Politischer Druck auf das Goethe Institut steigt | Deutschlehrer-Info | DW | 02.08.2018
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Deutschlehrer-Info

Politischer Druck auf das Goethe Institut steigt

Ob in China, Russland oder der Türkei: Das Goethe Institut sucht auch da noch den Dialog, wo die Politik an Grenzen stößt. Um erfolgreich arbeiten zu können, müssen neue Konzepte und Angebote her.

Angesichts von Krisen und Konflikten weltweit sieht sich das Goethe Institut in seiner kulturellen Arbeit zunehmend politischem Druck ausgesetzt. „Die Situation wird insgesamt schwieriger“, sagte Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Das betrifft nicht so sehr uns selbst. Aber der Druck geht sehr stark auf unsere Partner, mit denen wir vor Ort zusammenarbeiten. Wir müssen aufpassen, sie nicht zu gefährden“, so Lehmann. Als schwierige Länder nannte er etwa Russland, China und die Türkei.

Orte der Kultur und Verbindungsbüros

In der Türkei hat man deshalb zusätzlich zu den drei bestehenden Instituten in Izmir, Istanbul und Ankara mehrere „Orte der Kultur“ gegründet. Dort gibt es niederschwelligere Angebote, um sich beruflich zu qualifizieren oder kulturell aktiv zu sein. Immer sind türkische Stiftungen in die Arbeit mit eingebunden. „Wir sind nicht darauf aus, zu provozieren. Wir wollen Programme machen, die die Menschen erreichen und die Zivilgesellschaft stärken“, sagt Lehmann.

Neue Herausforderungen sieht er auch im erstarkenden Nationalismus und dem Auseinanderdriften von Ost und West in Europa. Gemeinsam mit Frankreich wolle Deutschland hier gegensteuern und ein Motor für die europäische Entwicklung sein. Bis zum Jahr 2020 sollen deshalb in unterschiedlichen Ländern bis zu zehn Institute oder Verbindungsbüros entstehen, die vom „Goethe“ und dem Institut français gemeinsam getragen werden.

Mehr als Wasser und Brot und ein Dach über dem Kopf

Ein weiterer großer Schwerpunkt bleibt die Arbeit in Afrika, wo das Goethe-Institut traditionell stark vertreten ist. Ebenfalls im Fokus steht die gezielte Förderung und Stärkung von Frauen. In den Nachbarländern Syriens wie etwa im Libanon und in Jordanien gehen die Kultur- und Bildungsprogramme in den Flüchtlingslagern weiter: „Wir müssen alles tun, dass dort nicht eine verlorene Generation entsteht. Humanitäre Hilfe ist eben mehr als Wasser und Brot und ein Dach über dem Kopf.“

Klares Bekenntnis zur Kultur

Finanziell sieht Lehmann sein Haus für die künftigen Herausforderungen gut aufgestellt. Die Zuwendungen des Auswärtigen Amts steigen den jüngsten Beschlüssen des Bundestags zufolge in diesem Jahr um 15 Millionen auf knapp 241 Millionen Euro. Diese Erhöhung wird im Regierungsentwurf 2019 auf 13 Millionen Euro festgeschrieben. Insgesamt beträgt der Jahresetat rund 400 Millionen.

„Für uns waren die Haushaltsberatungen bis zum Schluss eine Zitterpartie“, sagte Lehmann. „Aber die Abgeordneten haben ein klares Zeichen gesetzt, dass mit Politik und Wirtschaft allein die Zukunft nicht zu gewinnen ist. Auch die Kultur ist ein entscheidendes Element für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft.“

mk/rh (mit dpa)

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