt hat."

Daimler betonte, das Unternehmen habe die Kündigungsverfahren in erster Instanz gewonnen. "Das Gericht hat in den Urteilsbegründungen das rassistische und fremdenfeindliche Verhalten bestätigt." In Deutschland gehören nach Brechts Angaben bei Daimler elf von insgesamt 755 Betriebsräten der Betriebsratsgruppe "Zentrum Automobil" an. "Auch wenn es für meinen Geschmack elf Personen zu viel sind, sitzt in den Betriebsratsgremien eine überwältigende Mehrheit, die sich gegen rechts stellt."

dk/bea (dpa)

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