Politisches Comeback für Reza Pahlavi im Iran?
Veröffentlicht 31. Juli 2025Zuletzt aktualisiert 11. Januar 2026
Nach 47 Jahren im Exil rückt der Sohn des gestürzten Schahs ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. Als sein Vater nach der Revolution 1979 im Iran ins Exil nach Ägypten floh, absolvierte Reza Pahlavi eine Ausbildung zum Kampfpiloten in Texas. Nun sucht der mittlerweile 65-jährige Exilpolitiker nach einer neuen Rolle und unterstützt die Protestbewegung in seiner Heimat. Er gilt als einer der bekanntesten Gegner der Islamischen Republik.
Für die Machthaber in Teheran ist er ein rotes Tuch - aus Angst vor einem vom Ausland unterstützten Regimewechsel, etwa durch die USA. In einem solchen Szenario wäre der ehemalige Kronprinz ein prominenter Kandidat für eine Führungsrolle.
Düsteres Bild der Schah-Ära
"Für viele Iranerinnen und Iraner gilt er als Hoffnungsträger, als jemand, der an eine zukunftsorientierte Ära unter seinem Vater erinnert, die mit der Revolution 1979 endete", sagt die Journalistin Moloud Hajizadeh im Gespräch mit der DW. Wegen ihrer kritischen Berichterstattung über Repressionen gegen Protestbewegungen wurde Hajizadeh mehrfach verhaftet. Sie floh 2021 aus dem Iran und lebt heute in Norwegen.
"Ich wurde nach der Revolution von 1979 geboren und bin im Bildungssystem der Islamischen Republik aufgewachsen", erzählt die Journalistin. "In der Schule vermittelte man uns ein düsteres Bild der Schah-Zeit, geprägt von Unterdrückung, Korruption und Diskriminierung. Doch genau diese Missstände erleben wir Tag für Tag im Iran - und es hat sich sogar verschlimmert."
Von den Ressourcen des Landes profitierten nur eine kleine privilegierte Schicht, während der Großteil der Gesellschaft in Armut lebe. "Diese Ressourcen werden im Namen einer Ideologie verschwendet, die dem iranischen Volk nichts gebracht und keine Entwicklungsstrategie verfolgt hat", fügt Moloud Hajizadeh hinzu.
Kommt die Monarchie zurück?
Diese Einschätzung teilt sie mit vielen im Iran, die keine Erinnerungen mehr an die Zeit vor 1979 haben. Einige werfen der älteren Generation sogar vor, mit der Revolution ihre Zukunft ruiniert zu haben.
Bahareh Hedayat, prominente Frauenaktivistin und Politikwissenschaftlerin im Iran, sagte zuletzt im März 2025: "Viele wünschen sich die Monarchie zurück. Der Weg, den der Schah eingeschlagen hatte, war richtig. Und die heutige Generation folgt seinem Traum."
In den Augen vieler Iraner gilt der Schah als Patriot mit großen Plänen. Zwischen etwa 1969 und 1979 erlebte der Iran eine wirtschaftliche Blüte mit realen Jahreswachstumsraten von 8 bis 11 Prozent. Zudem wurden Bildungssystem und Infrastruktur modernisiert - Grundlagen, die das Land bis heute prägen.
"Natürlich war nicht alles perfekt, und der Geheimdienst Savak ging hart gegen Oppositionelle vor", sagt Jamshid Assadi, ein iranischer Wirtschaftsexperte, der als junger linker Revolutionär gegen die Monarchie kämpfte. Heute lebt er im französischen Exil und unterstützt Reza Pahlavi. "Aber was danach kam, ist noch viel schlimmer. In den letzten Jahren wurden Protestbewegungen brutal niedergeschlagen, nicht zuletzt, weil ihnen eine klare Führung fehlte."
Die Opposition im Ausland könne die Protestbewegung unterstützen. "Ich glaube, Prinz Reza Pahlavi kann die Führung übernehmen", so Jamshid Assadi. Allerdings könne er nicht alle hinter sich vereinen, und politische Gruppierungen mit antiwestlicher und antiisraelischer Haltung würden ihn nicht unterstützen. So werde die Arbeit innerhalb der Opposition genauso schwierig sein wie der Kampf gegen die Islamische Republik.
"Die Zeit für Regimewechsel ist gekommen"
Bereits am 26. Juli 2025 hatte sich Pahlavi in München mit über 500 iranischen Exilanten, Dissidenten, Aktivisten und Vertretern ethnischer Gruppen bei der "Konvention für nationale Kooperation zur Rettung Irans" getroffen. Der Kronprinz steht für eine Abkehr von der ideologisch geprägten Außenpolitik der Islamischen Republik, wie etwa der angedrohten Vernichtung Israels.
Diese Politik, so Experte Assadi, werde von der Mehrheit der Iraner abgelehnt. Bei Protestbewegungen hört man häufig den Ruf: "Weder Gaza noch Libanon - unser Leben für den Iran!"
Für seine Anhänger ist Reza Pahlavi weiterhin der Kronprinz des Iran. Doch mittlerweile scheint er von der Idee einer Rückkehr der Monarchie Abstand genommen zu haben. In mehreren Interviews forderte Pahlavi, das iranische Volk solle nach einem eventuellen Sturz des Regimes in einem Referendum selbst über die Staatsform entscheiden - ob Republik mit Präsident und Premierminister, parlamentarische Republik oder konstitutionelle Monarchie nach schwedischem Vorbild. Auch andere prominente Oppositionsfiguren unterstützen diese Idee.
Kritiker werfen ihm vor, dass er nach 47 Jahren Exil die iranische Gesellschaft kaum noch kenne. Außerdem wird er dafür kritisiert, dass er auf die Hilfe vom Ausland setzt und die jüngsten militärischen Angriffe gegen sein Heimatland nicht verurteilt hat.
Shirin Ebadi: "Teheran lässt keine Reformen zu"
Die Friedensnobelpreisträgerin von 2003, Shirin Ebadi, unterstützt jedoch Pahlavis Forderung. Auch sie sprach sich in einer Videobotschaft zur Münchner Sicherheitskonferenz für einen Regimewechsel aus: "Die derzeitige Regierung und Verfassung lassen keine Reformen zu. Um eine demokratische und säkulare Regierung zu erreichen, gibt es keinen anderen Weg als das Stürzen des Regimes und ein Referendum unter UN-Aufsicht."
Ebadi sieht die Einigung der Oppositionskräfte als entscheidend an und betont im Gespräch mit der DW: "Einheit ist das Geheimnis unseres Sieges. Sobald wir unsere politischen Differenzen überwinden, können wir gemeinsam das Regime stürzen." Auch Pahlavi betont die Bedeutung einer geeinten Opposition und die Notwendigkeit, nicht nur aus dem Ausland, sondern auch innerhalb Irans und aus Teilen der Machtapparates Unterstützung zu gewinnen.
Nach eigenen Angaben haben mehr als 50.000 potenzielle Überläufer über seine Online-Plattform Kontakt mit seiner Bewegung aufgenommen. Wie viele davon hochrangige Vertreter sind, etwa aus dem Klerus oder den Revolutionsgarden, muss noch genau überprüft werden.
Auch Reza Pahlavi unterstreicht, dass der Kampf für Veränderungen aus dem Land selbst kommen müsse. In einem Interview mit dem britischen Times Radio am 29. Juli sagte er: "Die Rolle der im Ausland lebenden Iraner besteht darin, einheimische Aktivisten zu unterstützen, damit diese zum richtigen Zeitpunkt aktiv werden können."
Dieser ursprünglich am 31.7.2025 erschienene Artikel wurde am 11. Januar 2026 überarbeitet und aktualisiert.