Quecksilber wird aus dem Verkehr gezogen | Wissen & Umwelt | DW | 11.10.2013
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Wissen & Umwelt

Quecksilber wird aus dem Verkehr gezogen

90 Staaten haben im japanischen Minamata ein Abkommen unterzeichnet, um die Umweltbelastung mit dem gefährlichen Schwermetall zu verringern. Experten betonen, das sei nur ein erster Schritt.

Vor knapp 60 Jahren haben Ärzte eine rätselhafte Erkrankungswelle beobachtet: In der japanischen Küstenstadt Minamata, die vorher in der restlichen Welt fast unbekannt war, litten tausende Menschen an Gliederschmerzen, Lähmungen, Psychosen und permanenten Nervenschäden. Die Ursache war bald gefunden: Aus einer Chemiefabrik war jahrelang Quecksilber ins Meer geleitet worden.

Über lokal gefangenen Fisch hatten die Betroffenen eine chronische Quecksilbervergiftung bekommen. Heute schätzen Mediziner, dass etwa 3000 Einwohner daran gestorben waren. Dieser Vorfall gilt als eine der schwersten Umweltkatastrophen des letzten Jahrhunderts. Der Name der Kleinstadt war weltweit mit Umweltverschmutzung verbunden - bis jetzt.

Denn am Donnerstag (10.10.2013) haben Regierungen aus aller Welt dort die "Minamata-Konvention" verabschiedet - ein internationales Abkommen zur Quecksilber-Reduzierung. Das Ziel: Die Emission dieses Schwermetalls soll weltweit eingedämmt werden. Ab 2020 ist es damit grundsätzlich verboten, Produkte mit Quecksilber herzustellen oder zu verkaufen. Staaten, die das Abkommen unterzeichnet haben, dürfen künftig auch keine neuen Quecksilberminen mehr eröffnen.

Ein Meilenstein, aber nur der erste Schritt

Fischfang am Meer (Foto: picture-alliance/AP)

Quecksilber kennt keine Grenzen. Durch Fischfang gelangt es auf viele Teller

Viele feiern das neue Abkommen als einen Meilenstein für den Umweltschutz. Doch Experten weisen darauf hin, das es nur ein "erster Schritt" in die richtige Richtung sei. "Es müssen langfristige Taten folgen, man darf sich jetzt nicht darauf ausruhen", betont Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe.

Der Kampf gegen das Schwermetall wird nämlich nicht überall betrieben: In Entwicklungsländern wächst nach Information des UN-Umweltprogramms (UNEP) die Quecksilber-Emission sogar drastisch an. In den USA und in Europa sind die Regeln zwar viel strenger, aber über Rauchgase und andere Wege gelangt immer noch einiges in die Umwelt. In Deutschland zum Beispiel knapp zehn Tonnen pro Jahr.

Vor allem ist Quecksilber auch jetzt schon in der Umwelt weiträumig verteilt. Sogar in die dünnbesiedelte Arktis gelangen jährlich durch Luft- und Meeresströmungen ungefähr 200 Tonnen Quecksilber. Und das Metall im Wasser und der Luft gefährdet über die Nahrungskette auch Menschen.

Darüber hinaus betonen Experten, dass wegen der hohen Giftigkeit auch schon geringste Mengen Quecksilber gefährlich sein können. Insgesamt sind seit 1850 etwa 200.000 Tonnen Quecksilber in die Umwelt ausgestoßen worden. Niemand weiß, ob die Belastung durch das neue Abkommen schnell sinken wird.

Zerbrochene Energiesparlampe (Foto: illuminator - Fotolia.com)

Energiesparlampen setzen kleine Mengen Quecksilber frei. Sie gehören in den Sondermüll

Problem: Energiesparlampe

In Deutschland kommt Quecksilber vor allem noch in Energiesparlampen vor. "Diese Lampen enthalten kleine Mengen von Quecksilber und müssen eigentlich getrennt gesammelt werden", erklärt Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe gegenüber der DW. Allerdings werden viele Energiesparlampe gar nicht ordentlich entsorgt.

Die Sammelquote in Deutschland liege in Unternehmen etwa bei 40 Prozent, und nur etwa 10 Prozent der Menschen in privaten Haushalten bringen ihre Lampen zu Sammelstellen. Wenn die Lampen im Müll oder auf dem Weg zu den Recyclinganlagen zerbrechen, gelange das Schwermetall sofort in die Umwelt, betont Müller.

Zwar müssen in Deutschland alle Hersteller von Energiesparlampen ihre alten Lampen zurücknehmen, doch in der Praxis funktioniert das nicht sehr gut. Anders als bei Batterien sind Händler nicht verpflichtet, eigene Sammelstellen für Energiesparlampen einzurichten. Obwohl manche Handelsfilialen freiwillig alte Lampen zurücknehmen, hätten Verbraucher "keine flächendeckende Entsorgungsmöglichkeit", betont die Umweltschützerin Müller. Der Handel müsse richtig zur Rücknahme der alten Lampen verpflichtet werden, um die Quecksilbergefahr zu verringern.

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