Israel will Grenzübergang Rafah für Personenverkehr öffnen
26. Januar 2026
Israel will den Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen - eingeschränkt für den Personenverkehr - wieder öffnen. Das gab das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekannt.
Die zentrale Bedingung für die Grenzöffnung wurde inzwischen erfüllt: Die israelische Armee fand im Gazastreifen den Leichnam des Polizisten Ran Gvili, seine sterblichen Überreste wurden zurück nach Israel gebracht. Der damals 24-Jährige war am 7. Oktober 2023 beim Massaker der Hamas und anderer extremistischer Organisationen getötet worden. Die Armee teilte mit, Militärvertreter hätten die Familie von Ran Gvili darüber informiert, dass ihr Angehöriger "formal identifiziert und für die Beisetzung in die Heimat gebracht wurde". Damit seien nun alle Geiseln der radikalislamischen Hamas zurückgeführt worden.
Nach Angaben der Streitkräfte erstreckte sich das Suchgebiet nach den sterblichen Überresten von Gvili auf einen Friedhof im Umfeld der sogenannten Gelben Linie. Diese teilt den Gazastreifen in einen von Israels Militär kontrollierten und in einen vom israelischen Militär freien Teil. Ein Sprecher der Kassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, hatte zuletzt erklärt, dass die Miliz den Vermittlern im Gaza-Friedensprozess alle Informationen übergeben habe, die zur Auffindung der Leiche nötig seien.
Einziger Grenzübergang, der nicht nach Israel führt
Der seit fast einem Jahr geschlossene Rafah-Grenzübergang gilt als wichtigstes Tor des Gazastreifens zur Welt. Er ist der einzige Grenzübergang des Gazastreifens, der nicht direkt nach Israel führt. Israels Militär kontrolliert die Gaza-Seite des Übergangs. Bevor Israel nun der Öffnung für den Personenverkehr im Grundsatz zustimmte, hatte Premier Netanjahu am späten Samstag mit dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, gesprochen.
Die USA wollen, dass in der zweiten Phase des unter ihrer Leitung geschlossenen Gaza-Friedensplans die Hamas entwaffnet wird. Die islamistische Terrororganisation lehnt dies jedoch bislang ab. Bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Sonntagabend sollen israelischen Medienberichten zufolge rechtsextreme Minister in Netanjahus Regierung die Entscheidung, den Grenzübergang Rafah nach Abschluss der Leichen-Suche wieder zu öffnen, scharf kritisiert haben.
Scharfe Töne vom Polizeiminister
Die Hamas sei noch immer nicht vollständig "eliminiert", wurde der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir zitiert. Sie müsse zerschlagen und entwaffnet werden. Die Wiederöffnung des Grenzübergangs Rafah wäre "ein großer Fehler und ein sehr schlechtes Signal", soll Ben-Gvir gesagt haben.
Die radikale Palästinenserorganisation und verbündete Milizen hatten bei ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 mehr als 1200 Menschen getötet und 251 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte mit massiven Angriffen aus der Luft und am Boden. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden durch den Militäreinsatz mehr als 67.000 Menschen in dem Palästinensergebiet getötet.
Seit dem 10. Oktober gilt im Gazastreifen eine fragile Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel. Beide Seiten werfen sich jedoch immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor.
"Neues Gaza" als Reiseziel?
Der schmale Küstenstreifen ist nach dem zweijährigen Krieg zwischen der Hamas, die von zahlreichen Staaten als Terrororganisation gelistet wird, und Israel fast vollständig zerstört. Dennoch rechnen die USA nach eigenen Angaben mit einem Wiederaufbau in nur drei Jahren. Um Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen wieder aufzubauen, seien Investitionen in Höhe von 25 Milliarden Dollar erforderlich. Trump und Kushner hatten beim Weltwirtschaftsforum in Davos ihre Vision für den Wiederaufbau des Gazastreifens vorgestellt.
Kushner zeigte Entwürfe für das "Neue Gaza" mit Wohngebieten und vielen Hochhäusern. Durch das Bauprojekt könne der Gazastreifen zum "Reiseziel" werden, sagte Kushner.
Die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzt die Kosten für den Wiederaufbau auf 70 Milliarden Dollar. Sie geht zudem davon aus, dass der Wiederaufbau Jahrzehnte braucht.
haz/pgr/wa (dpa, rtr, afp)
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