Rassismusvorwürfe gegen ″Corriere dello Sport″ | Sport-News | DW | 05.12.2019
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Rassismus im Fußball

Rassismusvorwürfe gegen "Corriere dello Sport"

Die italienische Zeitung "Corriere dello Sport" sorgt mit einer rassistisch anmutenden Schlagzeile für einen Skandal. Zwei Serie-A-Klubs verbannen Corriere-Reporter bis zum Jahresende von den Vereinsgeländen.

Die beiden betroffenen Fußballer waren sich einig: Das geht gar nicht. "Anstatt sich auf einen Kampf zwischen zwei Teams zu konzentrieren, macht der 'Corriere dello Sport' die dümmsten Schlagzeilen, die ich je in meiner Karriere gesehen habe", twitterte Romelu Lukaku von Inter Mailand. "Ihr spornt die Negativität und das Rassismusproblem weiter an." Ähnlich sah es Chris Smalling vom AS Rom. Das Titelblatt der Zeitung sei "falsch und höchst taktlos", schrieb der Abwehrspieler auf Twitter.

Boykott der Zeitung bis zum Jahresende

Die italienische Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" hatte mit Blick auf das Ligaspiel zwischen Inter und der Roma an diesem Freitagabend im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion auf der Titelseite Bilder der dunkelhäutigen Spieler Lukaku und Smalling veröffentlicht und die Schlagzeile "Black Friday" darüber gesetzt. Nicht nur die beiden Spieler, auch ihre Vereine äußerten sich entsetzt. So twitterte Inter Mailand: "Fußball ist Leidenschaft, Kultur und Zusammengehörigkeit. Wir sind und werden immer gegen jede Form von Diskriminierung sein."

Auch andere Klubs der Serie A stimmten in den Chor der Kritiker ein. Inters Stadtrivale AC Mailand schrieb auf Twitter: "Diese Oberflächlichkeit und Ignoranz gegenüber Rassismus sind absolut nicht mehr hinnehmbar." Ligarivale AC Florenz erklärte, die Titelseite des "Corriere" mache einen "sprachlos". Der AC Mailand und die AS Rom kündigten gemeinsam an, Reportern dieser Zeitung bis Ende des Kalenderjahrs 2019 den Zutritt zu ihren Vereinsgeländen zu verbieten.

Chefredakteur: "Unschuldige Überschrift"

Der Chefredakteur des "Corriere", Ivan Zazzaroni, verteidigte den Artikel. Der Ausdruck "Black Friday" sei "eine Lobpreisung auf das Anderssein, der Stolz des Andersseins, der großartige Reichtum des Andersseins". Eine "unschuldige Überschrift" werde "von jenen vergiftet, die Gift in sich haben", schrieb Zazzaroni.

Der Begriff "Black Friday" (Schwarzer Freitag) stammt aus den USA und kennzeichnet den Startschuss für die Weihnachtseinkäufe. In dem Artikel, dem selbst Kritiker zugute halten, dass er eigentlich antirassistische Botschaften enthalte, schrieb der "Corriere": "Angesichts der Idioten, die 'buu' rufen, müssen wir morgen alle 'oooh' rufen (wie die Kinder). Es wird ein großer Black Friday gespielt, aber es sind keine Saisonschlussrabatte, wenn, dann eher Stücke eines Meistertitels, die die ganze Saison halten." Lukaku und Smalling werden in dem Text als "zwei farbige Größen" bezeichnet.

Der italienische Fußball hat seit Jahren ein Rassismus-Problem, immer wieder kommt es zu Vorfällen und Sprechchören auf den Tribünen. Neben dem Belgier Lukaku ist der frühere italienische Nationalspieler Mario Balotelli von Brescia Calcio häufig Zielscheibe rassistischer Attacken. In diesem Zusammenhang machte Serie-A-Direktor Luigi De Siervo in dieser Woche Schlagzeilen. Die Zeitung "La Repubblica" veröffentlichte einen Audio-Mitschnitt, auf dem De Siervo während einer Besprechung vorschlug, die Mikrofone im Stadion abzuschalten, damit die Affenlaute nicht im Fernsehen zu hören wären.

sn (dpa/sid)

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