Proteste am brasilianischen Unabhängigkeitstag | Aktuell Amerika | DW | 07.09.2013
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Aktuell Amerika

Proteste am brasilianischen Unabhängigkeitstag

Die soziale Ungerechtigkeit im Land hat in Brasilien am Unabhängigkeitstag die Menschen wieder auf die Straße getrieben. In mehreren Städten kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten.

In Rio de Janeiro und vor dem Kongress in der Hauptstadt Brasilia setzten die Sicherheitskräfte Tränengas, Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Vermummte Randalierer warfen Fensterscheiben ein, demolierten Geschäfte und schleuderten Steine auf Polizisten. Es gab mehrere Verletzte und Dutzende Festnahmen. Auch in São Paulo kam es zu Konfrontationen zwischen Polizei und Randalierern. Die Proteste gegen Korruption und soziale Ungerechtigkeit waren allerdings wesentlich kleiner als die Massenproteste, die das Land im Juni erschüttert hatten.

Nach Ansicht der Organisatoren, haben sich viele Brasilianer angesichts der starken Polizeipräsenz am Unabhängigkeitstag nicht getraut, sich an den Protesten zu beteiligen. Die Zahl der Demonstranten lag nach Schätzungen bei wenigen Tausend.

Rund 200 Demonstranten versuchten einen Sperr-Ring der Polizei vor dem Fußball-Stadion Estadio Nacional in Brasilia zu durchbrechen, während im Stadion die Nationalmannschaft gegen Australien spielte. Mit Tränengas und Blendgranaten drängte die Polizei die Menschen zurück.

Proteste für ein besseres Leben

Während des Confed-Cups im Juni, der Generalprobe für die Fußball-WM 2014, waren Hunderttausende vor allem junge Brasilianer auf die Straße gegangen, um gegen Korruption und Misswirtschaft zu protestieren. Die Wut der Demonstranten richtet sich aber auch gegen hohe Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016.

Polizeieinsatz gegen Demonstranten in Rio de Janeiro (Foto: reuters)

Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten

Viele Brasilianer werfen dem Staat vor, Millionensummen in die Infrastruktur für die Sportereignisse zu stecken, im Gegenzug aber Investitionen in das Gesundheits- und Bildungssystem zu vernachlässigen.

Trotz Zugeständnissen der Regierung, die Brasilianerinnen und Brasilianer wollen sich die Zustände in ihrem Land nicht länger gefallen lassen. Seit Wochen kommt es immer wieder zu landesweiten Protesten.

qu/nis (dpa, rtre, sid)