Rückschlag statt Neustart bei Dolls Hannover-Premiere | Sport | DW | 01.02.2019
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Fußball-Bundesliga 20. Spieltag

Rückschlag statt Neustart bei Dolls Hannover-Premiere

Hannovers neuem Trainer Thomas Doll ist der Start in die Mission Klassenerhalt mit den 96ern gründlich misslungen. Gegen Leipzig erlebte Hannover ein ähnliches Debakel wie vor Wochenfrist unter Dolls Vorgänger.

Mit viel Optimismus war Thomas Doll in sein Hannover-Debüt nach knapp elf Jahren Bundesliga-Abstinenz gegangen: "Wir haben mutig aufgestellt, wir haben auch junge Spieler drauf, die Geschwindigkeit mitbringen", hatte der 52-Jährige vor der Partie am 20. Spieltag gegen RB Leipzig gesagt. "Wir haben eine gute Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern."

Neuer Trainer - alte Probleme

Gleich auf sechs Positionen veränderte Doll die Startelf seines Vorgängers André Breitenreiter, der nach der 1:5-Pleite am vergangenen Spieltag gegen Borussia Dortmund gehen musste. Unter anderem überraschte Doll mit Julian Korb und Florent Muslija, die unter Breitenreiter zuletzt gar keine Rolle mehr gespielt hatten. Doch die erhoffte Wende brachten auch die Neuen nicht - viel mehr lieferte Dolls Team gegen Leipzig fast eine Kopie des Spiels gegen Dortmund ab.

Fußball Bundesliga Hannover 96 - RB Leipzig (Getty Images/S. Franklin)

Thomas Dolls Einsatz an der Seitenlinie nutzte nichts

Hannover präsentierte sich in der ersten Halbzeit in der Defensive zwar leicht verbessert, insgesamt aber wie schon unter Breitenreiter mit haarsträubenden Fehlern und im Offensivspiel vollkommen harmlos: In 90 Minuten brachten die Hausherren gerade einmal einen Torschuss durch den eingewechselten Hendrik Weydandt zustande. Immerhin hielten sie - trotz klarer Überlegenheit der Gäste aus Leipzig - bis kurz vor dem Halbzeitpfiff die Null, was jedoch vor allem Keeper Michael Esser zu verdanken war, der sein Team mit mehreren Glanztaten im Spiel hielt. Sogar an den von Marcel Halstenberg getretenen Foulelfmeter in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+ 3. Minute) wäre Esser fast herangekommen. Innenverteidiger Kevin Akpoguma hatte zuvor Matheus Cunha zu Fall gebracht.

Doll erkennt positive Aspekte

Mit der Einwechslung von Booby Wood für den nicht überzeugenden Muslija zur Pause und später Weydandt versuchte Doll die Offensive zu aktivieren - ohne Erfolg. Als Willi Orban in der 64. Minute einen Eckball des starken Halstenberg zum 2:0 einnickte, glaubte wohl selbst Doll nicht mehr an die Wende. Zumal in seinem Team kein wirkliches Aufbäumen gegen die fünfte Heimniederlage in Folge zu erkennen war. Wie schon gegen Dortmund brach Hannover am Ende völlig ein und kassierte nach einer weiteren Ecke sogar noch das 0:3 (85.) - wieder konnte Orban ungehindert einköpfen.

Fußball Bundesliga Hannover 96 - RB Leipzig (Getty Images/S. Franklin)

"Doppelpacker" Willi Orban bedankt sich beim Vorbereiter seines zweiten Treffers, Emil Forsberg

Doll behauptete dennoch positive Aspekte wahrgenommen zu haben: "Dass wir 35 Minuten das vernünftig, stabil verteidigt haben", sagte Hannovers Coach, gab jedoch gleichzeitig zu: "Aber wir haben natürlich eine Verunsicherung gesehen, wenig Selbstbewusstsein." Seine Mängelliste war lang: "Wir waren überhaupt nicht drin in den Zweikämpfen, wir haben uns überhaupt nichts zugetraut. Das müssen wir alles besser machen." Bei dem einen oder anderen müsse zudem am "Fitnesslevel gearbeitet werden".

Himmelfahrtsmission Hannover

Spätestens mit der Partie gegen Leipzig dürfte Doll klar geworden sein, auf was für ein Himmelfahrtsmission er sich in Hannover eingelassen hat. Der ehemalige Retter des Hamburger SV und von Borussia Dortmund weiß, dass er in den kommenden Wochen nicht nur als Fußballlehrer, sondern vor allem auch als Psychologe gefragt sein wird: "Wir müssen bis zum nächsten Spiel gegen Nürnberg die Köpfe wieder frei bekommen", musste Doll bereits nach seinem ersten Spiel als 96-Cheftrainer Durchhalteparolen bemühen. Gegen den Tabellennachbarn Nürnberg haben die Niedersachsen gleich noch einmal Heimrecht - eine weitere Pleite würde nicht nur einen Bundesliga-Negativrekord bedeuten (sechs Heimniederlagen in Folge), sondern wohl auch eine Vorentscheidung im Abstiegskampf.

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