Protestanführer im Sudan festgenommen | Aktuell Afrika | DW | 08.06.2019
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Krise im Sudan

Protestanführer im Sudan festgenommen

Der Militärrat im Sudan geht inzwischen härter gegen Oppositionelle und Demonstranten vor. Nun wurden hochrangige Vertreter der Regierungsgegner festgesetzt - unmittelbar nach einem Vermittlungsversuch durch Äthiopien.

Sudan Krise Vermittlungsversuch Äthiopien Premierminister Abiy Ahmed (picture-alliance/AA/M. Hjaj)

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy (4. v. r.) im Gespräch mit einer Delegation der Protestbewegung am Freitag

Die drei Festgenommenen hatten am Freitag an dem Treffen mit Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed teilgenommen, der eine Verhandlungslösung anstrebt. Es handelt sich um den führenden Gewerkschafter Mohamed Esmat, den Generalsekretär der Rebellenorganisation Sudanesische Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLM-N), Ismail Jalab, sowie deren Sprecher Mubarak Ardol, wie Oppositionsvertreter und die Onlineausgabe der "Sudan Tribune" berichten.

Esmat und Jalab sind hochrangige Mitglieder des Protestbündnisses Allianz für Freiheit und Wandel. "Wir wissen nicht, wo sie festgehalten werden", sagte ein Berater des Generalsekretärs Jalab der Nachrichtenagentur AFP. Bereits vor ein paar Tagen war der stellvertretende Chef der SPLM-N Jassir Arman festgenommen worden.

Die Protestbewegung rief derweil zu landesweitem "zivilem Ungehorsam" ab diesem Sonntag auf. Die Regierungsgegner wollen damit die Ablösung des Militärrats durch eine zivile Regierung erzwingen. Der Aufruf gelte so lange, bis dies erfolgt sei, erklärte der Berufsverband SPA, der die Proteste im Land anführt. 

Mehr als einhundert Tote

Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen den regierenden Generälen und der Protestbewegung hatte die Armee am Montag mit der Auflösung des zentralen Protestlagers vor dem Armeehauptquartier in der Hauptstadt Khartum begonnen. Nach Angaben des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte wurden seitdem mehr als hundert Menschen getötet. Das Geheimdienstministerium räumte den Tod von 61 Menschen ein, darunter rund 50 erschossene Zivilisten.

Sudan Krise Vermittlungsversuch Äthiopien Premierminister Abiy Ahmed (Getty Images/AFP/A. Shazly)

Nach seiner Ankunft im Sudan sprach Äthiopiens Ministerpräsident Abiy (Mitte links) zunächst mit dem Militärrat

Die Afrikanische Union setzte die Mitgliedschaft Sudans angesichts der Gewalt in dem Land aus. Äthiopiens Ministerpräsident Abiy hatte am Freitag nach getrennten Gesprächen mit Vertretern des sudanesischen Militärrats und der Protestbewegung einen schnellen demokratischen Übergang in dem nordostafrikanischen Land gefordert. Abiy erklärte, die Armee müsse "die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung gewährleisten, und die politischen Kräfte müssen an die Zukunft des Landes denken". Beide Länder teilen sich eine lange gemeinsame Grenze.

Nach dem Treffen hatten sich Oppositionelle grundsätzlich bereit erklärt, indirekte Verhandlungen mit dem Militärrat zu führen. Der Chef der Junta, Abdel Fattah al-Burhan, hatte nach einem Treffen mit Abiy ebenfalls Gesprächen zugestimmt.

Marodierende Sicherheitskräfte?

Hinter den neuesten Festnahmen stecken nach Angaben der "Sudan Tribune" wie schon Anfang der Woche Sondereinheiten der schnellen Unterstützungstruppen (RSF). Diese bestehen aus ehemaligen Milizen, die bereits im Darfurkonflikt für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich waren. Augenzeugen zufolge durchkämmen ihre Einheiten seit Montag Wohnviertel und sind für Plünderungen und Vergewaltigungen verantwortlich. Sie sollen außerdem entlang den Straßen postiert sein, um Proteste im Keim zu ersticken.

Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung übernommen. Mit dem Rat einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

ust/jj (rtr, pd, afp)

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