Porsche will Benzin so grün machen wie den E-Antrieb | Wirtschaft | DW | 08.03.2021
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Synthetische Kraftstoffe

Porsche will Benzin so grün machen wie den E-Antrieb

Der deutsche Luxus-Automobilbauer hat bereits massiv in die Elektromobilität investiert. Doch mit einem sauberen synthetischen Kraftstoff will Porsche auch ältere Modelle länger auf der Straße halten.

Die Umstellung auf Elektromobilität mag das Hauptziel der Autoindustrie sein. Bei Porsche glaubt man weiter an den Verbrennungsmotor - obwohl auch hier bereits Milliarden in die Entwicklung elektrischer Modelle fließen. Doch der deutsche Automobilhersteller sucht nach umweltfreundlicheren Alternativen, damit seine Luxusmodelle auch in Zukunft auf den Straßen fahren können.

Die Rede ist von Elektro-Kraftstoffen oder E-Fuels, wie die Branche sie nennt - synthetisches Methanol-Benzin, hergestellt mit grünem Wasserstoff aus erneuerbarer Energie. Der Kraftstoff verbrennt genauso wie Benzin aus Erdöl, aber ohne Treibhausgasemissionen. Er könnte über das bestehende Tankstellennetz weltweit verkauft werden und Porsche-Besitzer müssten ihre Motoren nicht umrüsten lassen.

Porsche-Sprecher Peter Gräve sagte der DW, die E-Fuels würden "einen nahezu klimaneutralen Betrieb von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ermöglichen." Der Autobauer sagte kürzlich, dass seine E-Fuels die CO2-Emissionen um mehr als 85 Prozent senken könnten und sauberer seien als ein Elektrofahrzeug, wenn man die Umweltauswirkungen der Batterieproduktion mit einberechne.

EU-Klimaziele machen Herstellern Druck

Im Dezember bestätigte Porsche Investitionskosten von 24 Millionen Euro und nochmals neun weitere Millionen Euro von der deutschen Regierung. Letzten Monat sagte Porsche, dass der erste Kraftstoff im Jahr 2022 fertig sein soll. Wenn das synthetische Benzin tatsächlich erfolgreich eingeführt wird, könnte Porsche Millionen von Euro an Strafzahlungen der Europäischen Union im Zusammenhang mit den Klimaschutzzielen einsparen.

Die EU-Staaten haben sich 2014 darauf geeinigt, dass die Autohersteller den CO2-Ausstoß bis 2020 für ihre gesamte Modellpalette auf 95 Gramm pro Kilometer begrenzen müssen. Andernfalls drohen ihnen ab diesem Jahr hohe Geldstrafen. Obwohl die meisten Autohersteller mehr umweltfreundlicheren Elektro- und Hybridfahrzeugen verkauft haben, reicht das nicht, um die Kriterien der EU zu erfüllen.

Neue Kraftstoffanlage in Chile

Hergestellt werden soll der grüne Treibstoff im Süden Chiles. Dort baut Siemens Energy mit Porsche eine neue Industrieanlage namens Haru Oni, die sich die windigen Verhältnisse der Region zunutze macht. In der Region befindet sich bereits der größte Windpark Südamerikas.

"Der Süden Chiles bietet ein Überangebot an erneuerbarer Energie. Das ist wichtig für eine günstige Well-to-Wheel-Bilanz von E-Fuels", so Gräve weiter. Well-to-Wheel beschreibt die Umweltauswirkungen eines Produkts über seine gesamte Lebensdauer.

Gräve sagte gegenüber der DW, dass der Kraftstoff zunächst für die Motorsportaktivitäten von Porsche verwendet werden soll. Interessant ist das auch, weil der Sportwagenhersteller Gerüchten zufolge wohl nach 30 Jahren Abwesenheit wieder in die Formel 1 einsteigen könnte. Die Formel 1 hat sich verpflichtet, synthetische Kraftstoffe bis 2025 in den Sport zu integrieren. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, würde der Kraftstoff auch in der bestehenden Modellpalette eingesetzt werden.

"Mittelfristig haben E-Fuels das Potenzial, die Zukunft mit der Tradition zu verbinden", prognostizierte Gräve. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2040 noch viele Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf den Straßen unterwegs sein werden.

Pressebild E-Kraftstoff-Werk von Porsche und Siemens Energy in Chile

Das geplante Kraftstoffwerk von Siemens Energy und Porsche in Chile

E-Kraftstoffe: Kein neues Thema

Porsche ist nicht der Erste, der auf E-Kraftstoffe setzt. Im Jahr 2015 sagte Audi, dass es die Produktion eines nachhaltigen synthetischen Dieselkraftstoffs ausweiten würde, nachdem es seine erste Charge produziert hatte. Mercedes hingegen gab im vergangenen Jahr an, dass E-Fuels angesichts der Umstellung auf Elektrofahrzeuge keine praktikable Option sei.

Synthetische Kraftstoffe können auch aus Kohle, Erdgas oder Biomasse-Rohstoffen gewonnen werden und lassen sich durch verschiedene Methoden herstellen.

Und was ist mit der Elektromobilität?

Porsche stellte aber auch klar, dass die Investitionen in die Produktion von E-Fuels den Einstieg in die Elektromobilität nicht ersetzen werden. "Die Elektromobilität hat bei Porsche weiterhin höchste Priorität", betonte Gräve und fügte hinzu, dass das Unternehmen E-Fuels als sinnvolle Ergänzung seiner Elektrostrategie sieht. Porsche hat in seinem Finanzbericht 2020 angekündigt, dass bis 2025 die Hälfte der Modellpalette elektrisch oder hybrid sein soll.

Bis 2024 will das Unternehmen rund zehn Milliarden Euro in die Hybridisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung seiner Autos investieren. Nach der Einführung des elektrischen Taycan im April. 2019, folgte nun der Cross Turismo. Der Kompakt-SUV Macan wird nächstes Jahr auf den Markt kommen.

Letzten Monat berichteten deutsche Medien, dass die Muttergesellschaft Volkswagen einen Börsengang für Porsche in Betracht zieht. Das soll Geld einspielen, um in Software und Elektrofahrzeuge zu investieren. Das deutsche Wirtschaftsmagazin Manager Magazin schrieb, dass bis zu einem Viertel von Porsche an die Börse gebracht werden könnten - was ein mögliches Finanzpolster von 25 Milliarden Euro einbringen könnte.

Aus dem Englischen adaptiert von Nicolas Martin

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