Rassismus-Vorwürfe: Naidoo fliegt aus TV-Primetime-Show | Aktuell Deutschland | DW | 11.03.2020
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Deutschland

Rassismus-Vorwürfe: Naidoo fliegt aus TV-Primetime-Show

Es ist ein harter Vorwurf, der dem Sänger Xavier Naidoo gemacht wird: In einem im Internet veröffentlichten Song äußere er sich rassistisch. Der Privatsender RTL reagierte und entfernte Naidoo vorerst aus dem Programm.

Nicht zum ersten Mal hat der Sänger Xavier Naidoo (Artikelbild) Ärger - doch diesmal ist die Sache ernst: Der 48-Jährige hat neue Rassismus-Vorwürfe vehement zurückgewiesen und trotzdem berufliche Konsequenzen zu spüren bekommen. Naidoo reagierte auf eine Debatte um ein Video, in dem zu sehen ist, wie er ein Lied mit umstrittenen Textzeilen singt. Er schrieb dazu auf Facebook, seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Zu den Hintergründen und der Entstehung des Videos äußerte er sich nicht.

Gegen Rassismus und Extremismus

Dennoch kostete der Song ihn seinen aktuellen Job: Der Fernsehsender RTL nahm Naidoo vorerst aus der Jury der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), eine der wichtigsten Primetime-Show-Produktionen im deutschen Fernsehen mit Dieter Bohlen. "Wir sind Verfechter der Meinungsfreiheit. Dazu gehört aber auch, dass wir jede Form von Rassismus und Extremismus entschieden ablehnen", teilte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf mit. Zur Person Naidoo sagte der Senderchef: "Unsere Bitte, seine Äußerungen im Dialog und live bei RTL persönlich und öffentlich zu diskutieren und zu erklären, hat er bislang unbeantwortet gelassen. Gerade diese Diskussion fänden wir wichtig, da für uns die Aussagen im Video und seine Kommentierung danach überhaupt nicht zusammenpassen."

Dieter Bohlen (picture alliance/dpa/H. Kaiser)

Der eigentliche Star von "DSDS": Dieter Bohlen

In dem fraglichen Videoausschnitt heißt es unter anderem: "Ich hab' fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt, dann muss ich harte Worte wählen. Denn keiner darf meine Leute quälen." In den Kommentarspalten zu dem Video werfen zahlreiche Nutzer dem Sänger Rassismus vor. Wer das Video wann ins Netz stellte, ist unklar.

Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm völlig fremd, auch wenn er sich zuweilen emotional künstlerisch äußere, hieß es dazu in einem Beitrag auf Naidoos Facebook-Seite. "Ich setze mich seit Jahren aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein. Liebe und Respekt sind der einzige Weg für ein gesellschaftliches Miteinander", wurde der Sänger dort zitiert. Er erklärte zugleich: "Auch meine Familie kam als Gast nach Deutschland und hat sich natürlich an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten." Diese Selbstverständlichkeit solle für alle gelten.

Die Sache mit den Reichsbürgern

Dem Sender RTL reichten diese Erklärungen zunächst nicht aus, zumal nach Agenturberichten weitere Videos aufgetaucht seien, die in eine ähnliche Richtung gingen.

Xavier Naidoo stand in der Vergangenheit schon mehrfach wegen Äußerungen in der Kritik. Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach er in Berlin bei einer Demonstration sogenannter Reichsbürger, die die staatliche Ordnung in Deutschland ablehnen. Später betonte er, dass er mit den Reichsbürgern nichts zu tun habe. Im Jahr darauf nominierte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) den Sänger für den Eurovision Song Contest (ESC). Nach heftiger Kritik zog der NDR die Entscheidung zurück. Im Lied "Marionetten" der Gruppe "Söhne Mannheims" (2017), das Naidoo geschrieben hatte, werden unter anderem Volksvertreter als "Volks-in-die-Fresse-Treter" bezeichnet. Ihm wurde vorgeworfen, rechtspopulistische Töne anzuschlagen. Naidoo sagte dazu, dies sei eine "zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen".

ml/rb (dpa, afp)

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