Prominenter serbischer Politiker im Kosovo ermordet | Aktuell Europa | DW | 16.01.2018
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Kosovo

Prominenter serbischer Politiker im Kosovo ermordet

Oliver Ivanović, einer der wichtigsten serbischen Politiker im Kosovo, ist am Morgen im nördlichen Teil von Mitrovica erschossen worden. Es ist nicht der erste Angriff auf den 64-Jährigen.

Es sei ein klassischer Hinterhalt vor der Parteizentrale gewesen, melden die serbischen Medien. Ivanović wurde von fünf Kugeln getroffen und erlag seinen Verletzungen. Das Attentat ereignete sich in einem Stadtteil von Mitrovica, der mehrheitlich von Serben bewohnt ist. Die Belgrader Zeitung Blic meldete, dass die Täter in einem Auto geflohen seien, das sie später in Brand setzten.

Ivanović war eine der wichtigsten serbischen Stimmen im Kosovo, der ehemaligen Südprovinz, die sich 2008 von Serbien abspaltete. Er war von 2008 bis 2012 Staatssekretär im serbischen Ministerium für das Kosovo. Vor seinem Tod leitete er die Initiative "Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit", die in serbischen Gemeinden des Kosovo aktiv ist.

Gewalt der Serben gegen Serben

Im Januar 2014 waren Ivanović und vier weitere Serben wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg während der Jahre 1998 und 1999 verhaftet worden - ein Vorwurf, den Ivanović vehement zurückwies. 2016 wurde er zu neun Jahre Haft verurteilt, doch das Urteil wurde in zweiter Instanz annulliert. Seit Februar 2017 war der Politiker wieder auf freiem Fuß.

Ivanović galt als moderate Stimme unter den Kosovo-Serben. Als einer von nur wenigen serbischen Politikern beherrschte er die albanische Sprache perfekt. Zwar lehnte er wie fast alle serbischen Politiker und wie die große Mehrheit der Serben die Unabhängigkeit des Kosovo ab, doch er war stets zum Dialog mit den Albanern bereit. Mit seiner Politik war er weder für Priština noch für Belgrad bequem. Seine Initiative "Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit" geriet zunehmend unter Druck, weil die aus Belgrad kontrollierte "Srpska lista", eine Partei der Kosovo-Serben, zuletzt die Wahlen in serbischen Gemeinden in Kosovo klar gewonnen hatte.

DW-Journalistin Zorica Ilic im Mitrovica, Kosovo (DW/B. Cani)

Mitrovica - Schauplatz der Ermordung Oliver Ivanovićs

Die heutigen Schüsse waren nicht der erste Angriff auf Ivanović. Bereits im letzten Juli wurde sein Auto angezündet. "So etwas kann mich nicht erschrecken. Aber die Botschaft habe ich verstanden: 'Kandidiere nicht bei Lokalwahlen'", sagte er der DW im August. In mehreren Interviews in den letzten Monaten machte er deutlich, dass die Gewalt im von Serben bewohnten Nordkosovo nicht von Albanern, sondern von aus Belgrad kontrollierten Politikern kommt.

Schlüsseljahr für Serbien und Kosovo

Der Mord kommt in einem heiklen Moment: Nach einer langen Pause haben die Vertreter von Belgrad und Priština am Dienstag in Brüssel ihren Dialog über die Normalisierung der Beziehungen wieder aufgenommen. Nach der Nachricht aus Mitrovica brach allerdings die serbische Seite die Gespräche vorläufig ab. Serbiens Staatschef Aleksandar Vucic berief in Belgrad den Nationalen Sicherheitsrat ein.

2018 wird als Schlüsseljahr für das serbisch-kosovarischen Verhältnis bezeichnet. Es soll ein umfangreiches Abkommen über eine Normalisierung der Beziehungen geschlossen werden. In serbischen Medien wird spekuliert, dass auch dies keine explizite Anerkennung der Unabhängigkeit bedeute, es könne aber zu einem UN-Sitz für Priština führen.

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