Prix Goncourt geht an Hervé Le Tellier | Kultur | DW | 30.11.2020
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Literaturpreis

Prix Goncourt geht an Hervé Le Tellier

Der Prix Goncourt gilt als der wichtigste Literaturpreis Frankreichs und wird für den besten Roman des Jahres vergeben. 2020 bekommt ihn Hervé Le Tellier für "L'Anomalie".

Älterer Mann mit kurzen Haaren steht in einem dunkeln Raum. Er trägt ein weißes Hemd und hat die Arme verschränkt.

Preisgekrönt: Hervé Le Tellier, studierter Mathematiker, hat bereits mehr als 30 Werke publiziert

Der französische Literaturpreis Prix Goncourt geht in diesem Jahr an den Autor Hervé Le Tellier. Der 63-jährige Schriftsteller erhält Frankreichs begehrte Literaturauszeichnung für seinen Roman "L'Anomalie", wie die Jury am Montag (30.11.2020) in Paris mitteilte. Getagt hatte die Jury in einer virtuellen Sitzung.

Das Buch ist in Frankreich bereits ein Verkaufserfolg, die Verfilmung als Serie schon in Planung. Die literarische Geschichte erzählt von einem verrückten Ereignis, das auf einem Flug von Paris nach New York das Leben hunderter Passagiere vollständig auf den Kopf stellt.

2016 wurde die Nachwuchs-Autorin Leila Slimani mit dem renommierten Prix Concourt ausgezeichnet, 2017 erhielt ihn Eric Vuillard, 2018 Nicolas Mathieu, 2019 Alice Zeniter.

Außergewöhnlicher Roman

Le Tellier hat mehr als 20 Werke, darunter Novellen, Gedichte und Essays veröffentlicht, von denen mehrere auch auf Deutsch erschienen sind. So zum Beispiel der autobiografische Roman "All die glücklichen Familien" und "Ich und der Präsident. Ein Briefroman". 

Buchcover L'anomalie von Hervé Le Tellier, schlicht, weiß, mit roter Schrift

Auf Deutsch soll der preisgekrönte Roman 2021 erscheinen

Sein preisgekröntes Buch "L'Anomalie" ist eine Mischung aus Thriller, zwischenmenschlicher Komödie und Science-Fiction. In deutscher Übersetzung sollte es im Frühjahr im Hamburger Rowohlt Verlag veröffentlicht werden. Dort laufen die Neuplanungen jetzt auf Hochtouren.

Der Schriftsteller gehört der 1960 gegründeten "Gruppe Oulipo" an, einem Kreis internationaler Autoren, die ihre Werke speziellen Formzwängen unterwerfen. Durch eine selbst gesetzte neue Schreibweise wollen sie die Sprache der Literatur erweitern. 

Neben Hervé Le Tellier hatten es in diesem Jahr auch noch Camille de Toledo, Djaili Amadou Amal und Mael Renouard in die Finalrunde des Prix Goncourt geschafft.  

Verkaufsfördernde Auszeichnung

Der Preis ist nach den Schriftsteller-Brüdern Edmond und Jules de Goncourt benannt und wurde 1903 ins Leben gerufen. Er ist zwar nur mit zehn Euro dotiert, für die Preisträger bedeutet er trotzdem bares Geld. Denn die Auszeichnung kurbelt die Verkaufszahlen nicht nur in Frankreich enorm an. 2010 verhalf der "Prix Goncourt" Michel Houellebecq an die Spitze der Bestsellerlisten und machte ihn auf einen Schlag weltberühmt.

Montage von drei Porträts zeigt Mann mit grauem Sakko, Frau mit blaugemusterten Kleid mit passendem Turban und einen Mann mit Dreitagebart und graumeliertem Mantel.

Die weiteren Finalisten des Prix Goncourt 2020: Camille de Toledo, Djaili Amadou Amal und Mael Renouard (v.l.n.r.)

Aus Protest gegen die coronabedingte Schließung der Buchläden Ende Oktober war die Preisvergabe von der Akademie Goncourt bis auf Weiteres verschoben worden. Der Prix Goncourt wird traditionsgemäß immer im November vergeben.

Seit 28. November 2020 dürfen in Frankreich - bis auf Restaurants und Bars - wieder alle Geschäfte unter strengen Gesundheitsregeln öffnen und damit auch die Buchläden. Wahrscheinlich werden viele von ihnen heute ihre Auslagen umdekorieren.

hm/nf (dpa/academiegoncourt.com)

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