Polizei löst riesiges Obdachlosen-Camp gewaltsam auf | Aktuell Amerika | DW | 30.10.2020
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Argentinien

Polizei löst riesiges Obdachlosen-Camp gewaltsam auf

Das Lager in Guernica, einem Vorort von Buenos Aires, hatte über Monate mehreren Tausend Familien als Wohnort gedient. Es stand symbolhaft für die wirtschaftliche Misere Argentiniens.

Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei am Donnerstag in das Obdachlosen-Camp auf das rund 100 Hektar große Gelände im Vorort Guernica der Hauptstadt Buenos Aires vor. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam es zwischen den mehr als 4000 eingesetzten Beamten und zahlreichen Bewohnern des Lagers zu gewaltsamen Zusammenstößen.

Argentinien Polizei löst Obdachlosen-Camp auf

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot in das Obdachlosen-Camp in Guernica ein

Aufnahmen des Fernsehsenders TN zeigten, dass die Polizei Tränengas und Gummigeschosse einsetzte. Bewohner des Camps versuchten wiederum, sich gegen die Räumung zur Wehr zu setzen, indem sie Steine und andere Gegenstände auf die Polizisten warfen. Den Angaben zufolge wurden mindestens sechs Beamte verletzt, mehr als 30 Obdachlose wurden festgenommen.

Improvisierte Wohnsiedlung

Seit Juli hatten mittellose Familien das in Privatbesitz befindliche ungenutzte Areal besetzt. Sie steckten Parzellen ab und errichteten einfache Hütten aus Holz, Pappe und Wellblech.

Argentinien | Polizei zerstört eine Baracke bei der Räumung von besetztem Land in Guernica

Die behelfsmäßigen Unterkünfte der illegalen Siedlung in Guernica wurden von der Polizei zerstört

Zuletzt lebten über 1400 Familien auf dem Feld. Die Regierung der Provinz Buenos Aires sagte den Besetzern für ein halbes Jahr bis zu 50.000 Pesos (umgerechnet 545 Euro) monatliche Unterstützung zu.

Die Besitzer des Geländes hatten vor Gericht die Rückgabe eingeklagt. Viele der Bewohner verließen das Lager friedlich, als die Sicherheitskräfte einrückten. Zuvor waren Verhandlungen zwischen den Besetzern und den Behörden gescheitert.

Symbol für desaströse Wirtschaftslage

In der Corona-Krise haben die Arbeitslosenzahlen in Argentinien massiv zugenommen - und mit ihnen die Zahl der Wohnungslosen. Landesweit sind in den vergangenen Monaten zahlreiche provisorische Camps wie das in Guernica entstanden.

Bereits vor der Corona-Pandemie befand sich Argentinien in einer schweren Wirtschaftskrise: Seit 2017 steckt das südamerikanische Land in der Rezession, mehr als 40 Prozent der insgesamt 44 Millionen Einwohner leben in Armut, gut zehn Prozent sogar in extremer Armut. In der Hauptstadtregion Buenos Aires mit ihren 15 Millionen Einwohnern ist die soziale Ungleichheit besonders ausgeprägt.

mak/fw (dpa, afp, ape)

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