Private Sprachschulen boomen | Deutschlehrer-Info | DW | 22.09.2016
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Private Sprachschulen boomen

Berlin ist hip. Junge Leute aus aller Welt strömen in die deutsche Hauptstadt. Viele fanden es lange Zeit cool, ihren Alltag auf Englisch zu bestreiten. Doch das hat sich geändert: Sprachschulen für Selbstzahler boomen.

Studierende und junge Spanier, Israeli oder Amerikaner, die sich in Berlin eine neue Existenz aufbauen wollen, kokettieren gern mit ihren sprachlichen Defiziten: „Life is too short to learn German” (Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen) steht auf Stofftaschen und Buttons. In angesagten Kneipen und Cafés passiert es häufig, dass nicht nur die Kundschaft, sondern auch das Personal der deutschen Sprache nicht mächtig ist.

Kurse für unter zwei Euro pro Stunde

Doch jetzt hat sich eine Trendwende angebahnt. Deutschlernen gehört immer häufiger zum guten Ton. Zwar gibt es keine Statistiken, aber Inserate im Netz oder auf Schwarzen Brettern belegen die große Nachfrage. „Gefühlt eröffnet in Berlin jede Woche eine neue Sprachschule“, sagte der Vorsitzende des Fachverbands Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (FaDaF), Matthias Jung. Mittlerweile ist die Konkurrenz so groß, dass Kurse schon für unter zwei Euro pro Stunde pro Teilnehmer angeboten werden.

Ein steigendes Interesse an Deutschkursen - vor allem bei Studierenden und Berufseinsteigern und das nicht nur in Berlin -, beobachtet auch Roland Meinert, Leiter der Goethe-Institute in Deutschland. Das habe mit der Krise in Südeuropa, der gestiegenen Attraktivität Deutschlands und der positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts zu tun, sagt er. „Überproportional zugenommen hat der Anteil der Kursteilnehmer, die bereits in Deutschland leben.“

Lernen in Kneipenatmosphäre

Und weil Berlin eben hip sein will, erinnern vor allem private Unterrichtsräume so gar nicht mehr an Schule. Bei der Berliner „Sprachmafia“ lernt man Deutsch in „kreativem, künstlerischem Umfeld“, so die Betreiber. Dort herrscht fast Kneipen-Atmosphäre, die Wände sind unverputzt. Gebüffelt wird Umgangssprache auch schon mal mit Comics aus dem Netz; der Begriff „rumgurken“ wird von einer Fahrrad fahrenden Essiggurke illustriert.

Anerkannte Prüfung oder Fantasiezertifikat?

Eine Frau mit Doktorhut streckt den Daumen und ihre Prüfungsrolle in die Luft Foto: Colourbox

Nicht alle Zertifikate berechtigen zum Studium


Viele Sprachschüler lernen allerdings nicht nur Deutsch, um im Alltag zu bestehen: Sie wollen Prüfungen, die ihnen zum Beispiel den Zugang zum Studium oder zu einem guten Job ermöglichen. Manche Schulen betrieben jedoch eine „extreme Abzocke mit Fantasiezertifikaten“, die an Unis gar nicht anerkannt würden, so Matthias Jung vom FaDaF. Das Angebot und die Qualität zu überblicken, sei schwer.

Genauso schwer ist es für die vielen neuen Sprachschulen, qualifizertes neues Personal zu finden. Denn seitdem der Staat händeringend Lehrer sucht, die Flüchtlinge unterrichten, ist der Markt ziemlich leergefegt. Und diese verdienen dort inzwischen deutlich besser als an Sprachschulen.

suc/mk (mit dpa)

Die Redaktion empfiehlt