Portugal will bessere Energieanbindung | Wirtschaft | DW | 17.08.2018
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Erneuerbare Energien

Portugal will bessere Energieanbindung

Die Stromtrassen zwischen Frankreich und der Iberischen Halbinsel sollen erweitert werden. Fließt dann mehr erneuerbarer Strom aus Portugal nach Mitteleuropa, oder mehr französischer Atomstrom in umgekehrter Richtung?

Umweltfreundliche Sonnen- und Windenergie aus Portugal nach Mitteleuropa liefern - obendrein preisgünstig, weil von beidem an Europas Westende viel produziert werden könnte? Klingt gut, wenn da nicht ein 3000 Meter hohes Hindernis wäre: Die Pyrenäen, die die Iberische Halbinsel auch bei der Stromversorgung von Frankreich trennen.

Das soll sich jetzt aber ändern, in dem man die Berge einfach umgeht. Das haben Portugal, Spanien und Frankreich Ende vergangenen Monats beschlossen. Für knapp zwei Milliarden Euro sollen Spanien und Portugal besser an den europäischen Energiemarkt angebunden werden.

Ein "historisches Ereignis" nannte Portugals Wirtschaftsminister Manuel Caldeira Cabral das Treffen der Regierungschefs der drei Länder in Lissabon, dass das Ende von "Portugals jahrelanger energiepolitischer Isolation" bedeute. Bis 2025 soll eine Unterwasserstromtrasse durch den Golf von Biskaya entstehen, bis 2030 die Netzwerke zwischen der Iberischen Halbinsel und Frankreich zu 15 Prozent verlinkt werden - bis jetzt sind es nur knapp über fünf Prozent.

Antonio Sa da Costa (Verband der Produzenten erneuerbarer Energien)

António Sá da Costa vom portugiesischen Verband für Erneuerbare Energien freut sich über das "politische Signal".

Ende der "Energie-Isolation"

"Die Regierungen der drei Länder haben ein politisches Signal gesetzt, dass sie ernsthaft am europäischen Energieverbund mitarbeiten wollen", freut sich António Sá da Costa, der Vorsitzende des portugiesischen Verbands für erneuerbare Energien APREN. Doch während der portugiesische Wirtschaftsminister bereits davon träumt, Mitteleuropa mit billigem portugiesischen Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen, bremst Sá da Costa: "Bis das geschieht, ist noch viel zu tun."

Einerseits hat sich Portugal mit Wind- und Wasserkraftwerken gut bei den Erneuerbaren platziert; schafft es sogar immer wieder, seinen Energiebedarf über längere Zeiträume ohne die Zuschaltung konventioneller Kraftwerke zu decken. Andererseits ist die Produktion relativ teuer und wird Solarenergie - trotz der so oft scheinenden Sonne - so gut wie nicht genutzt.

Da sei die Gefahr groß, dass die neue Energietrasse genau in Gegenrichtung funktionieren könnte, warnt Francisco Ferreira von der Umweltschutzorganisation Zero: Frankreich kann über sie seinen künstlich billig gehaltenen Atomstrom aus obsoleten Kraftwerken einfacher nach Portugal leiten." Um das zu verhindern, müsse der portugiesische Staat dringend eine Preisgarantie für die Erzeugung von Ökostrom abgeben und so Investitionen fördern. Der jedoch war bis jetzt mit Subventionen eher geizig und möchte sie am liebsten ganz abbauen.

Portugal (DW/J. Faget)

Bei Produktion und Nutzung erneuerbarer Energien ist Portugal schon sehr weit gekommen.

"Am Ende wird der Preis entscheiden, wer wohin Energie liefert", stellt APREN-Direktor Sá da Costa fest. "Damit wir exportieren können, müssen die Strompreise auch die Folgekosten der Produktion widerspiegeln." Er sieht die Konkurrenz eher bei Gas-, nicht bei Kernkraftwerken, die langfristig sowieso zurückgefahren würden. Damit der Strom wirklich frei fließen könne, müsse die EU also auch am CO2-Zertifikatshandel arbeiten und so gerechte Preise schaffen.

Anbindung an Marokko

Gleichzeitig will Portugal die Energieanbindung an Marokko verbessern und so vom Nachbarn Spanien unabhängiger werden. Bis jetzt existieren zwei Trassen durchs Mittelmeer bei Gibraltar, Portugal wünscht sich eine dritte, die im Süden des Landes beginnen soll. Eine direkte Verbindung mit Marokko erweitere den Markt für portugiesische Erzeuger erneuerbarer Energien, erklärt Wirtschaftsminister Caldeira Cabral. Marokko könnte im Gegenzug umweltfreundlichen Solarstrom auf die Iberische Halbinsel und nach Mitteleuropa liefern.

Da Spanien jedoch nur die bestehenden Leitungen ausbauen will, sucht Portugal bereits nach Investoren für das wohl 700 Millionen Euro teure Projekt. Denn die Kosten dafür sollen, so der Minister, auf keinen Fall von den portugiesischen Energiekonsumenten beglichen werden. Die zahlen jetzt schon die vierthöchste Stromrechnung in Europa. Weil die Regierungen in der Vergangenheit dem damals staatlichen Monopolkonzern EDP zu viele Vergünstigungen eingeräumt und während der Troika-Zeit die Mehrwertsteuer für Energie von sechs auf 23 Prozent erhöht hat. Diese preistreibenden Zusatzkosten würden beim Export natürlich wegfallen.

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