Randale am Jahrestag der griechischen Studentenrevolte | Aktuell Europa | DW | 17.11.2018
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Griechenland

Randale am Jahrestag der griechischen Studentenrevolte

In Athen haben tausende Menschen des 45. Jahrestages der blutigen Niederschlagung der Studentenrevolte gegen die regierende Militärjunta gedacht. Gegen Ende kam es zu Straßenschlachten Linksextremer mit der Polizei.

Griechenland Mindestens 12.000 Menschen gedenken in Athen der Studentenrevolte von 1973 (Reuters/C. Baltas)

Wie in jedem Jahr wird die Flagge, die damals über dem Polytechnikum wehte, dem Protestzug vorangetragen

Nach Polizeiangaben beteiligten sich an den weitgehend friedlichen Demonstrationen zum Jahrestag der Studentenproteste vom 17. November 1973 mehr als 10.000 Menschen. Auch in diesem Jahr führte der Gedenkmarsch zur US-Botschaft in Athen. Die Regierung in Washington wird von den Griechen für die Zeit der Diktatur mitverantwortlich gemacht. Die meisten Banner und Sprechchöre der zumeist jungen Demonstranten richteten sich wie auch in den vergangenen Jahren gegen Kapitalismus, Imperialismus und Faschismus, die NATO und von den USA geführte Kriege weltweit.

Griechenland Mindestens 12.000 Menschen gedenken in Athen der Studentenrevolte von 1973 (Reuters/C. Baltas)

Demonstranten auf dem Weg zur US-Botschaft

Später errichteten Linksautonome im studentischen Stadtteil Exarchia Straßensperren, zündeten Mülltonnen an und warfen mit Steinen und Brandsätzen. Das griechische Fernsehen veröffentlichte Bilder, die Vermummte zeigen, die Brandsätze von Hausdächern schleuderten. Die Polizei setzte Tränengas ein, bereits am frühen Abend gab es mehrere Festnahmen.

Griechenland Mindestens 12.000 Menschen gedenken in Athen der Studentenrevolte von 1973 (Reuters/C. Baltas)

Gewaltausbruch zum Ende des friedlichen Gedenkens

Da es mit großer Regelmäßigkeit bei dem Gedenken am Jahrestag der Studentenrevolte zu Krawallen kommt, waren die Sicherheitskräfte vorbereitet. Die Polizei war mit rund 5000 Beamten im Einsatz, wie griechische Medien berichteten. Das Stadtzentrum war teilweise für Fahrzeuge gesperrt, auch Metrostationen wurden aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen.

Auch in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes, gab es einen Gedenkmarsch, an dem sich rund 7500 Menschen beteiligten.

Anfang vom Ende der Diktatur

Aus Protest gegen das seit 1967 in Athen herrschende Obristen-Regime waren vor 45 Jahren tausende Studenten in Athen in einen Streik getreten und hatten sich auf dem Gelände des Polytechnikums verschanzt. Über einen "Piratensender" riefen sie zum Aufstand auf. Am 17. November ließen die Militärs die Panzer rollen und das Hochschulgelände besetzen. Bei der Niederschlagung der Revolte wurden mindestens 24 Menschen getötet. Trotz dieser Niederlage gilt der Studentenaufstand für Historiker als der Anfang vom Ende der griechischen Diktatur, die im Sommer 1974 zusammenbrach.

qu/mak (afp, dpa, rtr)