Rebellen starten Offensive gegen Regierungstruppen in Aleppo | Aktuell Welt | DW | 28.10.2016
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Syrien-Krieg

Rebellen starten Offensive gegen Regierungstruppen in Aleppo

Islamistische Kämpfer haben vom Osten der syrischen Metropole aus zahllose Geschosse in den von der Armee kontrollierten Westteil gefeuert. Russlands Luftwaffe will deswegen Aleppo wieder massiver attackieren.

Rebellen bereiten Angriffe mit einem - selbstgebauten - Raketenwerfer vor (Foto: Getty Images/AFP/O. Haj Kadour)

Rebellen bereiten Angriffe mit einem - selbstgebauten - Raketenwerfer vor

In der umkämpften Großstadt Aleppo haben Rebellen eine Offensive gestartet, um ihre Belagerung durch syrische Regierungstruppen zu durchbrechen. Wie ein Sprecher der einflussreichen islamistischen Ahrar-al-Scham-Miliz bekannt gab, sind alle Gruppen des islamistischen Rebellen-Bündnisses Dschaisch al-Fateh (Armee der Eroberung) an der Offensive beteiligt. Dem Bündnis gehören unter anderem die Dschihadisten der Fateh-al-Scham-Front an, die bis zu ihrer selbsterklärten Abspaltung vom Terror-Netzwerk Al-Kaida Al-Nusra-Front hieß.

Beobachtungsstelle: 15 Zivilisten getötet, hunderte verletzt

Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, feuerten die Rebellen "hunderte" Geschosse auf den von den Regierungstruppen kontrollierten Westteil der Stadt ab. Dabei seien mindestens 15 Zivilisten getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden. Das Kampfgeschehen in Aleppo erstrecke sich über 15 Kilometer entlang der Westfront der Rebellengebiete. Dabei würden die Rebellen von 1500 Kämpfern aus den Nordwestprovinzen Aleppo und Idlib unterstützt, so die Beobachtungsstelle weiter.

Korrespondenten berichteten aus den Rebellenbezirken Aleppos, dass zahlreiche in Brand gesteckte Reifen dichte, schwarze Rauchwolken aufsteigen ließen. Die Rauchschwaden sollten demnach den syrischen Streitkräften und russischen Kampfflugzeugen die Sicht auf die Rebellenbewegungen erschweren. Aus den Moscheen der Ostbezirke erschallten demnach beständig "Gott ist groß"-Rufe.

Aleppo ist seit mehr als vier Jahren in einen von den Aufständischen gehaltenen Osten und einen von Regierungstruppen kontrollierten Westen geteilt. Der von Rebellen kontrollierte Ostteil der Stadt wird seit Monaten von syrischen Regierungstruppen belagert. Im September hatten die Regierungstruppen eine Offensive gestartet, um die Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei werden sie von der russischen Luftwaffe unterstützt.

Auch Militärflughafen Nairab und der internationale Airport unter Beschuss

Nach Angaben der Beobachtungsstelle nahmen die Rebellen neben dem Westteil Aleppos auch den Militärflughafen Nairab und den internationalen Flughafen von Aleppo unter Beschuss, die beide östlich der Stadt liegen und von den Regierungstruppen kontrolliert werden. 

Von der Provinz Idlib aus seien zudem Raketen auf die Küstenprovinz Latakia abgefeuert worden, eine Hochburg von Präsident Baschar al-Assad. Die Geschosse schlugen den Angaben zufolge am Militärflughafen Hmeimim, der von der russischen Luftwaffe genutzt wird, und in der Nähe von Kardaha, dem Heimatort der Familie Assad, ein. Dabei seien mindestens ein Mensch getötet und sechs weitere verletzt worden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten in Syrien.

Die Außenminister Sarif (Iran), Lawrow (Russland) und al-Muallem (Syrien) bei ihrem Treffen in Moskau (Reuters/S. Karpukhin)

Die Außenminister (von links) Sarif (Iran), Lawrow (Russland) und al-Muallem (Syrien) bei ihrem Treffen in Moskau

Russland will Luftangriffe auf Aleppo wieder ausweiten

Angesichts der Rebellenattacken will Russland seine Luftangriffe auf Aleppo wieder ausweiten. Russische und syrische Kampfjets hätten seit zehn Tagen eine zehn Kilometer breite Zone um Aleppo nicht angeflogen, sagte Sergej Rudskoj vom Generalstab in Moskau. Da die Kämpfe weitergingen, habe das Militär Präsident Wladimir Putin um die Erlaubnis gebeten, wieder Angriffe auf Rebellen im Osten Aleppos zu fliegen, sagte Rudskoj der Agentur Tass zufolge. 

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach mit seinem US-Kollegen John Kerry erneut bei einem Telefonat über die Lage in Aleppo. Dabei informierte Lawrow auch über sein Treffen mit den Chefdiplomaten Syriens und des Irans - Walid al-Muallem und Mohammed Dschawad Sarif - in Moskau. Damaskus und seine Verbündeten hatten dabei den Willen zur Rückeroberung von Aleppo bekräftigt.

sti/as (afp, dpa, rtr)